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Originaltitel


Die Phönix-Chroniken: Glut
von Lori Handeland

erscheint auf Deutsch im März 2010 im Egmont Lyx Verlag
350 Seiten, Taschenbuchformat (größeres Format)

Preis: EUR 12,95

übersetzt von Petra Knese
ISBN-13: 9783802582356
ISBN-10: 3802582357


Leseprobe

Vor ungefähr einem Monat habe ich einen Pfahl durch das Herz des einzigen Mannes getrieben, den ich jemals geliebt habe. Zum Glück – oder auch zum Pech, je nach Wochentag und Stimmungslage – hat das aber nicht ausgereicht, ihn umzubringen. Bei Anbruch der Apokalypse wurde ich zur Anführerin einer Schar von Sehern und Dämonenjägern. Viel von diesem biblischen Prophezeiungsmist hat sich tatsächlich als wahr entpuppt. Für mich ist es eigenartig und gleichzeitig auch erschreckend, dass ausgerechnet ich auserwählt wurde, in der letzten Schlacht gegen das Böse die Guten anzuführen. Denn eigentlich war ich doch bloß eine Kellnerin, die früher mal Polizistin gewesen ist. Ach ja, und dass ich übersinnliche Fähigkeiten habe, muss ich auch noch erwähnen. Schon immer hatte. Nicht, dass mir diese Fähigkeiten jemals irgendwelche Vorteile verschafft hätten, außer vielleicht, dass sie mich den einzigen Job gekostet hatten, an dem ich hing, und auch den einzigen Mann, nämlich den zuvor schon erwähnten und so schwer vom Leben zu trennenden Exfreund Jimmy Sanducci. Ich hatte es sogar geschafft, dass mein Partner während des Einsatzes erschossen wurde. Darüber bin ich eigentlich nie hinweggekommen, obwohl mir seine Frau unermüdlich beteuert, dass es gar nicht meine Schuld gewesen sei. Um diese Schuld irgendwie wieder- gutzumachen – als wenn das überhaupt ginge –, hatte ich die Frühschicht in einer Kneipe übernommen, die der Witwe Megan Murphy gehörte. Dabei wurden wir auch noch die besten Freundinnen. Wie das zustande kam, konnte ich mir auch nicht so recht erklären. Nachdem es im letzten Monat nur Tod und Zerstörung gegeben hatte, bin ich nach Milwaukee zurückgekehrt, um mir hier die nächsten Schritte zu überlegen. Die Armee der Finsternis war auf dem Siegeszug. Drei Viertel meiner Soldaten waren tot, der Rest versteckte sich. Für mich gab es keine Möglichkeit, sie aufzustöbern, ich wusste ja noch nicht einmal, wer sie waren. Außer … ich fand Jimmy. Doch diese Suche gestaltete sich weit schwieriger als gedacht. Also, während ich hier herumlungerte und auf eine alles klärende Vision wartete, hatte ich meine Arbeit im Murphy’s wieder aufgenommen. Schließlich musste eine Frau ja auch noch essen und außerdem die Hypothek abzahlen. Erstaunlicherweise bekam man als Anführerin der übersinnlichen Sonnen- scheinfraktion – ich mache Witze, tatsächlich nennen wir uns Föderation – kein bisschen Kohle. In der Nacht, als die Hölle losbrach – mal wieder –, schob ich gerade eine Doppelschicht. Der Barkeeper, der mich ablösen sollte, erkrankte an der Ich-möchte- lieber-auf-das-Sommerfest-gehen- Grip- pe, und ich konnte Megan mit dem abendlichen Ansturm ja nicht alleine lassen. Nicht, dass es jetzt außergewöhnlich voll gewesen wäre. Die meisten Partygänger waren zum Sommerfest gepilgert, dem berühmten Milwaukeer Musikfestival, das mitten auf einem See stattfand. Von Zeit zu Zeit schneiten ein paar Bullen auf dem Heimweg herein – auf diese Klientel stützte sich Megans Kneipe. 


