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Nachtkrieger - Unsterbliche Liebe

von Lisa Hendrix

Erscheinungsdatum: April 2011
Verlag: Knaur TB
Ausgabe: Taschenbuch Klappenbroschur, 480 Seiten
Preis: EUR 9,99
ISBN: 978-3-426-50840-4


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
** * ** * *** ***

Wunderbar liebevoll aufgemachte, historische Romantasy.

Der Normanne Ivar

und seine Gefährten Brand und Ari wurden vor langer Zeit von der Hexe Cwen verflucht, nachdem Brand ihren Sohn getötet hatte. Jede Nacht verwandelt sich Ivar in einen Adler und Brand in einen Bär, um am nächsten Morgen wieder menschlich zu werden. Ari wird bei Nacht zu einem Raben. Ohne Hoffnung auf ein normales Leben ziehen die drei durch die Lande, auf der Suche nach Cwen, von deren Tod Brand nicht überzeugt ist. In England nennt sich Ivar in Ivo um stellt sich in die Dienste von König William. Für seine guten Leistungen als Ritter, erhält Ivar als Belohnung das Landgut Alnwick in Irland und die Hand von Alaida, der Herrin des Guts. Auch wenn Ivar weiß, dass sein Fluch Schwierigkeiten bringen wird, wünscht er sich nichts mehr als ein menschliches Leben. Also ehelicht er die selbstbewusste und attraktive Alaida und übernimmt die Aufgaben eines Lords. Natürlich wirft die Tatsache, dass er jeden Morgen bei Sonnenaufgang mit Brand fortreitet, Fragen auf. Vor allem Alaida weiß nicht, ob sie ihm vertrauen kann. Und doch fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen.

Durch allseits positive

Kritiken ist dieses Buch auf meinem Lesestapel ganz nach oben gerutscht - verdienterweise. Schon von der ersten Seite an merkt man, dass sich hier jemand große Mühe gegeben hat. Der Schreibstil ist typisch für einen historischen Liebesroman, bedient sich aber ganz bewusst und nie aufdringlich der altmodischen Sprache. Manchmal liest man ja einen Historical und nimmt den Leuten einfach nicht ab, dass sie wirklich im Mittelalter sind. Bei Ivar und Alaida ist das anders, sie sind lebendig und individuell, bewegen sich ganz natürlich in dem zeitlichen Rahmen und den damaligen Gegebenheiten. Die Autorin kommt ganz ohne Gekünstel oder übermäßiges Liebesgetue aus und schafft es trotz - oder vielleicht sogar aufgrund - der Bodenständigkeit, dem Ganzen einen fantastischen Charme zu verleihen.

»Ivo de Vassy«, wiederholte Brand probeweise. »Ich schätze, wir müssen auch M’Lord zu dir sagen?«
»Du bist mein Befehlshaber. Das würde ich niemals verlangen. «
»Von diesen Eiden habe ich dich bereits vor langer Zeit entbunden. Außerdem bist in diesem Fall du der Anführer. Wir werden tun, was immer nötig ist, um dir beizustehen.« Brand richtete den Blick gen Himmel, um die Zeit an den Sternen abzulesen. »Heute würden wir nicht mehr weit kommen, Lord Ivo de Vassy.«
»Dann brechen wir morgen auf, sobald wir unsere menschliche Gestalt wieder angenommen haben.«

Bei Odin. Eine Burg, eine Frau und Gefährten, dachte Ivar und brach ein Stück Brot ab. Vorerst wollte er nur daran denken, und nicht daran, was geschehen würde, wenn Alaida von Alnwick herausfände, dass ihr künftiger Gemahl jedes Mal, wenn der Tag graute, sich in einen Adler verwandelte.

