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Kim Harrison




Im Vergleich...


leichter, softer, langsamer


dunkler, härter, schneller

Blutspiel
von Kim Harrison

auf Deutsch erschienen im Nov 07 im Heyne Verlag
 636 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 13,00

ISBN: 3453433041
EAN: 9783453433045
Übersetzt von Alan Tepper
 


Leseprobe

Ich zog den Leinengurt des Wasserkanisters höher auf die Schulter und streckte mich, damit ich die Wasserdüse in den Topf der Hängepflanze halten konnte. Die Wärme des hereinströmenden Sonnenlichts drang durch meinen blauen Arbeitsanzug. Hinter den schmalen Flachglasfenstern lag der Innenhof, umgeben von den VIP-Büros. Ich blinzelte in die Sonne, drückte den Sprühknopf, aber nur einige Tröpfchen quälten sich durch das Scheißding.
Das laute Klappern der Computertastaturen drang in meine Ohren, als ich zum nächsten Grünzeug ging. Aus dem Büro hinter der Rezeption waren Telefongespräche zu hören, begleitet von einem bauchigen Lachen, das an das Kläffen eines Hundes erinnerte. Tiermenschen! Je höher sie in der Rangordnung standen, desto menschlicher sahen sie aus, aber dieses Lachen verriet sie immer.
Ich blickte die Reihe der Hängepflanzen vor dem Fenster entlang. Hinter dem Empfang befand sich ein frei stehendes Aquarium. Jepp! Cremefarbene Flossen. Ein schwarzer Punkt auf der rechten Seite. Das musste er sein. Mr. Ray züchtete Koi, die er auf der jährlichen Fischausstellung in Cincinnati präsentierte. Der Gewinner des letzten Jahres wurde immer in seinem Vorzimmer ausgestellt, aber nun schwammen da zwei Fische, und das Maskottchen der Howlers war verschwunden. Mr. Ray war ein Anhänger der Dens, eines Rivalen des Inderlander Baseballteams. Zählte man eins und eins zusammen, ergab das einen gestohlenen Fisch.
»So, so«, meinte die freundliche Frau hinter dem Tresen, als sie aufstand, um einen Stapel Papier in den Drucker einzulegen. »Mark hat Urlaub? Er hat mir gar nichts davon gesagt.«
Ich nickte, sah die Sekretärin in ihrem beigen Geschäftsanzug aber nicht an, während ich mein Equipment einen Meter weiter zerrte. Mark machte nur einen Kurzurlaub. Er lag im Treppenhaus des Gebäudes, in dem er vorher gearbeitet hatte, durch einen temporären Schlafzauber außer Gefecht gesetzt. »Ja, Madam«, antwortete ich mit lauter Stimme und einem leichten Lispeln. »Er hat mir erklärt, welche Pflanzen bewässert werden müssen.« Bevor sie näher hinschauen konnte, drückte ich meine rot lackierten Fingernägel in die Handinnenflächen. Die passten wirklich nicht zum Erscheinungsbild einer Gärtnerin. Ich hätte vorher daran denken sollen. »Zuerst kommen die Pflanzen auf dieser Etage dran, und danach der Baumgarten auf dem Dach.«
Die Frau lächelte und entblößte dabei ihre leicht überlangen Zähne. Sie war ein Werwolf und stand anscheinend weit oben in der Hackordnung des Büros. Mr. Ray würde wohl auch keinen dahergelaufenen Straßenköter einstellen, wenn er sich so ein schnuckeliges Ding leisten konnte. Ihr leichter Moschusgeruch war gar nicht mal unangenehm.
»Hat Mark Ihnen von dem Arbeitsaufzug auf der Rückseite des Gebäudes erzählt?«, fragte sie hilfsbereit. »Das ist viel bequemer, als diese Karre die Treppen hinaufzuschleppen.«
»Nein, Madam.« Ich zog die hässliche Kappe mit dem Gärtnerlogo tiefer ins Gesicht. »Ich glaube, er will mir das Leben richtig schwer machen, damit ich nicht versuche, ihm ins Gehege zu kommen.«

