



In der Welt
der Medialen zeichnet sich ein Konflikt ab: militante Splittergruppen wehren sich gegen eine Vermischung der Medialenrasse mit Menschen und Gestaltwandlern. Der ohnehin uneinige Medialenrat findet sich einer schwer einzuschätzenden Bedrohung gegenüber und Ratsfrau Nikita Duncan muss bereits erste Opfer in der Reihe ihrer Mitarbeiter beklagen. Für die Ermittlungen engagiert sie den fähigen Polizisten Max Shannon, der aufgrund seiner natürlichen Schilde immun gegen die Gedankenkontroller der Medialen ist. An seiner Seite soll die J-Mediale Sohia Russo agieren, die auf Verhöre von Schwerverbrechern spezialisiert ist. Durch ihre Fähigkeit, die Gedanken anderer durchsuchen zu können, werden ihre Dienste vor Gericht regelmäßig benötigt.Zum ersten Mal begegnen sich Max und Sophia beim Verhör des Serientäters Bonners, der des vielfachen Mordes an jungen Frauen angeklagt ist. Max hatte Jahre geopfert, um diesen gerissenen Mörder zu fassen und Sophia soll ihm nun die Orte der Leichen entlocken. Max ist sofort fasziniert von Sophia, denn sie ist zwar eine kühle Mediale, scheint aber nicht ganz so abgeschottet zu sein wie die anderen. Ihr vernarbtes Gesicht zeugt von einer schweren Vergangenheit und auch Max hatte keine einfache Kindheit. Als sie einander kennenlernen merkt Sophia, dass sie sich der Anziehungskraft des charismatischen Polizisten nicht entziehen kann, doch ihre Konditionierung ist ohnehin in Gefahr...
Fesseln der Erinnerung
ist ein ergreifender, intensiver Liebesroman für alle und eine wertvolle Fortsetzung für Fans und Kenner der Serie. Wenn ich ein Buch von Nalini Singh aufschlage, weiß ich, ich bekomme einen einwandfreien sprachlichen Stil, facettenreiche Charaktere und heiße Liebesszenen. Drumherum geht es mit der Geschichte der Medialen und Gestaltwandler weiter und es werden immer wieder kurze Episoden aus der Sicht der Ratsherrin oder anderen Schlüsselfiguren eingeflochten. Für Neueinsteiger mag das verwirrend sein, für alle, die seit dem ersten Teil dabei sind, eröffnen sich mit diesen Szenen immer mehr Informationen über die politischen Feinheiten in Nalini Singhs komplexer Welt.Wie immer steht aber auch hier die Liebesgeschichte im Vordergrund. Max und Sophia sind ein harmonisches Paar und durch die Unterschiede zwischen Mensch und Medialer ergeben sich reizvolle Situationen. Max ist trotz seiner ultimativen Hartnäckigkeit eine sensible Person und legt ganz früh schon seinen Beschützerinstinkt gegenüber Sophia an den Tag. Ich mochte ihn vom ersten Augenblick an und er hat mich zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. Eine beeindruckende Gradlinigkeit und nicht zuletzt verführerische Qualitäten machen ihn so besonders. Sophia ist zuerst natürlich zurückhaltend, ist sie doch im Medialnet und der Konditionierung gefangen. Ihre Zerbrechlichkeit wird aber vom Beginn an deutlich und verschlimmert sich zusehends. Sie ist zwar auch eine Kämpfernatur, hat aber selbst zu viele Probleme mit ihrer Konditionierung, als dass sie zu dominant auftreten könnte. Zusammen geben sie einen reizvollen Kontrast und Nalini Singh führt sie durch viele Höhen und Tiefen um letztendlich doch das Verlangen siegen zu lassen.
In gewohnter Perfektion integriert sie subtile Erotik in jede Szene und man kann es als Leser bald nicht mehr aushalten und wünscht sich nichts mehr, als dass Max und Sophia sich endlich bekommen. Dabei wird stets ein hohes Niveau gehalten und Abwechslung geboten, es gibt keine 08/15 Liebesszenen mit wiederholtem Vokabular oder gar Sex auf den ersten 200 Seiten.
Insgesamt habe ich Fesseln der Erinnerung in rasender Geschwindigkeit durchgelesen und war wieder begeistert von der Intensität der dargestellten Emotionen und der ergreifenden Dramatik. Warum dann keine Top-Bewertung? Ehrlich gesagt, haben mir die Gestaltwandler gefehlt. Da es hier um eine reine Mensch-Medialen Verbindung geht, kommen die geliebten Leoparden und Wölfe ein wenig zu kurz. Die Welt der Medialen ist ohne Zweifel interessant und vielschichtig, aber eben auch sehr wissenschaftlich, analytisch und geplant. Sophia ist nicht so strukturiert, dass der Geschichte jeglicher Pep fehlen würde - es gibt ja auch Max - aber es fehlt das Feuer und das Animalische der Gestaltwandler. Max kann es eben nicht mit Lucas oder Clay aufnehmen. Also hat mir das Buch im Endeffekt nur den Mund wässrig gemacht auf Hawke und Siennas Geschichte.




