Weitere Titel der Serie

Originaltitel


Stadt der Finsternis - Die Nacht der Magie
von Ilona Andrews

auf Deutsch erschienen im März 2009 im Egmont Lyx Verlag
320 Seiten, Taschenbuchformat broschiert (größeres Format)

Preis: EUR 12,95

ISBN-10: 3802582144
ISBN-13: 978-3802582141
übersetzt von Jochen Schwarzer


Leseprobe

Ich saß in meiner schattigen Küche, eine Flasche Boone’s Farm Hard Lemonade vor mir auf dem Tisch, als es zu einer Magieschwankung kam. Meine Wehre erloschen und ließen mein Haus schutzlos zurück. Der Fernseher sprang plötzlich an und lärmte in die Stille hinein. Ich hob eine Augenbraue und wettete mit der Flasche, dass es wieder eine Eilmeldung gab. Die Flasche verlor. »Eilmeldung!«, verkündete Margaret Chang. »Das Justizministerium warnt die Bevölkerung: Mit versuchten Beschwörungen oder anderen Aktivitäten, die zum Erscheinen übernatürlicher Wesen führen könnten, gefährden Sie sich und Ihre Mitbürger.« »Was du nicht sagst«, wandte ich mich an die Flasche. »Die Polizei ist angewiesen, derartige Umtriebe unter Einsatz aller erforderlichen Mittel zu unterbinden.« Margaret Chang redete weiter ihren Schmus, und ich biss derweil von meinem Sandwich ab. Wem wollten die was vormachen? Keine Polizei der Welt konnte hoffen, jede einzelne Beschwörung zu unterbinden. Es brauchte einen gut ausgebildeten Magier, um eine Beschwörung überhaupt zu bemerken. Andererseits brauchte es nur irgendeinen Schwachkopf mit einem Fünkchen Macht und einer sehr vagen Vorstellung, wie er sie einsetzen sollte, um so etwas zu versuchen. Und ehe man sich versah, verwüstete ein dreiköpfiger Slawengott die Innenstadt von Atlanta, oder es regneten geflügelte Schlangen vom Himmel herab, während den Spezialeinheiten der Polizei ganz schnell die Munition ausging. Wir lebten in gefährlichen Zeiten. Doch wären sie weniger gefährlich gewesen, hätte ich mir einen neuen Job suchen müssen. In der sicheren Technikwelt von ehedem wäre eine der Magie kundige Söldnerin wie ich nicht sonderlich gefragt gewesen. Wenn man Probleme magischer Art hatte, Probleme, bei denen die Polizei nicht helfen konnte oder wollte, rief man bei der Söldnergilde an. Und wenn die Sache mein Revier betraf, rief die Gilde anschließend bei mir an. Ich rieb mir die Hüfte und verzog das Gesicht. Ich hatte immer noch Schmerzen vom letzten Einsatz, auch wenn die Wunde besser verheilt war, als ich erwartet hatte. Das war das erste und letzte Mal gewesen, dass ich mich darauf eingelassen hatte, ohne irgendeinen Schutz gegen den Impala-Wurm vorzugehen. Beim nächsten Mal würde ich auf einen Schutzanzug der Kategorie vier bestehen. Plötzlich packten mich Angst und Abscheu. Mein Magen krampfte sich zusammen. Es lief mir eiskalt über den Rücken, und meine Nackenhaare stellten sich auf. Etwas Böses war in mein Haus eingedrungen. Ich legte das Sandwich weg und stellte den Fernseher stumm. Auf der Mattscheibe gesellte sich ein Mann mit versteinerter Miene zu Margaret Chang. Er hatte kurz geschorenes Haar und schiefergraue Augen. Ein Polizist. Wahrscheinlich von der Paranormal Activity Division. Ich ergriff den Dolch, der auf meinem Schoß lag, und blieb reglos sitzen. Ich lauschte. Wartete. Kein Laut durchbrach die Stille. Ein Wassertropfen perlte an der feuchten Flasche hinab. Etwas Großes schlich über die Decke der Diele in die Küche. Ich tat, als würde ich es nicht bemerken. Es hielt links hinter mir inne, daher musste ich mir keine allzu große Mühe geben.


