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Originaltitel


Die Phönix-Chroniken: Asche
von Lori Handeland

auf Deutsch erschienen im August 2009 im Egmont Lyx Verlag
336 Seiten, Taschenbuchformat (größeres Format)

Preis: EUR 12,95

übersetzt von Petra Knese
ISBN-10: 3802582349
ISBN-13: 978-3802582349


Leseprobe

Als ich wieder aus meiner Bewusstlosigkeit erwachte, hatte sich nicht nur das Wetter geändert. Ich erinnerte mich ganz genau, dass ich an einem schönen Frühlingstag bei Ruthie gewesen war. Jetzt gaben die Fenster im Krankenhaus den Blick auf wirbelnde Schneeflocken frei. Bei dem Gedanken, ein ganzes Jahr verloren zu haben, überfiel mich einen Moment lang Panik, bis mir einfiel, dass ich doch im Süden von Wisconsin lebte. Dort folgte auf einen sonnigen April oft ein stürmischer Mai. Irgendetwas bewegte sich in meinem Zimmer, und ich wandte den Kopf danach um. Ich fühlte einen stechenden Schmerz und schloss die Augen, doch nur, um sie sogleich wieder zu öffnen. „Hoppla“, entfuhr es mir. „Das ist ja mal was ganz Neues.“ Sicher besaß ich übersinnliche Fähigkeiten, aber eine Vision hatte ich bislang noch nie gehabt. Wenn dieses Horrorszenario, das mir eben vor den Augen geflimmert hatte, überhaupt eine Vision gewesen war. Nein. Unmöglich. Ich hatte Monster mit Zähnen und Klauen gesehen. Überall Blut und Tod – und das war bei Ruthie gewesen. Das konnte nicht die Wirklichkeit sein, so etwas passierte doch nur in einem „Albtraum“, murmelte ich mit schwerer Zunge. Wer weiß, was die mir hier im Krankenhaus eingeflößt hatten. Monster gab es nicht, es sei denn, man zählt wie ich die Schweine dazu, die sich an Schwachen und Unschuldigen vergreifen. Was war geschehen, nachdem ich im Haus das Blut gesehen und nach Ruthie gerufen hatte? Ich versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern. Aber schon der Versuch erschöpfte mich, und ich sank zurück in die sanfte Dunkelheit, die Geborgenheit und Sicherheit zu versprechen schien. Seltsam, bis zu jenem Tag bei Ruthie hatte ich mich nie nach einem sicheren Ort gesehnt. Als ich das nächste Mal aufwachte, waren Dick und Doof mit zwei Stühlen an mein Bett gerückt. Eigentlich hießen sie Hammond und Landsdown, aber der eine war groß, dünn und sah dämlich aus, und der andere war kleiner, dicker und sah noch dämlicher aus. Sie arbeiteten beide bei der Mordkommission und waren ungefähr tausendmal klüger, als man ihnen ihrem Aussehen nach zutraute. „Was wollt ihr von mir?“ Ich streckte meine Hand nach dem Schalter für das Bett aus, um das Rückenteil hochzustellen. Wenn es ganz übel um mich bestellt gewesen wäre, hätten die Ärzte diese beiden Vögel bestimmt nicht hereingelassen. Sobald ich aufrecht saß, schossen mir die vergangenen Ereignisse durch den Kopf. Auf einmal erinnerte ich mich wieder an alles, oder fast alles. „Wer zum Teufel hat mir eins übergezogen?“, wollte ich wissen. Hammond riss die Augen auf. „Dir eins übergezogen? Wann?“ „Ich bin zu Ruthie. Die Tür stand offen …“ Sah ihr gar nicht ähnlich, und auch die Wände voller Blut. Endlich ging mir auch die tiefere Bedeutung dieser beiden Typen von der Mordkommission auf. So ganz hatte ich meine fünf Sinne noch nicht beisammen. Musste wohl an meiner Bewusstlosigkeit liegen. „Ist sie tot?“ „Ja“, sagte Landsdown trocken. Ich wollte heulen, aber irgendwie wusste ich nicht so recht, wie. Leuten wie mir treibt man die Heulerei schon frühzeitig aus. Die beiden Bullen warteten eine Weile, um mir Zeit für eine Träne zu geben.

