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Herzenssünde

von Eve Silver

Erscheinungsdatum: März 2012
Verlag: Mira Taschenbuch
Ausgabe: Taschenbuch, 400 Seiten
Preis: EUR 8,99
ISBN: 978-3-89941-984-9


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
* ** * *

Die Enttäuschung des Jahres.


In der Unterwelt

herrscht Sutekh, Gott über Chaos und Verderben. Die Welt der Menschen wird von den Isistöchtern behütet. Aber die ewige Ordnung gerät in Gefahr … Er ist ein Jäger: Auf der Suche nach schwarzen Seelen für Sutekh streift Dagan Krayl durch die Welt. Doch als er vom Tod seines Bruders erfährt, kennt er nur ein Ziel: die Leiche finden, ihn ins Leben zurückholen, und das schnell. Denn die Isistöchter wollen, dass er scheitert. Roxy Tam ist eine von ihnen, eine Frau mit einem unerklärlichen Blutdurst, geheimnisvoll und schön. Als Dagan ihr jetzt wieder begegnet, erinnert er sich. Sie ist die Einzige, die je sein Gesicht gesehen hat und nicht gestorben ist, damals vor elf Jahren. Weil er sie begehrt … In ihren Augen liest er die eigenen verwirrenden Gefühle: Loyalität oder Leidenschaft? Hass oder eine verzehrende Liebe zwischen ihren Welten?

Der Klappentext reicht

völlig um den Inhalt zu beschreiben, ergänzend kann man noch hinzufügen, dass Sutekh vier Söhne hat, von denen Dagan der Älteste ist. Sie alle sind halb menschlich und wandeln in mehr oder weniger menschlicher Gestalt auf Erden um böse Seelen zu holen, die dann von Sutekh verspeist werden. Das Buch bietet zudem einen fröhlichen Rundumschlag über alle möglichen Gottheiten, seien sie römischer, griechischer oder ägyptischer Mythologie entsprungen und mischt diese auch gerne. Im Prinzip hat die Autorin ein recht komplexes Setting aufgebaut, das eine Parallelwelt der Götter über die Welt der Menschen baut und diverse Vermischungen aufweist. So können Götter wie Isis, Osiris und Sutekh nur im Reich der Götter wandeln, ihre Söhne und Anhänger mit göttlichem Blut aber dürfen die Menschenwelt betreten. Die Menschen, die erwähnt werden, sind aufgesplittet in diverse Sekten, die den einen oder anderen Gott fanatisch anbeten und ihm nahe sein möchten. Roxy Tam ist eine Isistochter und wurde von den anderen Isistöchtern "rekrutiert", da sie durch Dagans Blut besondere Kräfte (und einen vampirischen Hunger) entwickelt hat. Da Sutekh und Isis verfeindet sind, können Roxy und Dagan auch nichts anderes als Gegner sein. Also ergibt sich hieraus das bekannte Spiel "Töten wir uns oder gehen wir ins Bett?"

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, war ich doch so begeistert von Dark Future. Herz aus Eis, das die Autorin unter dem Pseudonym Eve Kenin veröffentlicht hat. Was mir besonders positiv auffiel, war die ausformulierte Sprache und der angenehme, treffende Schreibstil. Leider scheint sich Eve Silver für die Otherkin Reihe einen komplett neuen Stil zugelegt zu haben, worüber ich erst völlig entsetzt und dann komplett enttäuscht war. Herzenssünde strotzt vor geltungssüchtigen, flapsigen und überflüssigen Passagen, lieblosen Dialogen und Wiederholungen. Eve Silver erwähnt viele Namen, Gottheiten und Szenarien, schafft aber keine glaubhaften Hintergründe und ihre Personen spielen ein künstliches Schauspiel ohne Herz und Verstand. Sutekh und alle andere Götter sind in ihren extremen Haltungen völlig überzogen und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Gott so sein kann. Dagan und seine Brüder sind trotz ihres jahrtausendelangen Daseins naiv-menschlich und hängen schrulligen Angewohnheiten nach. Ein uralter unsterblicher Seelenjäger in Jeans, Cowboystiefeln und Lolli-lutschend...da schüttelt es mich.

Ich hatte permanent das Gefühl, die Autorin wollte mal so richtig aus dem Vollem schöpfen und alles was geht in ein Buch packen - und hat dabei das Wesentliche aus den Augen verloren. Unter all den Bergen von hierarchischen Zusammenhängen und apokalyptischen Handlungen befinden sich unausgereifte, klischeehafte Charaktere, die armselig eine vorhersehbare Romanze leben sollen. Dagan ist ein machohafter, ultra-maskuliner Held, der so glatt und betont sexy ist, das ich ihn nach kurzer Zeit nicht mehr ertragen konnte. Seine Einstellung zu Roxy wandelt von sexueller Anziehung zu Misstrauen, von lässigem Desinteresse zu besitzergreifender Gier. Emotional berührt hat er mich zu keinem Zeitpunkt. Ähnlich ging es mir mit Roxy Tam. Die freche, mit anzüglichen, dämlichen Kommentaren um sich werfende zickige Heldin taumelt durch ein seltsames Abenteuer und geilt sich an Erinnerungen an Dagan auf. Als die beiden sich treffen, passiert jedoch - entgegen meiner Erwartungen - lange überhaupt nichts. Sie streiten sich, sie kämpfen Seite an Seite, sie reden, reden, reden. Die erste Liebesszene ist erst im letzten Drittel des Buches und ach, was hatte ich doch für Aufregendes in diesem Roman erwartet - nichts davon wurde erfüllt. Ständiges lapidares Gerede um Schwanzgröße, feucht werden etc. ist doch keine Erotik!

In wechselnden Erzählperspektiven (Dagan, Roxy, die anderen Brüder, diverse Bösewichte...) erfährt der Leser von einer Verschwörung unter den Göttern, deren Schauplatz ausgerechnet die Menschenwelt ist. Es gibt wohl ein kleines Mädchen, das von ultimativer Bedeutung in diesem Krieg sein soll und ständig entführt bzw. gerettet werden muss. Außerdem ist ja Dagans jüngster Bruder verschollen (und totgeglaubt) und stellt den Anfang einer Attentatsreihe auf die anderen Brüder dar. Roxy und Dagan merken irgendwie, dass sie doch auf der selben Seite stehen und es geht den pädophilen Entführern an den Kragen. Dabei schreckt Eve Silver auch vor expliziten, ekelhaften Gewaltdarstellungen nicht zurück und es wird gefoltert und gedroht. All das fand ich sehr unappetitlich und unpassend. Vor allem Roxys Blutdurst war komplett denaturiert und überflüssig. Warum musste diese vampirische Eigenart noch dazu kommen? Wieso ausgerechnet von Dagan? Das wird nie geklärt.
Für mich war Herzenssünde eher ein abgedrehter, zu brutal gewordener Fantasyverschnitt als eine Paranormale Romanze. Keine der offen gelassenen Storyelemente hat mich fesseln können und ich bin null interessiert am Schicksal von Dagans Brüdern. Was das Buch vor "Übel" rettet, ist die halbwegs beeindruckende Energie, mit der Eve Silver ihre Welt geschaffen hat und die eine oder andere nette Szene zwischen Dagan und Roxy.

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