Die FBI Agentin
Heather Wallace ist dem brutalen Serienmörder, genannt Cross-Country Killer, schon seit drei Jahren auf der Spur. Endlich scheint sie ihm in New Orleans anhand eines weiteren Opfers auf die Schliche zu kommen. Der Tote wird direkt neben dem düsteren Club Inferno für Gothicanhänger gefunden. Sofort bringt Heather den Mord mit dem geheimnisvollen Clubinhaber Dante in Verbindung. Als sie Dante zum ersten Mal sieht ist sie von ihm und seiner Welt völlig fasziniert und die Suche nach dem Mörder gerät in den Hintergrund, als sie mehr und mehr in das Reich der Nachtgeschöpfe gerät.Heiß-kalt, komplex, blutig.
So kann man eventuell versuchen, mit drei Worten die Grundstimmung dieses ersten Teils der Nightfall Serie zu beschreiben. Zu Beginn glaubt man sich in einer Abwandlung des bekannten Paranormalen Krimis mit einer toughen Heldin, die entweder privat ermittelt oder - wie in diesem Fall - beim FBI ist. Es gibt einen Tatort, einen Serienmörder und eine Frau, die durch ihre Arbeit die Grenze zwischen Menschenwelt und Paranormalem überschreitet.Relativ schnell habe ich aber gemerkt, dass es bei Schwingen der Nacht nicht ganz so einfach ist. Als erstes ist da der Schreibstil von Adrian Phoenix: in allen Situationen, die "menschlich" sind bzw. mit Polizeiarbeit zu tun haben, ist er sachlich, kühl, distanziert und analytisch. Heather ist eine höchst professionelle Person mit klaren Ansichten und viel Pflichtbewusstsein. Ihr Leben scheint nur aus der Suche nach dem Cross-Country Killer zu bestehen. Nur am Rande blitzt eine Ahnung auf, dass Heathers Vergangenheit beschattet sein könnte. Doch dann tritt sie in den Club Inferno und in Dantes Leben. Ab diesem Zeitpunkt scheint der wahre Stil der Autorin zu "erwachen". In pathetischer, fast hingebungsvoller Weise beschreibt sie die Vampire und ihre düstere, blutige Welt voller Schmerz und Geheimnissen. Gerne bedient sie sich dabei auch der französischen Sprache, und glücklicherweise wird nicht alles gleich übersetzt.
Heather, die sachliche, kühle Heather, ist vom ersten Augenblick an von Dantes gewaltiger Ausstrahlung und der Stimmung im Inferno überwältigt.
Nun wechselt die Erzählperspektive regelmäßig zwischen Heather, Dante und Lucien hin und her, später kommen auch noch die Sichtweisen des Mörders, seines Komplizen und diverser anderer Nebenpersonen hinzu. Die Schnitte zwischen den Szenen werden im Laufe des Buches immer häufiger, die Kapitel bleiben aber angenehm kurz.
Generell sollte man ein wenig den Gothic-Stil mögen, sonst wird man keinen Gefallen an diesem Roman finden. Alle Szenen zwischen Dante und Heather, und vor allem zwischen den Vampiren untereinander sind geprägt von einer düsteren Schwermütigkeit, unterschwelliger Erotik und einem nicht zu unterschätzenden Gewaltpotential. Alles wird teilweise bis zur Schmerzgrenze intensiviert und mit Metaphern und Bedeutungen untermalt. Songtexte werden zu Inhalten, Rückblicken und Verheißungen. Schwermut und eine fast apokalyptische Stimmung breitet sich im Laufe der Geschichte immer mehr aus, bis es im letzten Drittel fast quälend ist, der Story weiter zu folgen. Die Gewalt erreicht zum Schluss eine solch brutale Intensität und wird so detailreich beschrieben, dass ich des öfteren schlucken musste.
Beeindruckend ist der schiere Reichtum an Emotionen, Verstrickungen und Rückblicken in diesem Buch. Alles und jeder ist ein Geheimnis, ein facettenreicher Teil des unglaublichen Ganzen, spielt eine wichtige Rolle oder schafft einen unvergesslichen Augenblick. Ich hatte ja zuvor Hexenlicht gelesen und daher war die Umstellung von extrem seicht zu extrem tiefgründig förmlich schockierend. Manchmal war mir Nightfall dann doch zu schwere Kost, daher keine TOP Wertung. Gegen Ende scheint Adrian Phoenix immer tiefer in den Strudel aus Gewalt, Apokalypse und Wahnsinn zu geraten und verliert meiner Meinung nach ein wenig ihre Charakter aus den Augen. Sie lösen sich auf im Grauen der Geschichte, werden Figuren in ihrem irrsinnigen Spiel. Schlimm so was.
Grundsätzlich jedoch bietet Nightfall solide Krimiunterhaltung mit einer spannenden Tätersuche und überraschenden Wendungen. Heather war mir nicht unbedingt immer sympathisch, sie verhält sich aber nachvollziehbar und kommt auch mit dem Eintauchen in die Vampirwelt ganz gut zurecht. Mit Dante hatte ich eher ein problem. Sein grenzdebiler, fahriger Charakter und seine multiple Persönlichkeit ist nicht gerade das, was man von einem Helden erwartet. Man muss sich schon auf ihn einlassen, ihm eine Chance geben. Er macht meiner Meinung nach viele Fehler, ist unberechenbar und zerstörerisch. Die Einblicke in seine Gedanken prasseln immer mehr auf den Leser ein und es gibt quälend häufige Wiederholungen seiner traumatisierten Kindheit. Das hätte nicht unbedingt in diesem Ausmaß sein müssen. Dante und Heather bilden ein seltsames, unharmonisches Paar, das es sich nicht einfach macht. Erotik spielt bei Nightfall auch eine große Rolle, auch wenn es wenige Liebesszenen gibt. Vielmehr ist die Grundstimmung so intensiv und aufgeladen, dass es ständig subtil erotisch wirkt. Die Angewohnheit, sich untereinander häufig auf den Mund zu küssen (auch gleichgeschlechtlich) ist ebenso verstörend wie prickelnd.
Insgesamt hat der Roman einiges an Potential und dieses auch ausgenutzt. Die geschaffene Welt der Götter mit den Engeln, gefallenen Engeln, Vampiren, Blutgeborenen und deren Schaffenskraft ist noch lange nicht ausgelotet und höchst interessant. Es gibt reichlich Wortschöpfungen und Konflikte, die sich auf das Schicksal der Welt auswirken.











