Lily Yu ist
froh, dass sie sich endlich aufgrund ihrer exzellenten Fähigkeiten als Polizistin den Job als Detective beim Morddezernat gesichert hat. Auch wegen ihrer besonderen Gabe - sie ist eine Sensitive - leistet sie wertvolle Arbeit. Lily kann durch Berührung erspüren, ob derjenige magische Fähigkeiten oder sonst wie nicht menschlich ist. Überraschend überträgt man ihr die Leitung eines Mordfalles, der vor einem zwielichtigen Werwolf-Tanzclub an einem jungen Mann verübt wurde. Alles sieht danach aus, als hätte ein Werwolf ihn förmlich hingemetzelt.Die Spur führt in den Club und zu dem Werwolfprinzen Rule Turner, der sofort als Hauptverdächtiger gilt. Anscheinend hatte die Frau des Ermordeten eine Affäre mit dem charmanten und anziehenden Werwolf. Lily beginnt eifrig mit der Ermittlungsarbeit und sieht sich bald in einer prekären Situation, als Rule sich aufdrängt, ihr bei der Suche nach dem Mörder zu helfen. Einerseits will er ihr Vertrauen gewinnen und andererseits weiß er bereits, dass zwischen ihm und Lily etwas besonderes ist, eine seltene und wertvolle Bindung. Doch Lily lässt sich nicht auf Rule ein und versucht alles, um professionell zu handeln. Rule verschafft ihr einen Einblick in das Leben des Werwolf-Clans und es gelingt ihm, Lily näher zu kommen. Da geschieht ein zweiter Mord und seltsamerweise ist zum gleichen Zeitpunkt Rules Freund und clanloser Werwolf-Zauberer Cullen verschwunden. Lily findet heraus, dass die Morde magischen Ursprungs sind. Bald erfährt sie, dass es bei den Gewalttaten um eine höhere Angelegenheit als Eifersucht oder Rache geht. Hier will eine gefährliche Macht das ganze Volk der Werwölfe vernichten.
Obwohl es viele
Parallelen zu bereits erschienenen Titeln anderer Autoren gibt, hat Wolf Shadow seinen ganz eigenen Reiz. Zu erst einmal muss die Erzählperspektive gelobt werden: endlich wieder eine Geschichte aus der neutralen Sicht, so dass man immer zwischen Lilys und Rules Perspektive wechseln kann. Die ganzen Ich-Erzählungen gingen mir schon etwas auf die Nerven. Eileen Wilks nutzt die neutrale Erzählweise ganz professionell und es entsteht trotzdem viel Nähe zu den Hauptpersonen. Ihr Schreibstil ist klar, recht ernst und gespickt mit komplizierten Dialogen, die sich oft seitenlang hinziehen und viele Aspekte und fremde Begriffe gleichzeitig abhandeln. Man muss sich schon konzentrieren, um wirklich allen Gedankengängen immer folgen zu können.Viel war von seinem Gesicht nicht mehr übrig. Lily blieb auf Abstand und achtete darauf, dass ihre neuen schwarzen Stöckelschuhe nicht mit der Blutlache in Berührung kamen, die an den Rändern bereits eingetrocknet, um die Leiche herum jedoch noch feucht war. In den Jahren bei der Verkehrspolizei hatte sie allerdings schon Schlimmeres gesehen.
Es war jedoch etwas anderes, wenn jemandem solche Verletzungen vorsätzlich zugefügt worden waren.
In der warmen Luft hingen Nebelschwaden, die im Licht der Polizeischeinwerfer sichtbar wurden, und sie spürte den feuchten Dunst im Gesicht. Der Geruch von Blut war deutlich wahrnehmbar. Blitzlichter zuckten durch die Nacht, während der Kollege Fotos vom Tatort machte.
„Hallo Yu! Juhu!“, rief der Officer mit der Kamera, ein etwas zu klein geratener Mann mit Backenhörnchen-Gesicht und rotem, kurz geschnittenem Haar, das wie der Flaum eines Pfirsichs anmutete.
Lily verzog das Gesicht. O’Brien wurde das alte Witzchen einfach nie leid. Wenn sie sich eines Tages im stolzen Alter von hundert Jahren im Pflegeheim über den Weg laufen sollten, dann wäre das Erste, was er zu ihr sagen würde: „Hallo Yu, juhu!“
Natürlich nur, falls sie ihren Mädchennamen in den nächsten zweiundsiebzig Jahren behielt. Doch angesichts des Trauerspiels, das sie augenzwinkernd als ihr Privatleben bezeichnete, war dies sehr wahrscheinlich.
Die
beiden Hauptcharaktere Lily und Rule haben mir sehr gut gefallen, Lily
ist
tough, zielstrebig und trotzdem nicht unnahbar. Rule ist sexy,
unabhängig und bestimmend.
Zusammen ergeben sie eine etwas störrische, aber gelungene
Mischung, die teils ganz
liebesromanuntypisch ist. Man darf hier keine romantische Story mit
etwas Werwolf-Einschlag
erwarten. Es gibt zwar auch Sexszenen, aber die sind selten und eher
etwas roh.
Überhaupt wird nicht viel von Liebe gesprochen, diese
Verbindung zwischen Lily und
Rule scheint zwar unumgänglich zu sein, aber auch ohne Liebe
zu funktionieren. Das
wird hoffentlich im Folgeband näher erläutert bzw.
fortgeführt, denn so fand
ich die Liebesgeschichte an sich etwas mager. Ansonsten aber bietet der
Roman viel
Krimi-Spannung, eine überraschende Handlung, viele und
interessante Nebencharaktere.
Die Welt, die Eileen Wilks erschaffen hat ist voll von Magie,
übersinnlichen
Mächten und politischen Strukturen, die komplett neu sind. Man
könnte es
vielleicht noch am ehesten mit den Büchern von Lori Handeland,
Patricia Briggs
oder Carrie Vaughn vergleichen. Zuletzt kann man noch das wirklich sehr gelungene Cover von Lyx hervorheben, die Druckqualität und Aufmachung des Buches sind absolut einwandfrei.