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DämonWerwolfscifiVampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi - Horror
Die Welt in der Zukunft ist nicht mehr so, wie wir sie kennen. Mächtige Wellen der Magie haben die Erde überrollt und Zivilisationen zerfallen und neu entstehen lassen. Magieströme lassen Städte eroieren und beeinflussen Kräfte von Lebewesen und den Gang der gesamten Gesellschaft. Technik funktioniert nicht, wenn die Magie "im Schwange" ist, und die Menschen greifen wieder auf Pferde als Fortbewegungsmittel zurück. Im Atlanta der Zukunft teilen sich die Menschen mit den Vampiren (das Volk) und den Gestaltwandlern (das Rudel) den Platz. Zwischen umgestürzten Wolkenkratzern und öden Stadtteilen geht Kate Daniels ihrer Arbeit als unabhängige Söldnerin nach. Sie nimmt Kopfgeldaufträge an und arbeitet meist alleine. Zu ihrer Familie hat sie nur wenig Kontakt, und sie lässt niemanden an sich ran um ihr dunkles Geheimnis, die Quelle ihrer Macht zu bewahren. Eines Tages erfährt sie, dass ihr Mentor Greg grausam ermordet wurde. Anscheinend war der Paladin des Ordens einem brutalen Massenmörder auf der Spur. Kate fühlt sich verpflichtet, bei der Aufklärung des Verbrechens mitzuwirken und willigt ein, für den Orden tätig zu werden. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Herr der Bestien, dem Anführer des Rudels. Curran ist ein machtvoller und kampferprobter Gestaltwandler, der für Kate lange undurchsichtig bleibt. Bald findet Kate heraus, dass der Mörder an der Provokation eines Kampfes zwischen dem Rudel und dem Volk interessiert ist. Doch die Vampire hüllen sich in Schweigen, während immer mehr Attentate verübt werden. Kate muss sich in große Gefahr begeben, um den Tod ihres Lehrmeisters zu rächen.

Der erste Teil der Stadt der Finsternis Serie hat mir wirklich sehr gut gefallen. Es ist ein ganz klassischer Urban Fantasy Thriller mit einigen Horror-Elementen. Es ist absolut kein Liebesroman, nicht mal ansatzweise. Die teils herrschende Anziehungskraft zwischen Kate und dem Chirurgen Crest und auch zwischen ihr und Curran ist kaum ausgeführt. Der Schreibstil von Ilona Andrews ist nüchtern, leicht zynisch, temporeich und komplex. Es gibt viele technische Begriffe, Fremdworte und Erklärungen. Neben den treffenden Dialogen gibt es immer mal wieder detailreiche Szenenbeschreibungen, die viel Atmosphäre schaffen und dem Leser das fremdartige Atlanta der Zukunft näher bringen. Insgesamt wird eine ganz neue Welt gezeichnet, die ganz eigene Regeln und unbekannte Bewohner hat. Nachdem man die ganze Zeit Vampirliebesromane gelesen hat, mag man etwas verstört sein von der Art, wie hier die geliebten Blutsauger präsentiert werden. Missgestaltet, praktisch hirnlos und düster, fristen sie ein Sklavendasein der Meister des Todes. Die Werwölfe und Gestaltwandler sind größtenteils abstoßende Gestalten, die ihre Instinkte kaum kontrollieren können und stark abgeschottet leben. Eine Verbindung der Rassen untereinander erscheint unmöglich. Also befindet sich Kate in einer Einzelkämpferrolle und ihre große Macht befähigt sie auch dazu. Besonders gegen Ende wird ihre Kraft etwas überzogen dargestellt und erinnerte mich ein wenig an Anita Blake. Vom Szenario her hat das ganze etwas von Matrix, gemischt mit Underworld. Alles ist marode, dunkel und gefährlich. Man kann keinem trauen und alle sind potentielle Mörder. Der Charakter Kate Daniels ist verschlossen, schwierig, unnahbar, bis aufs Blut zynisch und hartnäckig. Da bleibt kaum Platz für eine Liebesgeschichte. Dennoch präsentiert die Autorin hier einen gut durchdachten, absolut spannenden Thriller mit vielen fantastischen Elementen und reichlich Action. Leider ist der Titel mit EUR 12,95 relativ teuer. Zwar ist die Aufmachung von Egmont sehr gelungen, doch ich hätte den Roman auch im Standardformat für 4 EUR weniger genommen...

Fazit
Aufwändiger und spannender Urban Fantasy Thriller für Fans von Anita Blake.

















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