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Carrie Vaughn



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Midnight Hour - Die Stunde der Vampire
von Carrie Vaughn

auf Deutsch erschienen im März 09 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 12,00

ISBN: 3453524888
EAN: 9783453524880
Übersetzt von Ute Brammertz

Leseprobe

»Wir haben Beth aus Tampa in der Leitung. Hallo.«
»Hi Kitty, danke, dass du meinen Anruf entgegennimmst.«
»Gern geschehen.«
»Ich habe da eine Frage, die ich dir schon lange stellen wollte. Glaubst du, Dracula ist immer noch da draußen?«
Ich stützte mich auf die Armlehne meines Sessels und starrte das Mikrofon an. »Dracula. Du meinst das Buch? Die Romanfigur?«
Beth aus Tampa klang fröhlich und als ob es ihr voller Ernst wäre. »Ja. Ich meine, er muss der bekannteste Vampir sein, den es je gegeben hat. Und weil er so mächtig gewesen ist, kann ich einfach nicht glauben, dass Van Helsing und die ganzen anderen ihm einfach den Garaus gemacht haben.«
Ich versuchte, höflich zu sein. »Das haben sie aber. Es ist nur ein Buch, Beth. Literatur. Es handelt sich um Romanfiguren.«
»Aber du sitzt da Woche für Woche und erzählst allen, dass Vampire und Werwölfe echt sind. So ein Buch muss doch auf wahren Begebenheiten beruhen. Vielleicht war sein Name nicht wirklich Dracula, aber Bram Stoker musste sicher einen echten Vampir als Vorbild gehabt haben, meinst du nicht? Fragst du dich nicht, wer das gewesen sein mag?«
Vielleicht war Stoker einem echten Vampir begegnet, hatte Dracula vielleicht sogar diesem nachempfunden. Doch wenn es diesen Vampir immer noch geben sollte, hegte ich den Verdacht, dass er sich vor Scham unauffindbar verkrochen hatte.
»Selbst wenn es ein echtes Vorbild geben sollte, das Stoker inspiriert hat, sind die Ereignisse in dem Buch völlig frei erfunden. Das behaupte ich, weil es in Dracula gar nicht wirklich um Vampire geht oder die Jagd auf sie oder um Untote oder dergleichen. Es behandelt viele andere Dinge: Sexualität, Religion, umgekehrten Imperialismus und Fremdenfeindlichkeit. Doch worum es wirklich geht, ist die Rettung der Welt mithilfe überlegener Bürotechnologie.« Ich wartete einen halben Herzschlag, um meine Worte wirken zu lassen. Wie ich dieses ganze Zeug liebte! »Denk doch mal darüber nach. Sie machen so viel Aufhebens um ihre Schreibmaschinen, Phonographen, die Stenografie - das Buch ist quasi der Technothriller seiner Zeit gewesen. Am Ende lösen sie alles, weil Mina richtig gut darin ist, Daten zusammenzustellen und miteinander abzugleichen. Was meinst du?«
»Äh ... ich glaube, das ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt.«
»Hast du das Buch überhaupt gelesen?«
»Ähm, nö. Aber ich habe mir jede Verfilmung angesehen!«, fügte sie munter hinzu, als würde sie das retten.
Ich musste ein Knurren unterdrücken. »Na schön. Welche gefällt dir am besten?«
»Die mit Keanu Reeves!«
»Warum überrascht mich das nicht?« Ich warf sie aus der Leitung.

