
October "Toby" Daye
ist halb Fee, halb Mensch. Das Leben für ein sogenanntes Wechselbalg wie sie eines ist, ist jedoch nicht leicht. Toby scheint weder zur Faerie Welt, noch zur Menschenwelt zu gehören. Doch sie hatte sich für ein getarntes Leben unter den Menschen entschieden, geheiratet und eine Tochter zur Welt gebracht. Ihr Äußeres immer mit Trugzaubern verschleiert, war sie dem Job einer Privatdetektivin nachgegangen. Doch eines Tages geschah etwas Schreckliches: Ihre Feinde lockten sie in eine tückische Falle, verwandelten Toby in einen Fisch und so verbrachte sie 14 lange Jahre in einem Zierfischteich in San Franciscos Park. Als der Zauber endlich nachlässt und Toby ihren Körper wiederbekommt, liegt ihr bisheriges Leben in Trümmern. Jeder hielt sie für tot, ihre Familie hat sie verlassen und aufgegeben. Traurig und entmutigt nimmt sich Toby eine Wohnung, schottet sich ab und verdient etwas Geld in einem Supermarkt. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. An einem schicksalshaften Tag erhält Toby einen Anruf der verzweifelten Gräfin Evening Winterrose, die sich in großen Schwierigkeiten befindet. Noch während der Nachricht findet sie den Tod, doch nicht bevor sie Toby durch einen Bindungsfluch dazu gezwungen hat, ihre Mörder zu finden. Toby hat keine Wahl: kann sie den Mord nicht aufklären, stirbt sie. Also macht sie sich sofort auf die Suche nach Hinweisen, die sie natürlich mitten in die verdrängte Vergangenheit führen...Leider etwas am
Rand der allgemeinen Aufmerksamkeit geblieben, ist Winterfluch doch ein lesenswertes Kleinod unter den Urban Fantasy Romanen. Die Autorin hat einen angenehmen, flüssigen und abwechslungsreichen Schreibstil, der komplexe Situationen gut darstellen und Dialoge stimmig und mitreißend präsentieren kann. Das Buch entführt ein Stück weit in die Welt der keltischen Mythologie mit Sidhe, Selkies, Pixies und vielen weiteren fremdartigen Zwischenwesen. Was ich sehr schön fand, war die Art wie die beiden Welten miteinander verschmelzen ohne dass die Menschheit davon weiß. Da gibt es geheime Türen zur Faerie Welt, Orte, die sich auf einmal woanders befinden, Tarnzauber um Pilze wie Geld aussehen zu lassen und mystische Flüche und Zaubersprüche. Dass das Faerie Volk seit Jahrtausenden unentdeckt mitten unter den Menschen lebt, kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber das tat der Qualität des Buchs keinen Abbruch. Vorrangig lebt die Handlung von ihrer Heldin - October Daye.Sie ist eine interessante, komplexe Persönlichkeit, die es wahrlich weder einfach hatte noch einfach hat. Je weiter die Story foranschreitet, desto sicherer ist der Leser, dass sie es auch in Zukunft nicht einfach haben wird.... Durch ihre problematische Vergangenheit und das üble Schicksal, das sie 14 Jahre lang von der Welt trennte, hat sie sich stark zurückgezogen und begegnet anderen mit Misstrauen und Scheu. Sie weiß wohl, dass sie die Vergangenheit nicht endgültig verdrängen kann, doch jeder Schritt auf ihren Ermittlungen bedeutet gleichzeitig eine Reise zurück in ihr altes Leben. Das ist schmerzhaft, gibt jedoch auch neue Chancen. Diese differenzierte und anspruchsvolle Charakterdarstellung ist der Autorin sehr gut gelungen, zeichnet ein facettenreiches Bild von October Daye und lässt dem Leser viel Raum für Interpretationen und Identifikation.
Die Heldin schlittert unwillentlich in einen vertrackten Kriminalfall, der perfekt recherchiert ist und sich komplett undurchsichtig präsentiert. Bis zum Schluss bleibt im Dunklen, wer der Mörder ist und Toby wird auf ihrer Suche nicht geschont. Die Angriffe auf sie sind brutal und es ist hart, trotz lebensgefährlicher Verletzungen weiterkämpfen zu müssen um dem Todesfluch zu entgehen. Die Nebenfiguren um Toby sind genauso undurchschaubar wie die Handlung und scheinen teils zu helfen, teils hinderlich zu sein. Als typische Einzelkämpferheldin findet Toby auch keine Ruhe bei ihren Freunden und Bekannten, es geht stehts um Pflicht, Gefallen und Drohungen. Da bleibt auch absolut keine Zeit für Romantik, Liebe oder ein ruhiges Gespräch. Die Handlung ist sehr gestrafft und wirkt sehr zielgerichtet. Für Fans von Kim Harrisons Rachel Morgan Serie und Richelle Meads Succubus Reihe ist October Daye ein tolles Leseerlebnis und auf jeden Fall einen Blick wert.










