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Originaltitel


Süßer als Blut
von Suzanne McLeod

erscheint auf Deutsch im September 09 im Goldmann Verlag
448 Seiten,Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN: 3442471036
EAN: 9783442471034
Übersetzt von Gertrud Wittich


Leseprobe

Er sah aus wie ein gefährlich schönes Klischee. Das dichte schwarze Haar des Vampirs war im Nacken geflochten, ein Stil, der seine blassen, kantigen Züge hervorragend betonte. Melancholische graue Augen starrten den Betrachter mit düsterer Verheißung an. Schwarze Seide umspielte markante Brustmuskeln und einen Waschbrettbauch. Die langen, sehnigen Beine steckten in einer schmiegsamen Nappalederhose. Ein knöchellanger Mantel ergoss sich über die Steinstufen, auf denen er lässig thronte, was den Eindruck erweckte, er säße in einem verführerischen Schattenteich. Im Hintergrund war das London Eye, das Londoner Riesenrad, zu sehen, und am Nachthimmel explodierten Feuerwerkskörper. Dieses Bild prangte auf der Frontseite jeder nationalen Zeitung: eine besonders reißerische Promistory, mit der faszinierenden Zutatenmischung aus Mord und Vampir. Ich fand das Ganze bestenfalls milde interessant – mich ging es jedenfalls nichts an. Dachte ich zumindest. Es war Ende September, und London ächzte unter einer ungewöhnlichen Hitzewelle. Die Sonne brannte unbarmherzig herab und brachte die Pflastersteine zum Glühen. Ich saß an meinem gewohnten Ecktisch im Rosy Lee Café und schaute mir das Bild des attraktiven Vampirs an. Die Touristen, die Covent Garden normalerweise in Scharen heimsuchten, hatten sich alle in den kühlen Schatten der ehrwürdigen St. Paul’s Cathedral zurückgezogen, und selbst die Straßen-Entertainer hatten der Hitze weichen müssen, sodass der gepflasterte Platz nun verlassen dalag. Aber im Café war’s auch nicht viel besser. Es gab keine Klimaanlage, und obwohl Türen und Fenster weit offen standen, um jede Brise einzufangen, lastete die Hitze wie ein zähes Gewicht auf mir. Nun, wenigstens war’s still und friedlich. Ich arbeite bei Spellcrackers.com – Wir knacken jeden Zauber! – und hatte den ganzen Vormittag lang Pixies, kleine koboldähnliche Wesen, über den Trafalgar Square gejagt. Die Biester hatten versucht, die riesigen Bronzelöwen mit einem Zauber lebendig zu machen – etwas, das ihre magischen Fähigkeiten bei weitem überstieg. Aber es war schon ihr fünfter Versuch in diesem Monat, und das eine musste man ihnen lassen: Sie waren ganz schön hartnäckig. Die Pixies waren schuld, dass ich mein Mittagessen versäumt hatte. Und nun saß ich hier im Café und wartete auf meinen Imbiss, bevor ich mich mit meinem nächsten Auftrag befasste. Leider hatte Katie, die Kellnerin, andere Vorstellungen. Begeistert schob sie mir noch mehr Zeitungen hin. »Hey, Genny, jetzt schau dir die mal an!« Ich warf einen ergebenen Blick auf die Schlagzeilen. Promi-Vampir wegen Mordes an seiner Freundin verhaftet, verkündete eine Zeitung in fetten Lettern. Mr. Oktober in Nöten, plärrte eine andere. Und schließlich noch die besonders originelle Schlagzeile: Ein Biss war genug! Hm. Die würden bestimmt keinen Preis für die Schlagzeile des Jahres gewinnen, höchstens für die Schriftgröße. Katie deutete mit einem sehnsüchtigen Seufzen auf das Foto des Vampirs. »Hach, das ist alles so tragisch!« Sie streichelte ihren blauen Herzanhänger, den sie nie ablegte. 