Ivar ist ein wenig ein tortured hero, bleibt aber völlig kitschfrei und ohne die berüchtigten "ultramaskulinen" Attribute. Seine Verbitterung durch den Fluch ist allgegenwärtig und er entbrennt auch nicht gleich in heißer Liebe zu Alaida. Für extreme Romantikfans, die am liebsten gleich alles in ewiger Liebe erstickt sehen wollen, ergibt sich durch den relativ neutralen Anfang der Beziehung zwischen Ivar und Alaida eventuell eine Enttäuschung. Sie heiratet ihn, weil sie muss und der Umgang zwischen den beiden bleibt lange, eigentlich immer, höflich und zurückhaltend, eben so, wie es damals sein sollte.
Diese Natürlichkeit hat mir aber sehr gut gefallen und passt zu der allgemeinen sanften und gemächlichen Stimmung des Romans. Details über das mittelalterliche Leben und die Denkweise der Leute werden überall geschickt eingeflochten und das Paranormale Element bleibt meiner Meinung nach sehr im Hintergrund. Ivar ist des Nachts komplett menschlich und die Geschichte handelt zu 99 % von seiner menschlichen Gestalt. Was auch klar ist, denn als Adler kann er weder reden noch rational denken. So liest sich das Buch bis zum letzten Drittel eigentlich wie ein wunderbarer historischer Liebesroman, erst gegen Ende wird es magisch und auch sehr spannend.

Natürlich bietet es sich an, mit der Spannung zu spielen, was passiert, wenn Alaida endlich herausfindet, was es mit Ivars seltsamen Verhalten auf sich hat, und die Autorin tut dies auch zur genüge. Trotzdem war ich nie versucht, vorzublättern, dafür waren die Atmosphäre und all die schön platzierten Nebenhandlungen und -charaktere einfach zu unterhaltsam. Man hat die Bilder im Kopf, die Lisa Hendrix produziert, man kann sich mit der resoluten und doch gefühlvollen Alaida identifizieren, man kann mit Ivar und seinen Freunden mitleiden. Sämtliche Dialoge sind treffend, haben feinen Wortwitz und passen zu den Figuren. Die Liebesszenen fand ich sehr romantisch, ganz zurückhaltend und harmonisch in das Ganze eingefügt. Überhaupt hat es die Autorin glänzend geschafft, dass man die 400 Seiten in einem Rutsch durchlesen kann, ohne sich an irgendeiner Stelle zu langweilen. Das Ende hat mich sehr berührt, da musste ich auch kurz blinzeln... Welches andere Buch hat das zuvor geschafft? Ach ja, Dante Valentine - und das ist schon Jahre her.
Insgesamt war ich ehrlich begeistert von diesem Buch, es hinterlässt bei mir eine wunderbare, zufriedene Stimmung, es hat etwas Beruhigendes. Einfach toll, der nächste Band ist schon so gut wie gekauft.

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Nachtkrieger

Unsterbliche Liebe
Ewige Begierde

Leseprobe

Was meint ihr dazu:

» neuer Eintrag

Armitage, 07. Mai 2011, 11:26

ja, ich muss sagen, hier war ich selbst überrascht, wie perfekt mich dieses Buch unterhalten hat. Romantic Fantasy lese ich eigentlich nur "zur Abwechslung", meine Leidenschaft ist nach wie vor die Urban Fantasy.

Boo, 07. Mai 2011, 10:00

Wow, ich hätte ehrlich gesagt nicht mit so einer guten Bewertung für Nachtkrieger gerechnet, zumal zuletzt noch die Rede von Übersättigung an Romantic Fantasy war.
Es gibt ja nur wenig, dass meinen inneren Romantiker so effektiv hervorlocken könnte, wie eine Liebesgeschichte, bei der sich die Protagonisten ersteinmal annähern müssen und nicht gleich nach der ersten Begegnung wissen, dass sie die ganz große, unsterblich und vom Schicksal gewollte Liebe vor sich haben >_> Liebe auf den ersten Blick wird so überbewertet.
Also Lisa Hendrix hatte ich jetzt nicht wirklich auf dem Radar, aber mit deiner Rezi hast du mich echt zum Überlegen gebracht ...