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Nachtgeister von Rob Thurman erscheint auf Deutsch im Juni 2010 im Piper Verlag 400 Seiten, Taschenbuchformat Preis: EUR 9,95 ISBN-13: 9783492267342 ISBN-10: 3492267343 Übersetzt von Barbara Röhl |
Leseprobe
Die meisten
Kinder glauben nicht besonders lang an Märchen. Sobald sie sechs oder sieben
sind, packen sie Cinderella mitsamt ihrem Schuhfetisch, die drei kleinen Schweinchen
und deren Missachtung sämtlicher Bauvorschriften und den bösen Wolf in eine Kiste
und vergessen alles. Vielleicht muss das ja so sein. Um in der Welt zu überleben,
muss man Phantasiegespinste und Märchenwelten hinter sich lassen. Das einzige Problem
ist, dass nicht alles der Phantasie entsprungen ist. Einiges aus den Märchen ist
nur allzu wahr und viel zu real. Rotkäppchen existiert möglicherweise nicht,
der große böse Wolf aber schon. Schneewittchen auch nicht, aber ganz sicher
eine böse Königin. Es gibt keine niedlichen blonden Nervensägen, aber eine Hexe,
die Kinder frisst ... oh doch. Und ob. Unter uns leben Monster. Sie waren immer
da und werden es immer sein. Ich wusste das, seit ich denken konnte, genauso,
wie ich immer gewusst hatte, dass ich zu ihnen gehörte. Na ja, wenigstens zur Hälfte.
Und ganz egal, wie scheußlich mein Inneres durch meine Abstammung auch sein mochte,
von außen war ich vollkommen menschlich. Niko pflegte sogar und zwar ziemlich oft
- zu bemerken, ich hätte mehr menschliche Eigenschaften als gesunden Verstand. Und
er zögerte nie, mich daran zu erinnern, dass ich immer noch sein nichtsnutziger
kleiner Bruder war, egal was für schreckliche Probleme ich zu haben glaubte. Wenn
ich mich also selbst fertigmachen wollte, würde ich zuerst bei ihm anfangen müssen.
Niko war ein richtiger Pfadfinder - wenn auch mit einem Hang zur Gefahr und einem
Verdienstabzeichen im Kampf mit tödlichen Waffen. Doch obwohl Niko so fasziniert
von allen scharfen und spitzen Gegenständen war, floss in seinen Adern kein Tropfen
Dämonenblut. Natürlich konnte man seinen Vater meiner Ansicht nach kaum als menschlich
bezeichnen, aber rein technisch erfüllte er die Anforderungen. Wertloser Bastard.
Niko hatte ihn nie kennengelernt - zumindest nicht wirklich. Er war zwei Wochen
alt gewesen, als sein guter alter Dad sich davongemacht hatte. Ich bin mir
nicht sicher, ob das zählt. Angewandte Pädagogik im Alltag. Zwei Wochen und
dann ab die Post. Verdammt, da hatte ich meinen Vater ja öfter gesehen. Ja, ich hatte meinen mindestens einmal pro Monat gesehen.
Das Wesen beobachtete mich. Aber es gab keine Vater-Sohn-Gespräche, keine Einla- dungen
zu den Monstercousins und -cousinen oder überhaupt irgendeine Art von Beziehung.
Da war nur ein Schatten in einer Gasse, während ich vorüberging. Oder vielleicht
eine geschmeidige Silhouette mit sehr, sehr scharfen Zähnen, die sich nachts an
mein Fenster schmiegte. Natürlich trug es kein Namensschild, auf dem »Dad« stand,
es gab auch keine Geburtstagsgeschenke für mich ab, deren Schleifen mit
unnatürlich langen, klauenbewehrten Fingern gebunden worden waren. Ich hatte keinerlei
Beweis dafür, dass er mein dämonischer Samenspender war, aber bitte! Wenn einem
die eigene Mutter ständig erzählt, man sei ein Freak, eine Abscheulichkeit, die
sie am besten auf billigen Badezimmerfliesen abgetrieben hätte, gibt einem das schon
zu denken ... Warum sonst sollte dieses Monster mich verfolgen? Lustig war, dass
dieses Ungeheuer mehr Interesse an mir zeigte, als meine Mutter je aufgebracht
hatte. |
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Schund mehr geht so lesenswert schlecht als recht |
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| Urban Fantasy | |||
| Praktisch ihr ganzes
Leben sind die Brüder Caliban, gennant Cal und Niko Leandros schon
auf der Flucht. Sie ziehen von Stadt zu Stadt und flüchten vor den
Grendels, bösartigen Dunkelelfen (Auphe), die es auf Cal abgesehen
haben. Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: Ihre Mutter, eine
versoffene Zigeunerin und Wahrsagerin, hat Cal von einem Dunkelelfen
empfangen und somit einen einmaligen Mischling produziert, der für
