Die lebensfrohe und
quirlige Novizin Angelica wartet schon
sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie ihr Gelübde ablegen kann. Doch das Schicksal
hat einen anderen Weg für sie vorgesehen: eines Nachts, als sie allein zum Obdachlosenheim
unterwegs ist, wird sie von einem Vampir angefallen und gewaltsam verwandelt. Völlig
erschreckt und verstört lässt sich Angelica nicht dazu zwingen, einen Unschuldigen
zu töten, um ihren Blutdurst zu stillen, sondern erschlägt in Panik ihren Erzeuger.
Allein und voller Schuldgefühle verkriecht sie sich in einer Ruine, sie glaubt,
ein Monster geworden zu sein.
Jameson Bryant ist es leid, von Tamara und den anderen
immer noch wie ein kleiner Junge behandelt zu werden. Immerhin ist er mittlerweile
34 Jahre alt und führt ein eigenständiges Leben. Und doch wird er immer wieder von
der DPI verfolgt, die Vampire einfangen und zu grausamen Experimenten missbrauchen.
Wieder einmal geriet Jameson in ihre Fänge und wird von Roland und Rhiannon gerettet.
Verbittert schwört er, dass er irgendwann das gesamte DPI vernichten wird. Eines
Nachts als er allein durch die Straßen zieht, weckt ein weit entferntes Schluchzen
seine Aufmerksamkeit und ein ungekanntes Gefühl bringt ihn zu der fast verhungerten
Angelica. Jameson weiß, was sie ist und will ihr helfen. Doch Angelica ist vor
Blutdurst nicht bei Sinnen und stürzt sich auf den jungen Mann, saugt ihn
beinahe bis zum Tode aus. Jameson kann nicht verhindern, dass plötzlich
auftauchende DPI Agenten die junge Frau unter dem Vorwand mitnehmen, sie heilen
zu können. Nur zu bald merkt Angelica, dass sie betrogen wurde. Im Verlies angekettet
muss sie hilflos miterleben, wie ihr eine befruchtete Eizelle eingesetzt wird und
9 Monate später wird ihre kleine Tochter geboren. Doch es gibt eine gute Seele beim
DPI und so erfährt Jameson von Angelicas Zustand - und dass er der Vater ihrer Tochter
ist. Er muss sie um jeden Preis retten, auch wenn sie ihn damals fast getötet hätte
und seine Freund ihn nur retten konnten, indem sie ihn zu ihresgleichen
machten...
Nachdem ich vom
Vorgänger Erinnerungen der Nacht maßlos enttäuscht war, hat dieses Buch bei mir
im Regal Staub angesetzt. Nun habe ich es hoffnungsvoll zur Hand genommen und
die 320 Seiten lesen sich wirklich schnell. Insgesamt war ich einigermaßen positiv
überrascht. Geborene der Nacht ist ein ziemlich spannender Vampirliebesroman mit
halbwegs erträglichen Charakteren. Die Schwächen der Autorin kommen auch hier
zutage: vorhersehbare, gradlinige Storyline mit unglaubwürdigen Wendungen,
flache, naive Charaktere und ein unspektakulärer Schreibstil. Ziemlich misslungen
fand ich auch die Mischung aus der Ich- und der neutralen Erzählperspektive.
Auch wenn man alles aus Angelicas Sicht mitbekommt, erfährt man trotzdem nicht mehr
von ihr als der neutrale Erzähler.
An nichts anderes konnte ich denken, als ich in jener ersten Nacht meines
neuen Lebens durch die Straßen der Stadt stolperte. Strähniges Haar, zerrissene
und schmutzige Kleidung. Passanten starrten mich an und wandten ihren Blick hastig
und mit vor Schrecken – oder war es Verachtung? – geweiteten Augen ab, während
sie einen großen Bogen um mich machten. Es schien fast, als wüssten sie es.
Ich war auf dem richtigen Weg gewesen. Dachte ich jedenfalls. Vielleicht
verhielt ich mich in meiner Rechtschaffenheit etwas zu selbstbewusst. Schließlich
kommt Hochmut vor dem Fall. Aber die Sünde des Stolzes rechtfertigte gewiss nicht
diese drastische Strafe. Ganz sicher stieß nicht die Hand Gottes mich so tief hinab.
Nein. Nein, Gott hatte nichts damit zu tun. Auch Satan nicht, aber ein Monster.
Eine Kreatur, bösartiger als es selbst Luzifer mit all seiner Macht je sein konnte.
Die Geschichte ist ganz nett zusammengeschustert
und spielt ganz bewusst mit klischeehaften Spannungselementen: Entführung, Rettung,
Misstrauen, Läuterung. Der immer präsente Feind, das DPI, ist ein unverhältnismäßig
böser, hirnloser Feind, der mich an maßlose Außerirdische erinnert, die mit
Menschen Versuche machen ohne Konsequenzen zu befürchten. Was sind das für
Leute, die von der Straße Vampire einfangen und foltern dürfen? Kann das die moderne
Gesellschaft sein? Die Autorin verteufelt das Feindbild bis ins Unermessliche und
lässt ihre Vampire dagegen wie strahlende Helden dastehen. So naiv das ist, so handeln
ihre Protagonisten auch. Sie werden geleitet von nicht durchdachten, emotionalen
Motiven, obwohl sie doch teils jahrhundertelange Erfahrung haben müssten. So
stolpert sich Jameson durch eine - objektiv betrachtet - traumatische Story mit
ständigen Entführungen, Folterungen und Rückschlägen. Zwischen all den grässlichen
Ereignissen kommen sich Angelica und er dann näher, empfinden großes Verlangen
füreinander. Und gleichzeitig brennenden Hass. Und weglaufen will sie auch
noch. Irgendwie versucht Maggie Shayne, so viel wie nur möglich in die wenigen
320 Seiten zu pressen und daher kratzt man als Leser nur kläglich an der Oberfläche
einer Liebesgeschichte herum. Die Figuren haben überhaupt keine Zeit, sich eingehend
miteinander zu beschäftigen und wahre Gefühle zu entwickeln. Wie in einer Achterbahn
geht es von Hass zu Begierde, zu Misstrauen und wieder Hass und natürlich am Ende
zu tiefer Liebe. Zwischendurch muss man noch mit seinem neuen Vampirdasein zurecht
kommen, ein, zwei Sexszenen einbauen und Sprechzeit für alte Bekannte wie Eric,
Tamara und Rhiannon einbauen. Meiner Meinung nach wurde hier viel zu viel gewollt
und einige gute Ansätze leider durch Oberflächlichkeit verhunzt. Der Roman bietet
nichts, was wir nicht schon gelesen hätten und geht unter in der Masse der
Durchschnittlichkeit. Schade eigentlich.