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Lilith Saintcrow

Jill Kismet: Dämonenmal
von Lilith Saintcrow

erscheint auf Deutsch im April 2010 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

übersetzt von Nadine Mannchen
ISBN-13: 9783802583063
ISBN-10: 380258306X



Leseprobe

Jede Stadt hat ihren Herzschlag. Man muss nur wissen, wo man ihn fühlen kann – wo er pulsiert, wenn die Sonne aus dem Himmel blutet und die Nacht aufzieht, um die Sünde unter ihrem Mantel zu verbergen. Ich kauerte mich am Rand eines Daches nieder. Mein schwerer Ledermantel hing hinter mir wie ein Anker. In vollkommener Stille hockte ich da und wartete. Aus der kühler werdenden Wüste stieg wie aus einem Backofen heißer Wind auf, der meinen Körper umwaberte. Die Narbe an meinem rechten Handgelenk pochte unter dem breiten, aufklappbaren Kupferarmband wie ein glühendes Geschwür. Ich hatte das Schmuck- stück extra anfertigen lassen, doch allmählich rostete das Metall, verfärbte sich grün und wurde dünner. Ich würde mir bald etwas anderes einfallen lassen müssen, um das Mal zu verbergen. Zu blöd, dass ich zwei linke Hände habe, wenn es um so filigrane Arbeiten geht. Und Galina waren die geweihten Kupfermanschetten ausgegangen. Die nächste Lieferung aus Nepal ließ leider noch auf sich warten. Unter mir lag eine trübe und widerliche Gasse. Hier am Rand des Barrio-Gettos gab es zahlreiche Verstecke für die dunklen Geschöpfe, die nach Einbruch der Nacht aus ihren Löchern kriechen. So weit draußen gehen die Werwesen nicht mehr auf Streife. Ihr eigener Abschnitt von wild zusammengewür- felten Straßen und Gassen rund um die Plaza Centro und ihre unzähligen Mietskasernen hält sie schon genug auf Trab. Das hier war Grenzgebiet – zwischen dem Revier einer neuen Jägerin und den Straßen, die die Wer-Truppen vorm Überbrodeln bewahrten. Und einige Ausgeburten der Hölle meinten, hier müssten sie sich nicht an die Regeln halten. Nicht in meiner Stadt, Compadres. Wenn ihr glaubt, ihr könnt Kismet auf der Nase herumtanzen, weil sie erst seit einem halben Jahr auf eigenen Beinen steht, habt ihr euch gewaltig geirrt. Auf einmal bekam ich im rechten Schenkel einen Krampf – ein gemeiner Schmerz, den ich einfach ignorierte. Seit drei Tagen hatte ich nicht mehr geschlafen, sondern mich nur von einem tödlichen Kampf in den nächsten gestürzt – der Abwechslung halber hatte ich mir zwischendurch den einen oder anderen Exorzismus gegönnt. Jedenfalls war mein Elektrolyt- Haushalt ein einziges Durcheinander. Ich fragte mich, ob Michail sich jemals so erschöpft gefühlt hatte, so ausgezehrt, dass selbst die Knochen müde waren. Der Gedanke an Michail tat weh. Ich packte den Griff meiner Peitsche fester, und das Leder knarzte unter meinen Fingern. Wieder meldete sich die Narbe, dieser verräterische Knoten, der quälend meine Korruptheit verkündete. Sachte, Milaya. Es bringt nichts, Lärm zu schlagen. Mit Ruhe und Geduld fängt man Mäuse. Ich hörte seine hingehauchten Worte, als stünde er direkt neben mir – mit seinen stechenden wintergrauen Augen unter dem schlohweißen Haarschopf.