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WerwolfVampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi
Nachdem ihr bester Freund T.J. getötet und Kitty aus dem Rudel geworfen wurde, reist sie ohne feste Bleibe durch das Land und sendet ihre Midnight Hour immer von einer anderen Station aus. Dann erhält sie jedoch die Nachricht, dass sie zu einer Senatsanhörung nach Washington D.C. vorgeladen werden soll. Hierbei geht es um eine Untersuchung des Senats zu Vampiren und Werwölfen, deren Existenz ja erst kürzlich durch einen öffentlichen Auftritt des Wissenschaftlers Dr. Flemming bekannt gemacht wurde. Anscheinend hatte sich Kitty durch ihre Radiomoderation den Status einer fachlich gebildeten Kraft erkämpft und soll nun Stellung beziehen. Also reist sie etwas verwirrt in die Hauptstadt, aber nicht ohne ihren Anwalt um Hilfe zu bitten. In Washington wird sie sofort gestoppt und quasi gezwungen, die Gastfreundschaft der dortigen Vampirkönigin Alette in Anspruch zu nehmen. Alette versucht Kitty davon zu überzeugen, dass die hiesige Werwolf- und Lykanthropenszene gefährlich und chaotisch ist. Doch Kitty traut Alette nicht und als sie sich selbst ein Bild davon machen will, ist sie begeistert von dem Liberalismus, der dort herrscht. Im Werleoparden Luis findet sie sogar einen heißen Flirt. Als dann die Anhörung beginnt, bleibt Kitty zuerst im Hintergrund, wird aber bereits erkannt und von Reportern umringt. Auch das "Medium" Jeffrey wird auf Kitty aufmerksam. Schlussendlich taucht auch noch der Werwolfjäger Cormac auf und zusammen geraten sie zu dem Schluss, dass an der ganzen Veranstaltung etwas faul sein muss. Auch dass der Sektenführer und selbsternannte Heilige Smith im Saal erscheint, trägt nicht zu Kittys Beruhigung bei. Sie muss etwas unternehmen um herauszufinden, was hier geplant wird und bringt sich in große Gefahr.

Stunde der Vampire ist nicht ganz so gut ausgefallen, wie ich mir gewünscht hatte. Nachdem Kitty ja gewaltsam aus ihrem Werwolfrudel geworfen wurde, führt sie ein Vagabunden-Leben, das ziemlich wenig Paranormales an sich hat. Dann beginnt die Sache mit der Senatsanhörung und die Geschichte kommt nur sehr zögerlich in Schwung. Es werden viele - meiner Meinung nach - seitenfüllende Pseudo-wissenschaftliche Gespräche geführt und viele Wege sind Sackgassen. Kitty quält sich ein wenig durch die Story und der Ansatz einer prickelnden Liebesgeschichte wird leider so gut wie gar nicht fortgeführt. Überhaupt kommt erst nach über zwei Dritteln des Buches mehr Spannung und vor allem Action auf. Vorher bleibt alles auf einer theoretischen Ebene und die unzähligen Dialoge können manchen Leser ermüden. Im ersten Band hat es mich gar nicht so gestört, dass Kitty vom Charakter her keine zweite Anita Blake ist. Doch ihre duckmäuserische, manchmal sehr passive Art, die jedoch vor unkontrollierten Aussetzern nicht Halt macht, gefällt mir leider immer weniger. Erst will sie sich verstecken, dann kommt aber durch die Anhörung ihr wahres Ich für die ganze Welt zum Vorschein und auf einmal kann man das als Karriereschub verstehen. Ein seltsamer Wandel, der irgendwie nicht zu Kitty gepasst hat. Ansonsten ist am nüchternen und faktenorientierten Schreibstil nichts auszusetzen, das Buch ist wunderschön aufgemacht und für 12 EUR bekommt man hochwertiges Papier und leicht lesbare Schrift. Leider bleibt Kitty Norville hinter Heldinnen wie Rachel Morgan, Mercedes Thompson und Anna Strong zurück. Ein wenig mehr Farbe und Schwung hätte nicht geschadet. Das Fehlen einer Liebesgeschichte stört mich nicht ganz so sehr, hatte man sich ja bereits darauf eingestellt. Aber es bleibt zu hoffen, dass sich Kitty im nächsten Band etwas unterhaltsamer präsentiert, sonst rutscht die Serie bald in den nichtssagenden Mainstream ab.

Fazit
Ganz annehmbarer zweiter Teil, dem es ein wenig an Tempo und Einfallsreichtum fehlt um ganz oben mitzuspielen.







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