Seit Wochen finden die
Jägerin Jill Kismet und ihr Partner, der Werpuma Saul, keine
freie
Minute mehr, es scheint, als würde die Stadt Santa Luz
ständig vom Bösen bedroht. Und Jill ist wild
entschlossen,
ihr Territorium gegen alle Angreifer zu verteidigen. Dafür
nimmt
sie auch die regelmäßigen Treffen mit der
Höllenbrut
Perikles in Kauf, denn ein Vertrag mit ihm verleiht ihr
übermenschliche Kräfte. Eines Tages wird Jills Hilfe
bei der
Aufklärung eines brutalen Mordes an einer jungen
Prostituierten
erbeten. Am Tatort wird ihr sofort klar, dass ein grausames Wesen diese
junge Frau angefallen und verstümmelt haben muss. Auch Saul
wittert eine unbekannte, maßlose Gefahr und schneller als sie
handeln kann, wird Jill selbst zum Angriffsziel jener
tödlichen
Kreatur. Eine lebensbedrohliche Jagd beginnt, in der Jill zuerst im
Rotlichtmilieu ihrer Stadt nach Zeugen und Hinweisen sucht, bald aber
auf die Spur der Sorrow kommt, jener mächtigen Kreaturen, von
denen auch einst eine ihren geliebten Meister Michael ermordete.
Im
zweiten Teil
der Serie werden Jill und Saul in eine Mordserie von ungekannter
Brutalität und Blutrünstigkeit verwickelt. Im gewohnt
rasanten und eigenwilligen Stil katapultiert Lilith Saintcrow ihre
Heldin in ein Abenteuer ohne Gnade und Atempause. Wer zuvor Dante
Valentine gelesen hat, wird immer mehr Parallelen entdecken: Jill ist
ebenso hart, kampferprobt und immer für das Gute. In ihrer
Vergangenheit hat sie nicht viel Glück gehabt und mit
Gefühlen tut sie sich schwer. Sie hat eine Art Religion
für
sich gefunden und geht immer bis an ihre absoluten
körperlichen
Grenzen um für die Unschuldigen zu kämpfen. Als
absoluter Fan
von Dante Valentine begegne ich nun Jill Kismet mit gemischten
Gefühlen: einerseits ist es ein unterhaltsames
Déja-vu
Erlebnis, andererseits mag man eigentlich keinen Abklatsch einer
anderen Serie lesen. Etwas schade ist es, dass sich die Autorin so sehr
auf das funkionierende Dante-Valentine-Format verlässt und
wenig
Mut zeigt, ihre Hauptfigur anders zu entwickeln. Beim
männlichen
Pendant zu Japhrimel hat die Autorin das bei Jill Kismet allerdings
eher probiert: Saul ist keine geheimnisvoll-kühle Macht wie
Japhrimel, er lange nicht den Reiz, den der verschlossene
Dämon
auf mich ausgeübt hat. Er stellt die weiche,
beschützende
Seite der Beziehung dar und gibt der wild umherschlagenden Jill Halt.
So angenehm das sein mag, so sehr muss man aufpassen, dass es
interessant bleibt. Der Ansatz einer Dreiecksbeziehung zwischen dem
Dämon Perikles, Saul und Jill ist meiner Meinung schlecht
ausgeführt und obwohl Perikles oft genug betont, dass Jill
sein
Eigentum wäre, bietet er emotional überhaupt keine
Konkurrenz
zu Saul. Also ist es nicht die Beziehungsgeschichte, die Schattenjagd
interessant macht. Es ist eher der atmosphärische Schreibstil
mit
vielen detailverliebten Passagen, die kurzen, groben Dialoge und die
höllische Action.
Man sollte nicht vor expliziter Gewaltdarstellung
zurückschrecken
und sich von vorneherein darauf einlassen, dass den Charakteren neben
all den Kampfszenen nicht viel Platz zur Interaktion gegeben wird.
Leider hat mir für so einen Action-orientierten Urban Fantasy
Roman ein wenig die Originalität gefehlt. Wenn man sich schon
nicht auf die Romantik verlegt, sollten die Feindfiguren und die
Handlung präzise ausgefeilt und voller Überraschungen
sein.
Bei Dante Valentine ist der Autorin das glänzend gelungen. Bei
Jill Kismet, bzw. im Teil Schattenjagd, konnten mich weder die
Antagonisten noch die Nebenfiguren auf der Seite der Guten
überzeugen oder gar überraschen. Einzig die
Konstellation
Perikles-Jill bietet noch ein wenig Potential und wird auch deutlich im
Unklaren gelassen.
Sicher ist Schattenjagd ein spannender Thriller voller paranormaler
Kreaturen, doch für den nächsten Teil würde
ich mir ein
wenig mehr Kreativität wünschen.
Fazit
Solider zweiter Band, bietet allerdings nicht viel Neues.
|