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Nalini Singh


Hörbuch


5 Audio CDs
Verlag: Argon Verlag
ISBN-13: 9783839810248  
ISBN-10: 3839810248  
Laufzeit: 350 Min.
März 2010

Leopardenblut
von Nalini Singh

auf Deutsch erschienen Mai 2008 im Egmont Lyx Verlag
378 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN: 3802581520
EAN: 9783802581526
Übersetzt von Nora Lachmann


Leseprobe

Sascha Duncan konnte keine einzige Zeile des Berichts entziffern, der über den Bildschirm ihres Pocket Organizers flimmerte. Angst verschleierte ihren Blick und ihre Gedanken entfernten sich aus der nüchternen, effizienten Umgebung des Büros, in dem ihre Mutter arbeitete. Selbst als Nikita einen
Anruf entgegennahm, drang deren Stimme kaum an Saschas betäubte Sinne.
Sie war zu Tode erschrocken.
An diesem Morgen war sie wimmernd und zusammengerollt wie ein Embryo in ihrem Bett aufgewacht. Normalerweise wimmerten Mediale nicht, sie hatten keine Gefühle und demzufolge zeigten sie auch keine. Aber Sascha hatte schon als Kind gewusst, dass sie nicht normal war. Sechsundzwanzig Jahre lang hatte sie diesen Defekt erfolgreich verborgen, doch nun lief irgendetwas schief. Sehr schief sogar. Ihr Verstand verfiel dermaßen schnell, dass sich schon körperliche Nebenwirkungen bemerkbar machten – Muskelkontraktionen, Zittern, ein beschleunigter Puls und immer wieder unkontrolliert aufsteigende Tränen überkamen sie nach diesen Träumen, an die sie sich nie erinnern konnte. Bald würde es unmöglich sein, die Risse in ihrem Verstand noch länger zu verbergen, und dann würde man sie im Zentrum einsperren. Natürlich nannte es niemand Gefängnis, der Fachausdruck
war „Rehabilitationsanstalt“. Dorthin sonderten die Medialen äußerst effizient und brutal die Schwachen in ihren Reihen aus. Wenn sie im Zentrum mit ihr fertig waren, wäre sie mit etwas Glück nur noch eine sabbernde Masse ohne jeden Verstand.
Und wenn sie Pech hatte, blieben ihr lediglich genügend Denkstrukturen übrig, um irgendwo in der weitverzweigten Unternehmenswelt der Medialen als Drohne zu dienen, als Maschine mit gerade noch genügend neuronalen Aktivitäten, um die Post zu sortieren oder die Böden zu fegen.
Saschas Hand schloss sich fester um den Organizer und sie kehrte in die Gegenwart zurück. Wenn es einen Ort gab, an dem sie nicht zusammenbrechen durfte, dann hier in diesem Zimmer vor den Augen ihrer Mutter. Sascha war zwar ihr eigen Fleisch und Blut, aber Nikita Duncan gehörte auch dem Rat der Medialen an. Sascha wusste nicht, ob sie am Ende nicht doch ihre Tochter opfern würde, um den Sitz im mächtigsten Gremium der Welt zu behalten.
Mit verbissener Entschlossenheit machte Sascha sich daran, die verborgenen Winkel ihres Verstandes mit stärkeren Schutzschilden zu versehen. Wenigstens darin war sie immer besser als alle anderen gewesen, und als ihre Mutter das Gespräch beendete, strahlte Sascha etwa so viel Gefühl aus wie eine aus arktischem Eis gehauene Skulptur. „In zehn Minuten haben wir eine Besprechung mit Lucas Hunter. Bist du bereit?“ Nur nüchternes Interesse stand in Nikitas mandelförmigen Augen.

