Weitere Titel der Serie

Originaltitel


Schattenwandler Gideon
von Jacquelyn Frank

erscheint auf Deutsch im Dezember 09 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 9,95

übersetzt von Karina Schwarz
ISBN-10: 3802582373
ISBN-13: 978-3802582370
 


Leseprobe

Der Vampir musterte den Dämon vor ihm mit einem langen nachdenklichen Blick aus mitternachtsblauen Augen. Die schwarzen Pupillen waren leicht oval, gerade so ungewöhnlich, dass sie Neugier weckten und dass man sich etwas vorbeugte, um sie sich ein wenig genauer anzusehen. Dabei verfingen sich die meisten darin wie in einem gut gewebten Netz. Der Dämon aber war auf diese Weise nicht zu verlocken, daher bestand die einzige Absicht des Vampirs darin, herauszufinden, was der schweigsame Besucher vorhatte. Mit für ihn ganz untypischer Geduld und Großzügigkeit lehnte sich der Vampir in seinem Stuhl zurück und schlug die Beine übereinander. Wie gewöhnlich wartete der Dämon den richtigen Moment ab, bevor er darüber zu sprechen begann, was er auf dem Herzen hatte, was ihn in den Schlupfwinkel des Vampirs geführt hatte. Es war gut, dass der Urälteste sich stets so genau überlegte, was er zu sagen hatte, dachte der Vampir, denn wenn dieser Dämon den Mund aufmachte, überfiel er sein Gegenüber oft mit der nackten Wahrheit. So bewundernswert dieser Charakterzug auch sein mochte, er war nicht so erquicklich, wie man vielleicht hätte vermuten können. Besonders dann nicht, wenn es bei dieser Wahrheit um grundlegende Veränderungen im Leben aller Schattenwandler ging. Schon ewig lange bevor die Sterblichen sich wie eine ausufernde Pandemie über die Erde verbreitet hatten, waren die Schattenwandler auf der Welt gewesen. Die Wesen, die sich im Mondlicht wärmten und die im Mondlicht schliefen und die sich vor der sengenden Sonne versteckten, damit die ätzenden Strahlen ihre empfindliche Haut nicht versengten. Und obwohl die Sterblichen heute in erdrückender Überzahl waren, lebten die Schattenwandler noch immer. Die dunklen Kulturen hatten überlebt, jede einzelne mit anderen Bräuchen und Traditionen, und fast jede hatte sich an einem ganz abgeschiedenen und für Menschen zu unwirtlichen Ort eine Nische gesucht. Einige allerdings hatten sich angepasst und lebten jetzt am Rande der menschlichen Gesellschaft, wobei sie den Lebensstil der Sterblichen nachahmten oder sogar genossen … zumindest ein Abbild davon. Fast jeder Clan hatte Gesetze erlassen, und es gab genaue Vorstellungen davon, wie weit seine Mitglieder gehen durften, wenn sie auf menschliche Wesen trafen. Auch im Laufe der Zeit war die enge Verbindung der Schattenwandler zum Mond oder auch zur Sonne nicht unterbrochen worden. Durch eigene Fehler, aber auch durch Feinde hatten sich bei allen Clans die Reihen gelichtet, und doch hatten sie überlebt – ruhig, meistens unbemerkt von den Sterblichen und immer darum bestrebt, im Einklang mit einer sich ständig verändernden Welt zu leben. Schattenwandler, die im Mondlicht tanzten und die schliefen, wenn die Sonne am Himmel stand, würde es immer geben.