die Auphe von größter Wichtigkeit ist. Unerbittlich
verfolgen sie Cal und einmal gelang es ihnen auch, ihn in ihre
Parallelwelt zu entführen. Cal hat keine Erinnerung mehr daran,
doch er weiß, dass in ihm latent ein Monster steckt. Schon immer
hat sich Cal ganz auf die Führung durch seinen kampferprobten und
absolut zivilisierten Bruder Niko verlassen, und dieser ist es auch,
der zum Aufbruch weg aus der riesigen Stadt New York drängt. Ein
Grendel ist gesichtet worden, das bedeutet für beide weiter
fliehen, zum nächsten Ort. Doch Cal ist es leid, immer davon zu
laufen, er will endlich ein zu Hause. Als die beiden auf der Suche nach
einem Fahrzeug an den Jahrtausende alten Puck Robin Goodfellow geraten,
scheinen sie einen Bundesgenossen gefunden zu haben. Auch die junge
Wahrsagerin Georgie steht auf der Seite der Brüder. Aber
können sie gegen die Grendels gewinnen? Bei diesem Buch hatte ich so überhaupt keine Vorstellung, was mich erwartet und wurde auch aus dem Klappentext nicht wirklich schlau. Mein Tipp: vergesst ihn einfach, die Jungs sind nicht "heiß", es gibt keine Liebesszenen mit sexy Vampirinnen und die Wahrsagerin Georgie spielt keine tragende Rolle bei Cals Rettung. Zuerst fällt der außergewöhnlich zynische, etwas kühl distanzierte Schreibstil auf, der zu zähen Monolog-Passagen neigt, die vor Sarkasmus und Ironie nur so trotzen. Anfänglich war ich davon etwas irritiert bzw. abgeschreckt, man gewöhnt sich aber schnell daran. Die gesamte Geschichte ist aus der ich-Perspektive von Cal geschildert und das ändert sich auch nicht, als er später - Achtung Spoiler - auf die Seite des Bösen wechselt. Dieser außergewöhnliche Aspekt wurde von der Autorin glänzend gelöst und bringt ab der Hälfte des Buches Tempo und Originalität. Generell konzentriert sich das Buch sehr auf seine beiden Hauptcharaktere Niko und Cal. Beide werden in allen Einzelheiten dargestellt, mit zahlreichen Rückblicken und vielen, vielen Dialogen, die von Cals Seite oftmals überaus zynisch sind. Weibliche Personen kommen so gut wie überhaupt nicht vor. Rob Thurman nimmt sich viel Zeit, ihre Protagonisten zu entwickeln, bewegt sie in ihrer paranormalen Welt, die vor den Menschen komplett verborgen bleibt. Ein riesiger Troll im Central Park, Werwölfe, Auphe, sie alle bewegen sich unentdeckt und sind größtenteils feindselig. Hier gibt es keine romantisierte oder beschönigte Ansicht paranormaler Kreaturen, häufig stellt die Autorin sie sogar als monströs, blutrünstig und absolut menschenfeindlich dar. Cal selbst hat sehr große Probleme mit seinem Dasein als Halb-Monster und dieser Konflikt wird detailreich in eindringlichen Gesprächen mit seinem großen Bruder ausgebreitet. Mit viel Geschick kann die Autorin die Feinheiten in Nikos unc Cals Ansichten herausarbeiten und man fühlt sich leicht in ihre gut durchdachte Welt versetzt. Nachtgeister ist absolut kein Liebesroman sondern pure Urban Fantasy. Ein stilistisch eigenwilliger, interessanter Ansatz mit ungewöhnlicher Erzähltechnik und klarem, langsam ansteigenden Spannungsbogen. Auf eine durchweg düstere, negativ angehauchte Atmosphäre wurde sehr viel Wert gelegt. Erfrischenderweise sind die "Bösen" nicht dümmlich und vorhersehbar, sondern verschlagen, gemein und mächtig. Leider war mir der Roman letzten Endes doch ein wenig zu emotionsarm und sarkastisch. Ich weiß, dass unter Geschwistern oft Kabbelei an der Tagesordnung ist, doch Cal benimmt sich häufig sehr bockig und macht seinem disziplinierten Bruder, der nur Cals Wohl im Sinn hat, das Leben schwer. Nichtsdestotrotz war es ein packendes Leseerlebnis und die Serie könnte sich gut weiter entwickeln. Absolut fantastisch finde ich übrigens, dass sich der Piper Verlag immer ziemlich - oder ganz - genau an die Covervorlage des Originals hält! Fazit Spannender Urban Fantasy Roman voll beißender Ironie und gefährlichen, düsteren Kreaturen. |
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Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Originalität Preis Aufmachung |
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