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Werwolfscifi
Romantic Fantasy - Erotic Fantasy

Sascha Duncan gehört zur Rasse der Medialen. Irgendwann haben die Menschen erkannt, dass Gefühle die Ursache für Krieg, Mord und andere Verbrechen sind. Daher gab es eine wissenschaftlich experimentelle Bewegung, die gezielt Personen Gefühle abtrainiert hat. Ganze Generationen wurden so aufgezogen bis sämtliche Regungen komplett ausgemerzt wurden. Nun leben die Medialen in einer gefühlskalten und streng hierarchisch aufgezogenen Gesellschaft, in der Karriere alles bedeutet. Sascha ist die Tochter eines mächtigen Ratsmitgliedes und daher eine Kardinalmediale mit besonders ausgeprägten telepathischen und intelektuellen Fähigkeiten. Alle Mediale sind über ein "Gedankennetz" verbunden und halten stets Kontakt, was lebenswichtig ist.
Der Rest der Welt ist bevölkert von normalen Menschen - denen überhaupt keine Bedeutung zukommt - und Gestaltwandlern. Sie leben in kleinen oder größeren Clans zusammen und halten sich abseits der überzivilisierten Medialen.
Eines Tages wird Sascha in ein Projekt involviert, bei dem es um den Bau einer neuen Siedlung für Gestaltwandler geht. Ab sofort muss sie eng mit dem Anführer der Leopard-Gestaltwandler, Lucas Hunter, zusammenarbeiten. Spätestens hier merkt Sascha entsetzt, dass mit ihr etwas nicht stimmt, sie reagiert emotional auf Lucas. Dieser ist selbst von der aparten Medialen angetan, bleibt aber vorerst misstrauisch, da er fürchtet, sie könnte eine Spionin sein. Eine üble Mordserie unter den Gestaltwandlern wirft drohende Schatten auf den Frieden zwischen den Völkern. Weibliche Gestaltwandlerinnen werden entführt und abartig misshandelt. Bald wird Sascha zum Spielball des Geschehens; sie ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Lucas und der Abhängigkeit vom Medialnetz. Einerseits will sie bei der Aufklärung der Morde helfen, andererseits könnte sie damit ihr eigenes Volk schwer belasten. Doch bei alledem bleibt Lucas an ihrer Seite, denn er ist bald davon überzeugt, dass sie füreinander bestimmt sind.

Ein Feuerwerk an Fantasie, anders kann man es nicht nennen. Jeder, der sorgfältig ausgearbeitete Parallelwelten zur Wirklichkeit mag, wird dieses Buch lieben. In relativ komplexer Art und Weise lernt man hier nach und nach etwas ganz neues kennen und kann nur fasziniert sein von der eloquenten Ausdrucksweise der Autorin und den anspruchsvollen Vokabeln. Ganz fein strukturierte Charaktere mit viel Tiefgang machen es einfach, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Sascha ist eine lebendige, vielschichtige Persönlichkeit, die stark selbst reflektierend ist. Viele Monologe und Dialoge beleben die Geschichte und treiben sie voran. Ansonsten wäre es stellenweise vielleicht sogar etwas zäh. Trotz umfangreicher Nebenhandlung bleibt genug Zeit, um die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Sascha und Lucas zu entwickeln. Die beiden sind sehr unterschiedlich und dennoch harmonisieren sie auf einer bestimmten Ebene perfekt. Es kommt zu schlagfertigen Wortgefechten und amüsanten Situationen. Gleichwohl steckt of auch viel Ernst dahinter und es wird einem nicht leicht gemacht.
Die Spannung wird locker bis zum Schluss gehalten und die Autorin wechselt im Laufe des Buches immer wieder geschickt zwischen Haupt- und Nebenhandlung hin und her. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und es bildet einen sehr angenehmen Mittelweg. Wo C. Feehan zu seicht ist und M. Liu oder J. Armintrout relativ horrorlastig, findet N. Singh eine harmonische Mischung aus Liebesgeschichte und Krimi. Ganz besonders interessant ist das Sci-Fi-Element, das ja sonst eher nicht vorhanden ist. Insgesamt wirkt es schon "abgehoben" und mancher mag es als Hirngespinst abwerten, aber für Leute mit Fantasie ist das Buch ein Leckerbissen.

Fazit
Innovative und anspruchsvolle Unterhaltung im Fantasy/Romance Bereich. Sehr empfehlenswert.

 

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