Nachdem Joanna alias
Olivia
Archer nun Mitglied der Lichtagenten
des Zodiac geworden ist, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Licht
und Schatten
eingependelt haben. Doch endgültig kann sich Joanna weder mit
ihrer Rolle als Kairos
noch mit ihrer emotionalen Situation abfinden. Immer wieder sorgen ihre
Gefühls- und Racheausbrüche in der Zuflucht
für Misstrauen und Angst bei ihren Kameraden,
vor allem aber bei ihrem Anführer Warren. Stets hat Joanna die
Vergeltung an dem
Schattenagent Joaquin vor Augen, der sie damals brutal missbrauchte.
Doch sie leidet
auch an der Isolation von der normalen Menschenwelt und ihrer
gescheiterten Liebe
zu Ben Traina. Annäherungsversuche des attraktiven Hunter kann
Joanna nur abwehren.
Eines Tages trifft sie auf die Schattenadeptin Regan DuPree, die
bestens über Joannas
geheime Identität Bescheid weiß. Sie verspricht
Joanna die Möglichkeit, an Joaquin
Rache zu nehmen. Als Gegenleistung verlangt sie Stillschweigen und die
Chance darauf,
dass Joanna irgendwann mit ihr zusammen auf der Schattenseite stehen
und kämpfen
wird. Ohne viel zu überlegen nimmt Joanna an, völlig
besessen von der Rache an
ihrem Vergewaltiger. Doch dabei übersieht sie völlig,
dass sie sich zur
Marionette des bösen Planes des Tulpa gemacht hat, der an
einer Schlacht zwischen
Schatten und Licht feilt - dem Eintreffen des Zweiten Zeichen des
Zodiac. Die Schlacht
auf dem verfluchten Schlachtfeld. Zu spät merkt Joanna, dass
sie Regan nicht hätte
vertrauen dürfen und dass sie der Schlüssel
für die Vernichtung der gesamten
Zuflucht des Lichts ist. Kann sie im Alleingang die Situation retten?
Das
Zweite
Zeichen
des Zodiac
schließt direkt an den Vorgänger an und bietet
Einsteigern ohne
Vorwissen nur ganz wenige Andeutungen auf den Gesamtzusammenhang. Wie
gewohnt ist
der Schreibstil sehr komplex, etwas langatmig, detailverliebt und
ausführlich. Man
bekommt als Leser wirklich alles mit: wie sich Joanna fühlt,
wie sie sich bewegt,
wie sie aussieht, wie die Umgebung aussieht, wie andere Leute aussehen,
was sie
denkt etc etc. Das füllt Seiten ohne Ende, allein schon mit
Monologen. Dabei
kann man nicht sagen, dass nichts geschieht. Genauer gesagt passiert
sogar
ziemlich viel, mehr als im ersten Band. Daher hat mir das zweite
Zeichen auch
ein wenig besser gefallen als der erste Teil und ich konnte ab der
Hälfte
flüssig durchlesen. Durch die Ich-Perspektive liegt der
Schwerpunkt natürlich auf
Joanna und ihren Taten, aber sie nimmt ihre Umwelt so genau wahr, dass
man sich
auch gut in andere Personen versetzen kann. Leider komme ich immer noch
nicht
so gut mit ihrem Charakter zurecht. Sie ist stets noch
dermaßen bockig,
aufbrausend, unfair und ausfallend, dass sie sich dauernd deshalb in
unmögliche
Situationen bringt bzw. andere gefährdet. Klar ist das Absicht
der Autorin,
aber es fällt mir schwer, so jemanden über 500 Seiten
"um mich herum"
zu haben, das ermüdet schnell oder ich muss entnervt
Lesepausen einlegen. Zum
Glück scheint Joanna mit der Zeit an ihren Aufgaben zu wachsen
und gegen Ende
des Buches wächst die Hoffnung, dass da noch nicht Hopfen und
Malz verloren
ist. Insgesamt ist die Geschichte recht spannend und teils wie ein
Krimi dargestellt.
Es gibt nicht mehr so unzählige Kammerspiel- Dialoge wie im
ersten Teil und manchmal
kommt richtig frischer Wind auf mit Verfolgungsjagden und Kampfszenen.
Das hat dann
etwas von Anita Blake oder Kate Daniels. Den Klappentext kann man
völlig vergessen.
Die ganze Situation mit Ben Traina ist ein absoluter Randeffekt und
füllt kaum 10
Seiten. Es ist auch überhaupt keine nennenswerte
Liebesgeschichte vorhanden.
Zwar empfindet Joanna immer noch Liebe für Ben, doch die kann
wohl nie erfüllt
werden und andere Dinge sind wichtiger, zum Beispiel die Welt vor dem
Tulpa
retten. Das Buch hat ein offenes Ende und bietet unglaublich viel Stoff
für mehrere
Fortsetzungen. Das ganze Thema Familie ist noch völlig
undurchsichtig, sowohl über
Joannas Tochter als auch über ihre verschollene Mutter findet
man nur ganz wenig
heraus. Und der Kampf zwischen Schatten und Licht kann ewig so weiter
gehen. Diese
ganz interessente Offenheit lege ich dem Roman gleichzeitig aber auch
als Schwäche
aus, denn so verzettelt sich die Autorin immer mehr und manchmal
weiß man gar nicht,
was eigentlich der rote Faden sein soll. Die Ereignisse verschwimmen
ineinander
und heben sich gegenseitig auf. So liest man 500 Seiten einer
actionreichen Buchmasse
und hat doch am Schluss das Gefühl, nur kurz den Finger in ein
nebliges, tief-komplexes
Fantasy-Etwas gehalten zu haben.