  Schund     mehr        geht so  
                   schlecht
                   als recht

Vampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi
Eigentlich ist es nur ein ganz normaler Tag im Leben der Spellcrackers.com Angestellen Genny: sie und ihr Kollege, der verführerische Satyr Finn, sollen in einem Café einen hartnäckigen Elfenzauber entfernen. Genny ist besonders gut darin, da sie als Sidhe Fae Magie sehen und auch absorbieren kann. Da erhält Genny die Nachricht, dass ein gewisser Alan Hinkley sich mit ihr wegen eines Auftrags treffen will. Sie findet heraus, dass er der Vater des wegen angeblichen Mordes inhaftierten Vampirs Bobby ist. Bobby soll aus Blutgier das junge Mädchen Melissa ausgesaugt und somit getötet haben. Sein Vater ist allerdings von der Unschuld seines Sohnes überzeugt und glaubt, dass hinter Melissas Tod eine Verschwörung um Magie steht. Zuerst will Genny nichts damit zu tun haben, doch Mr. Hinkley hat ein zwingendes Argument... Bald verwickelt sich Genny in einen gefährlicheren Fall als sie vorher ahnen konnte. Bereits die Leiche Melissas zu besichtigen stellt sich als unmögliches Unterfangen heraus. Es scheint, als hätte der höchste Vampiradel Londons ein großes Interesse daran, diesen Fall zu vertuschen. Bei ihren Untersuchungen trifft Genny auf den mysteriösen und mächtigen Vampir Malik al Khan, der nicht nur wie seine Vampirbrüder in den Fall Melissa verwickelt zu sein scheint, sondern auch mehr an Genny interessiert ist, als ihr lieb wäre.

Süßer als Blut ist ein recht unterhaltsamer paranormaler Krimi mit einer ganz solide aufgemachten Heldin. Suzanne McLeod hat einen angenehm flüssigen, modernen Schreibstil mit vielen umgangssprachlichen Ausdrücken und viel Sinn fürs Detail. Manchmal etwas anstrengend zu lesen, da viele Infos in wenige Sätze gepackt werden und wenig "Ruhe" im Erzählstil ist. Rund um Genny ist ständig etwas los, es gibt in dem ganzen Roman so gut wie keine ruhige Minute und auch die Heldin selbst ist eher der nervöse, aktionistische Typ. Das ist an sich nicht verkehrt, doch so rasen die Ereignisse am Leser vorbei und die ganzen schillernden Personen und Schauplätze können gar nicht richtig aufgenommen werden. Trotzdem war mir Genny sympathisch und die Autorin hat sich viel Mühe gegeben, ihre Persönlichkeit zu gestalten und ihr eine interessante Vergangenheit und das obligatorische "dunkle Geheimnis" zu geben. Rund herum gibt es viele paranormale Wesen, ein bunter Misch-Masch aus allem, was die Fantasy-Welt so hergibt. Hier hat mich das Buch stark an Karen Chance's Cassandra Palmer erinnert, wo auch "aus dem Vollen geschöpft" wird und so viele paranormale Elemente wie möglich in das Buch gepackt werden. Schwerpunkt liegt deutlich auf den Krimi-Inhalten und den verwickelten Beziehungen der Vampire, Hexen etc. Londons untereinander. Es herrschen strenge Regeln, Benimmkodex und komplizierte Abkommen, die an vielen Stellen kurz erläutert werden. Alles genau zu erklären würde den Rahmen des Buches sprengen. Leider kommt auch der etwas außergewöhnliche Schauplatz London zu kurz, bis auf wenige Andeutungen könnte die Handlung auch in jeder beliebigen anderen Stadt spielen. Insgesamt wurde ganz ordentlich Spannung aufgebaut und im Wirrwarr der vielen geheimnisvollen und mächtigen Personen kann Genny niemandem vertrauen, da wartet auch der Leser bis zum Schluss gespannt auf die Auflösung. Was insgesamt ein wenig gefehlt hat, war eine kleine sympathische Liebesgeschichte, ein wenig Emotion und Einfühlunsvermögen. Trotz vieler sexy Personen und den obligatorisch unwiderstehlichen Vampiren hat es bei mir nicht geknistert. Genny ist ziemlich unterkühlt obwohl sie als Sidhe Fae für Sex "gemacht" ist. Mit ihrem "Glamour" kann sie andere Wesen bezaubern und für sich einnehmen. Leider will Genny das überhaupt nicht... Also haben wir hier eine sehr sterile Atmosphäre und man bleibt seltsam distanziert von den Gefühlen der Protagonistin wie auch von denen der zahlreichen Nebenpersonen. Was übrig bleibt ist ein paranormaler Krimi wie ihn Fans des Genre schon diverse Male gelesen haben werden - ohne das besondere Etwas.

Fazit
Ganz spannender Mittelklasse-Krimi mit vielen Paranormalen Elementen, doch ohne Lovestory.














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