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Urban Fantasy - Erotic Fantasy
Nach einem tragischen Zwischenfall hat Elizabeth ihren Dienst bei der Polizei in Milwaukee quittiert. Zwar waren ihre hellseherischen Kräfte den Ermittlungen immer zugute gekommen, doch bei den Kollegen galt sie als seltsam und wurde gemieden.
Eines Tages verspürt sie das dringende Bedürfnis, ihre Ziehmutter Ruthie zu besuchen, die sie damals als Waise aufgenommen hatte. Doch als Liz ankommt, liegt ihre geliebte Ruthie sterbend am Boden, mit schrecklich blutenden Wunden. Sie flüstert Liz noch zu, dass jetzt alles anders werden würde und dann fällt Liz in Ohnmacht. Als sie im Krankenhaus wieder aufwacht, findet sie sich mitten in den Ermittlungen in dem Mordfall wieder. Überraschenden Besuch bekommt sie von Jimmy Sanducci, ihrem damaligen
Geliebten, den sie seit ihrer Kindheit kennt. Er hatte sie betrogen und voller Wut waren sie auseinander gegangen. Liz ist nicht sehr begeistert, Jimmy zu sehen, und obendrein benimmt er sich höchst seltsam. Als sie zuhause später von einem Bären-Gestaltwandler angegriffen wird und nur knapp mit dem Leben davonkommt, ist es unleugbar, dass ihr Leben nie mehr so sein wird wie zuvor. Als Liz Jimmy zur Rede stellt, erfährt sie nicht nur Schockierendes über seine wahre Identität sondern auch, dass sie eine tragende Rolle im globalen Kampf zwischen Gut und Böse spielen wird.

Rasant, spannend und direkt, so präsentiert Lori Handeland ihre neue Serie die Phoenix Chroniken. Gegenüber ihrer Werwolfserie schlägt die Autorin hier ein noch höheres Tempo an und jagd ihre Heldin Elizabeth förmlich durch das Geschehen. Die Sprache ist komplett unverblümt und die Dialoge sind treffend, oft zynisch und manchmal von überrealistischer Härte. Elizabeth ist eine von harter Kindheit geprägte, selbständige Frau, die aber einen weichen Kern hat. Auch wenn sie ständig um sich schlägt und kaum jemanden an sich heranlässt, sehnt sie sich im Grunde ihres Herzens nach Harmonie und Liebe. Mir war sie von Anfang an sympathisch und ich habe jeden Moment mit ihr mitgefiebert. Die Handlung ist mitreißend wie ein Wirbelsturm,
ohne Atempause wird man durchgepeitscht und über allem steht die große Bedrohung durch das Böse, das ohne Elizabeth die Welt erobern wird. Es wird ein enormer Druck auf sie aufgebaut, dem jeder normale Mensch eigentlich nicht gewachsen wäre. Doch die Autorin schafft es trotzdem, Elizabeths Rolle sinnvoll aufzubauen und ihre Gabe glaubhaft rüberzubringen.
Im Laufe der Geschichte wird man als Leser mit sehr vielen paranormalen Wesen, deren Eigenarten, Geschichte und Rolle im Krieg konfrontiert, Lori Handeland hat hier ihrer Fantasie freien Lauf gelassen. Aber alle Personen sind absolut faszinierend, in Aussehen und Charakter einzigartig und interessant. Die Beziehung zwischen Liz und Jimmy ist alles andere als einfach und nicht sehr romantisch. Aber auf Romantik hat man sich auch nicht eingestellt, dafür herrscht insgesamt ein zu rüder Ton. Ich würde Asche nicht als Liebesroman bezeichnen, auch wenn Erotik eine große Rolle spielt. Sex ist in der Sprache aller Charaktere mehr als präsent und es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Und darüberhinaus kommt dem Geschlechtsverkehr noch eine andere Rolle zu als die, Nachkommen zu zeugen oder Spaß zu machen... Sex wird teilweise instrumentalisiert und verliert dadurch jegliche Romantik. Für zartbesaitete Fans von C. Feehan dürfte das gar nicht passen. Aber wer auf heiße, animalische Erotik steht wird bei diesem Roman auf seine Kosten kommen. Achtung Spoiler: auch wenn es eigentlich gar nicht mein Fall ist, wenn die Protagonistin mit anderen Personen Sex hat als mit dem zugedachten Liebespartner, hat das der Qualität der Story keinen Abbruch getan. Das Ende ist gar kein Ende sondern nur ein Cliffhanger zum nächsten Teil - auch nicht sehr prickelnd. Trotzdem ist das Buch absolut lesenswert, ultra-spannend und originell. Die 12,95 EUR lohnen sich meiner Meinung auf jeden Fall und der Egmont Lyx Verlag hat sich sehr viel Mühe mit der Aufmachung gegeben und ein wunderschönes, hochwertiges Cover produziert.

Fazit
Spannender, erotik-geladener Paranormaler Thriller mit einer tollen, vielschichtigen Heldin und viel Potential.










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