Als die attraktive
und resolute Molly Stratton vor seiner Tür auftaucht, weiß Ian Buchanan instinktiv, dass es Ärger geben wird. Mürrisch versucht er diese Frau abzuwehren, die stur behauptet, seine verstorbenen Mutter würde ihr in ihren Träumen erscheinen und ihr befehlen, ihn aufzusuchen um ihn zu warnen. Das "Dunkle" würde in ihm erwachen und für diesen Zeitpunkt müsse er bereit sein. Obwohl Molly all ihre Überzeugungskraft aufbietet, kann sie nicht zu dem verschlossenen Ian durchdringen. Von Beginn an herrscht zwischen ihnen aber einen unleugbare sexuelle Anziehungskraft und Ian sieht seine Unabhängigkeit in Gefahr. Zur gleichen Zeit passiert es, dass in Ians direktem Umfeld Frauen brutal ermordet werden. Es scheint, als wäre das Böse tatsächlich in seiner Reichweite und wartete auf irgendetwas. Noch weigert sich Ian zu glauben, dass in ihm etwas anderes sei, doch dann plagen ihn wilde, erotische Träume, in denen er mit Molly schläft und ihr seine Reißzähne in den Hals schlägt. Als Molly dann völlig aufgelöst und mit Wunden am Hals vor seiner Tür auftaucht, ist es endgültig klar, dass Ian weit mehr ist als ein einfacher Mann...Wenn der Hunger
erwacht hält, was das Coverbild und der Klappentext versprechen und bietet einige Stunden prickelnde Unterhaltung auf recht niedrigem Niveau. Natürlich sind alle männlichen Personen in diesem Roman extrem maskulin, platzen förmlich vor Muskelkraft, haben einen verruchten Blick und unstillbaren sexuellen Hunger. Der Protagonist verkörpert einen dominanten, animalischen Sexgott, der hinter der harten Schale einen weichen Kern verbirgt, den selbstverständlich nur die richtige Frau zum Vorschein bringen kann. Und mit Molly hat Ian auch das perfekte, zarte, kleine und weibliche Gegenstück, das trotz ihrer sanften und treuen Art verbissen und hartnäckig sein kann.Gleich auf den ersten Seiten wird klar, dass die Autorin nichts lieber schreibt, als darüber, wie unfassbar heiß die beiden aufeinander sind. Mittels der neutralen Erzählperspektive springt sie von Ian zu Molly und wir erfahren zuhauf, wie sexy seine Oberarme, seine Augen, ihr Hals, ihre Haut etc etc. sind. Der Schreibstil ist liebesromantypisch, teils extrem schwülstig, teils sehr salopp. Schimpfworte und derbe Ausdrücke wie arschig und beschissen gibt es häufiger. Die Dialoge sind umgangssprachlich, oft sind Worte verkürzt. Aber es liest sich alles sehr flüssig und die Liebesszenen sind recht schön ausformuliert und verursachen kein Augenverdrehen.
Diese Frau würde nichts als Ärger bedeuten.
Das war Ian Buchanan schon in der Sekunde klar, als er sie zum ersten Mal
erblickte. Sie entstieg einem ziemlich mitgenommenen, von Staub bedeckten
dunkelblauen Mietwagen. Er legte seinen Hammer hin und wusste es, während er
beobachtete, wie sie auf ihn zukam. Vorsichtig bahnte sie sich ihren Weg durch das
chaotische Gelände der Baustelle; ihre schmale Gestalt wurde dabei von der hinter
ihr stehenden, drückend heißen Nachmittagssonne mit einem brennenden
orangefarbenen Glühen umgeben.
Und gleich die ersten Worte, die aus diesem geschwungenen roten Mund
kamen – die Lippen glänzten süß, die Stimme war sanft, aber mit einer gewissen
rauen Heiserkeit, sehr sexy –, bestätigten alle seine Befürchtungen.
"Mr. Buchanan, mein Name ist Molly Stratton, und ich bin gekommen, um
Ihnen … nun ja, ich weiß, das klingt völlig verrückt, aber Ihre Mutter Elaina hat mich
gebeten, Sie zu finden."
Sie lachte nicht, während sie das von sich gab. Lächelte nicht einmal. Sie
blickte bloß mit den größten braunen Augen zu ihm auf, die er je gesehen hatte. Und
wartete.
"Was Sie nicht sagen."
Er ignorierte ihre kleine ausgestreckte Hand, schob
sich die Sonnenbrille hoch ins Haar, griff nach der Bierflasche und nahm einen tiefen
Schluck von seinem Coors. Der Glasrand der langhalsigen Flasche fühlte sich an
seinen vom Schweiß salzigen Lippen kühl an, das Bier sogar noch kühler, als es
langsam seine ausgetrocknete Kehle hinunterrann. Sie sah zu, wie er trank, die
dunklen Augen auf seinen auf- und niederfahrenden Adamsapfel gerichtet. Ihre
grazilen, von den Staubpartikeln wie mit Sommersprossen gefleckten
Wangenknochen glühten leicht, die vollen Lippen waren ein ganz klein wenig
geöffnet. Tief in Ians Bauch zog sich etwas zusammen. Das Blut floss ihm schwerer
durch die Adern.
Na sicher, nichts als Ärger, schon klar.
Entgegen meiner Vermutung springen die beiden Hauptcharaktere auch nicht nach 20 Seiten ins Bett und kommen nicht mehr raus, sondern verwickeln sich in eine mäßig spannende und hin und her wogende Geschichte um Ians "andere Seite", die der Merrick genannt wird. Es passiert nicht wirklich viel und was geschieht, ist vorhersehbar. Die Bemühungen der Autorin, dem paranormalen Element Glaubhaftigkeit zu verleihen, kamen bei mir oft nicht so ganz an und ich habe die Logik abgeschaltet um die Liebesszenen genießen zu können. Man muss darüber hinwegshen, dass der "Böse" Casus aus der Parallelwelt kommt und einen Körper nimmt, der ausgerechnet Joe Kelly heißt... man muss ignorieren, dass es auf der Welt eine Gruppierung von mächtigen Wesen gibt, die sich die "Watchmen" nennen und alle überwachen, die wie Ian über eine "andere Seite" verfügen. Ehrlich gesagt, fand ich dieses Drumherum um Ian und Molly an den Haaren herbeigezogen und/oder von anderen Romanvorlagen zusammenkopiert. Nichtsdestotrotz bin ich jetzt schon gespannt, wer als nächstes seine Gefährtin finden wird und welcher tortured hero wann von wem erlöst wird. Ich glaube, es könnte sich bei Rhyannon Byrd eine ähnliche, nicht begründbare Sucht einstellen, wie bei Christine Feehan. Da gleichen sich die Romane wie ein Ei dem anderen und trotzdem verschlingt man sie in wenigen Stunden und ist irgendwie zufrieden danach. So ging es mir bei Wenn der Hunger erwacht. Und deshalb kann man es durchaus als erotische, unterhaltsame Lektüre für zwischendurch empfehlen.