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EngelWerwolfDämonVampire
Urban Fantasy - Erotic Fantasy
Nachdem Elizabeth Phoenix in ihrer Rolle als Anführerin des Lichts das Böse zurückgeschlagen hat, kommt nur kurz Ruhe in ihr Leben. Nicht lange kann sie die Abgeschiedenheit ihres kleinen Städtchens genießen, bis sie eines Tages "Besuch" von einer überaus mächtigen, bedrohlichen Frau bekommt, die sofort versucht, Liz umzubringen. Schnell erfährt sie, dass diese Frau Sawyers Mutter und gleichzeitig eine Navajo-Geisterhexe ist. Das Böse sammelt sich erneut um die Weltherrschaft an sich zu bringen und Chaos über die Welt hereinbrechen zu lassen. Sollten sich die Höllentore öffnen und die dämonischen Grigori entkommen, wäre die Menschheit verloren. Also macht sich Liz sofort auf, ihre versprengten Mitstreiter zu finden, die Fee Summer, den Fellwandler Sawyer und schließlich auch ihren Ex-Geliebten Jimmy Sanducci, der unter seinen erwachten Vampirgelüsten leidet und sich in eine einsame Höhle zurückgezogen hat. Unterwegs versucht Liz mehr über die Navajo Hexe herauszufinden und vor allem, wie sie getötet werden kann. Sie weiß, es wird ein Kampf auf Leben und Tod werden.

Der zweite Teil der Phoenix Chroniken knüpft in gleichem halsbrecherischen Tempo an die Ereignisse des ersten Bandes an. Liz hat keine lange Atempause, bis sie sich erneut um die Rettung der Welt kümmern muss. Der frische, saloppe Erzählstil von Lori Handeland ist unglaublich unterhaltsam und packend. Liz ist immer noch teilweise überwältigt von ihrer neuen Rolle als Anführerin des Lichts und es gibt noch viele Dinge, die sie lernen muss, doch sie schlägt sich mutig durch und verteilt fröhlich schlagfertige Antworten. Manchmal kam mir ihre selbstlose, moralische Weltrettereinstellung etwas konstruiert und unrealistisch vor, doch ihr Aktionismus treibt die Handlung extrem schnell voran und sorgt für ein längefreies Lesevergnügen. Alle weiteren Nebenpersonen finde ich ausnahmslos gelungen und interessant. Der mächtige Sawyer, dessen wahre Kräfte noch im Dunkeln liegen, der gefühlvolle Jimmy, die zickige aber nützliche Fee Summer und neu der Löwengestaltwandler Luther. Auch Liz Pflegemutter und Seherin Ruthie bekommt ihren Platz und trägt zur weiteren Verstrickung der Story bei.
Wie ein Roadmovie zieht die Geschichte vorbei, auf der Suche nach der Navajo-Hexe hetzen Liz und ihre Mitstreiter durch das Land, während sich im Hintergrund die globale Bedrohung durch die dunkle Seite weiter ausbaut. Der jüngste Tag ist nah und die Welt wird bereits durch schreckliche Katastrophen erschüttert. Auch wenn die Kämpfer des Lichts noch in der Unterzahl erscheinen, besitzt Liz unerschütterlichen Mut. Gewöhnungsbedürftig für mich ist sowohl der flapsige, teils recht derbe Humor mit zahlreichen Schimpfworten und Anspielungen unter der Gürtellinie als auch der Umgang mit Sex.
Sex wird wie schon im ersten Band der Serie fast ausnahmslos instrumentalisiert und als Mittel zum Zweck eingesetzt. Durch die Tatsache, dass Liz durch Sex die Fähigkeiten ihres Partners übernehmen kann, bieten sich natürlich unglaublich viele Möglichkeiten. Und oftmals scheut sich Liz auch nicht, diese Chancen wahrzunehmen oder sie einzuplanen. Romantisch veranlagte Liebesromanleser werden sich von der Promiskuität des Hauptcharakters abgestoßen fühlen und sind sicherlich enttäuscht, dass der Beziehung zwischen Liz und Jimmy weder viel Spielraum noch viel Hoffnung eingeräumt wird. Aber für Liebe ist laut Lori Handeland nicht viel Zeit im Angesichts des Weltuntergangs und es muss getan werden, was das Schicksal vorgesehen hat. Diese Nüchternheit schadet dem Roman nicht, man muss nur akzeptieren, dass Romantik hier keinen großen Stellenwert besitzt. In allen anderen Belangen überzeugt Glut durch originelle Wendungen, einer ordentlichen Portion Paranormales und toll entwickelten Charakteren. Man kann gespannt sein, welche Fähigkeiten sich Liz noch aneignen wird auf ihrem Weg zur ultimativen Waffe gegen die Dunkelheit.
Das Ende des Buches lässt jedenfalls zahlreiche Fragen offen und mich gespannt auf den nächsten Teil warten.

Fazit
Temporeicher, toll erzählter Urban Fantasy Roman über den großen Kampf zwischen Gut und Böse.






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