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WerwolfDämonVampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi
Die Handlung des zweiten Bandes schließt sich direkt an den ersten Band an. Rachel ist mal wieder in Geldnöten und hat einen Auftrag für die Tiermenschen angenommen, bei dem sie ein angeblich gestohlenes Maskottchen zurückbringen soll. Der Deal platzt aber und zusätzlich wird Rachel noch vom Polizeiagenten Glenn zum Hauptquartier des FIB geschleppt. Dort erfährt sie, dass sie mal wieder als Ermittlerin in einem Serienmordfall einspringen soll. Seit einiger Zeit treibt der sogenannte Hexenjäger sein Unwesen, der brutale Morde an Kraftlinienhexen verübt. Rachel kann ihre Wut kaum zähmen, als sie herausfindet, dass sämtliche Hexen vor ihrem Tod mit Trent Kalamack gesprochen hatten. Jener skrupellose Geschäftsmann, der Rachel damals in der Nerzgestalt bei Rattenkämpfen eingesetzt hatte und sich an ihrem Leid ergötzte. Jetzt ist Rachel nicht mehr von ihrem Plan abzubringen, Trent als Mörder zu entlarven. Ihre Vampirfreunden Ivy rät ihr dringend davon ab, und es kommt zu einigen Schwierigkeiten zwischen den beiden. Jetzt, da Rachel das Dämonenmal empfangen hat, ist sie für Vampire besonders attraktiv, und der Drang, sie an sich zu binden, wird für Ivy immer stärker. Daher müssen die beiden Freundinnen etwas Abstand zueinander einhalten. Während Rachel nach Hinweisen auf Trents Schuld fahndet, kommt der Dämon wieder ins Spiel, der damals beinahe Rachels Tod bedeutet hätte. Ihr Freund Nick ist geradezu erpicht darauf, den Dämon nach wichtigen, magischen Dingen zu fragen. Das ist ein gefährliches Spiel, doch im Zuge der Ermittlungen muss Rachel mehrere Male seinen Hilfe in Anspruch nehmen, auch wenn das immer eine Gegenleistung bedeutet.   Bald wird klar, dass der Fall komplizierter ist als gedacht. Nachdem Rachel durch Kraftlinienmagie herausfindet, wer Trent Kalamack wirklich ist, und dass es eine Leiche auf seinem Grundstück gibt, kann jedoch trotzdem keiner beweisen, dass er der Täter ist. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, und Rachel sieht nur einen Ausweg: sie muss den Dämon fragen, wer der Täter ist und dafür eine entsprechend hohe Gegenleistung bieten.  

Blutspiel ist nicht nur ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, er übertrifft ihn meiner Meinung noch in puncto Spannung und Originalität. Wichtig ist zu sagen, dass es absolut wenig Sinn macht, den zweiten Band zu lesen, ohne den ersten zu kennen. Es gibt zwar Rückblicke und Erklärungen, aber es fehlt deutlich an Vorwissen, wenn man den ersten nicht gelesen hat. Dementsprechend wendet die Autorin wenig Zeit auf, um die bekannten Charaktere näher zu erläutern, sondern es geht ruck zuck zur Handlung weiter. Und die ist spannend, turbulent und gespickt von interessanten, seltsamen und geheimnisvollen Kreaturen.  Kim Harrison verfolgt weiter ihren detailreichen, lockeren Stil, der sehr seitenfüllend ist. Daher auch 636 Seiten. Ab und zu könnte man etwas abkürzen, aber so wird viel Wert auf Atmosphäre gelegt und der Leser kann sich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen. Am Ende des Buches sind übrigens zwei Special, ein Interview mit Kim Harrison und eine Leseprobe.   Die Ich-Perspektive wird hier nach wie vor sehr gut umgesetzt und Rachel ist ein vielschichtiger Charakter mit Esprit und einer manchmal nervigen Sturköpfigkeit. Die Krimihandlung ist nicht allzu blutig, aber geht ordentlich vorwärts und bietet tolle Überraschungen, vor allem am Ende. Alle Personen, die Kim Harrison vorstellt, sind darauf ausgelegt, auch in den späteren Bänden wieder zu erscheinen, und sie gibt sich viel Mühe, auch die weniger wichtigen Charaktere vorzustellen. Es gibt so gut wie keine Klischees oder Stereotypen, jeder hat seine Eigenheiten und handelt mehr oder weniger unvorhersehbar. Leider wird auch ein wenig mit Liebesgeschichte gegeizt. Rachel ist ja mittlerweile mit Nick liiert, doch ihre Beziehung wird sehr im Hintergrund gehalten und ist später dann auch etwas belastet.   Insgesamt ist das Buch sehr lesenswert, eine sehr ausgewogene Urban Fantasy. Es reißt einen nicht vom Hocker, so wie mich zum Beispiel zuvor Verführung der Nacht von Jeanne C. Stein vom Hocker gehauen hat. Es ist auch keine prickelnde Love Story wie bei Black Dagger. Die Serie hat ihren ganz eigenen, anfangs recht zurückhaltenden Charme. Doch es lohnt sich, die vielen Seiten durchzuhalten.  

Fazit
Solide Urban Fantasy mit einer tollen, quirligen Heldin und vielen Paranormalen Elementen!













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