  Schund     mehr        geht so    
                   schlecht
                   als recht
DämonVampireWerwolf
Romantic Fantasy
Gideon ist der älteste der dämonischen Schattenwandler und beschützt die seinen seit über 1000 Jahren. Als einzigster kann er sich noch an den großen Krieg der Schattenwandler gegen die Druiden erinnern. Der verschlossene Heiler verbringt ein zurückgezogenes Leben und gesteht sich keine Emotionen zu. Doch der schönen Magdelegna, der Schwester des Dämonenkönigs Noah, konnte er noch nie gut widerstehen. Vor 9 Jahren zu Beltane erlag er kurz ihren Reizen und entlockte ihr einen Kuss. Beschämt stieß er sie von sich und seitdem herrscht kühle Distanz zwischen den beiden. Legna ist eine sehr begabte Geistdämonin und Empathin und lebt eigentlich ein ruhiges Leben im Schloss ihres Bruders. Doch eine innere Unruhe hat sie erfasst und nichts scheint mehr wie zuvor. Dann tritt Gideon erneut in ihr Leben und bald wird beiden klar, dass ihre Schicksal schon immer untrennbar verbunden waren. Sie kommen sich näher, und Gideon erkennt, dass nur die gefühlvolle Legna sein Herz erwärmen kann. Doch gleichzeitig bedroht eine große Gefahr die Dämonen: Jacobs Gefährtin Isabella wird brutal angegriffen und verliert beinahe ihr Kind. Welcher mächtige Feind kann derart gut informiert sein, dass er von Bellas Schwangerschaft wusste? Alle wissen, dass die Gefahr durch Magier und Nekromanten allgegenwärtig ist und Gideon und Legna müssen ihr Glück verteidigen.

Obwohl der zweite Teil der Schattenwandler Serie ähnlich inhaltslos und klischeehaft ist wie der erste, hat er mir doch ein wenig besser gefallen. Gideon und Magdelegna sind ein schönes, harmonisches Paar. Er ist altmodisch, souverän, dominant und beschützend, sie ist weich, anschmiegsam, sensibel und doch nicht hilflos. Die klassische Kombination eben. Wer gerne Christine Feehan liest, wird auch Jaquelyn Franks Romane mögen. Wer jedoch auf mehr Action, eine tiefgründigere Story oder überhaupt mehr Inhalt steht, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Auf etwas über 400 Seiten erlebt der Leser ellenlange Dialoge zwischen den Haupt- und Nebencharakteren, die jedes Detail zehnmal durchkauen. Unzählige Monologe und Gefühlsbetrachtungen machen das Buch zu einem wahren Kammerspiel, leider ohne dramarturgischen Anspruch. Die Wortwahl ist denkbar einfach, kurze Sätze und Umgangssprache machen die Lektüre zu einem leichten, schnell wieder vergessenen Schmachtfetzen.
Die Erotikszenen sind lesenswert, schön ausgeschmückt und hoffnungslos romantisch. Es fehlen zum Glück die nervigen Albernheiten und derben Ausrutscher des ersten Teils. Legna ist mir viel sympathischer als Isabella und mir reichen schon die wenigen Auftritte, die diese zickige Person in diesem Teil hat.
Den Rest der Handlung bis auf die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten kann man getrost in die Schublade "1000mal-gelesen" schieben, frei von jeglicher Spannung inszeniert die Autorin einen unrealistischen Kampf zwischen den Schattenwandlern und den ach so bösen, menschlichen Nekromanten. Die Actionszenen sind dilettantisch und übertrieben dargestellt und da man schon vorher weiß, wie alles enden wird, hätte man sich die Worte auch sparen können.
Insgesamt ist die Geschichte um Gideon und Legna für Romantik-Fans durchaus einen Blick wert und hat auch ein gewisses "Heile-Welt-Suchtpotential", wie man es auch bei C. Feehan spüren kann. Obwohl sich alle ihre Bücher wie ein Ei dem anderen gleichen, kann man es nicht lassen, trotzdem immer wieder reinzuschauen. Es ist wohl der Ausflug in eine überromantisierte, realitätsfremde Welt mit unsagbar attraktiven Charakteren, der wahren, ewigen Liebe zwischen aufeinander geprägten Gefährten und einer kosmischen Sinnlichkeit, die man nur in solchen Geschichten erleben kann. Warum nicht?

Fazit
Klassisch-romantischer Fantasy Liebesroman nach bewährtem Muster, aber etwas blass.






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