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scifiDämonWerwolfVampire
Urban Fantasy
Von ihrem verstorbenen Meister Michail hat Jill Kismet die schwere Aufgabe übernommen, ihre Heimatstadt als Jägerin vor den Bedrohungen durch die Höllenbrut, Werwesen und sonstigen Paranormalen Kreaturen zu beschützen. Als sensible Einzelgängerin mit einer schweren Kindheit leidet Jill unter dem Verlust der einzigen Vertrauensperson in ihrem Leben und stürzt sich todesmutig in ihre Arbeit. Durch einen Pakt mit der Höllenbrut Perikles verfügt Jill über dämonisch verstärkte Kräfte und kann die meisten ihrer Gegner mühelos bekämpfen. Leider beinhaltet der Vertrag mit Perikles, dass sie ihm als Gegenleistung jeden Monat ein paar Stunden Zeit opfern muss, in denen er permanent versucht, sie zu verderben und auf seine Seite zu ziehen. Eines Tages dann erhält Jill die schockierende Nachricht, dass fünf Polizisten grausam ermordet aufgefunden wurden. Die Spur führt zu noch mehr Leichen, alle brutal zerfetzt, was auf das Werk eines außer Kontrolle geratenen Werwesens hinweist. Doch Jill wittert auch Höllenbrut an den Tatorten. Sie ist verwirrt, denn welches Wesen kann eine Kombination aus beiden sein? Bei ihren Ermittlungen kommen ihr auch die Werwesen zu Hilfe und unter ihnen ist der attraktive Werpuma Saul. Von Beginn an fühlt sich Jill zu ihm hingezogen, doch kann sie sich in ihrem höllischen Job überhaupt Gefühle leisten?

Wer Dante Valentine liebt, wird auch Jill Kismet mögen. Dämonenmal ist der Auftakt zu einer weiteren, actionreichen Serie von Lilith Saintcrow, die ihre Heldin ähnlich wie Dante mit großen, dämonischen Kräften und einem ausgeprägten Hang zu Waffen und Talismanen ausstattet. Das Buch präsentiert sich als einwandfrei aufgesetzter, spannender und blutiger Thriller aus der ich-Perspektive der mutigen, starrköpfigen und unerschöpflichen Jill Kismet. Mit zahlreichen Rückblicken und Monologen gibt es für den Leser ausreichend Zeit, sich mit Jill zu beschäftigen, mehr über ihre traumatische Vergangenheit und ihren Werdegang als Jägerin zu erfahren. Diese Infos werden immer wieder eingestreut und lockern die ansonsten straffe Handlung etwas auf. Hauptaugenmerk ist nach wie vor die Suche nach dem Mörder, der in Jills Stadt wütet, doch es wäre kein Lilith Saintcrow Roman, wenn nicht im Hintergrund immer noch mehrere, teils versteckte Handlungen parallel laufen würden. Die Tatsache, dass Jill ein Abkommen mit dem Dämon Perikles geschlossen hat, beinhaltet mehr Verwicklugnen und Intrigen, als der Leser erahnen kann und auch die sich andeutende Romanze mit dem Werpuma Saul hat noch einiges an Entwicklungspotenzial.
Was mir jedoch immer noch am besten gefällt, ist der einzigartige, schillernde und originelle Schreibstil, der sowohl Sinn fürs Detail zeigt als auch das gesunde Tempo der Handlung immer im Auge behält. Mit ihrem Hang zu Metaphern und ungewöhnlichen Satzkonstruktionen schafft die Autorin eine besondere Atmospähre, die durch kurze, prägnante Dialoge aufgelockert wird. Manchmal scheint alles wie in Zeitlupe abzulaufen, dann folgt wieder ein harter Szenenwechsel bzw. Zeitsprung. Insgesamt kann man angesichts dieses Lesevergnügens auch über ein paar Ticks hinwegsehen: Schmuck und Narben scheinen eine übergeordnete Rolle im Leben der Autorin zu spielen, denn jede auch noch so kleine Veränderung oder Bewegung wird dokumentiert; die Heldinnen ihrer Bücher leiden unter chronischem Schlaf- und Nahrungsmangel, ohne jedoch dadurch in ihrer mächtigen Kampfkraft eingeschränkt zu sein; und irgendwie scheinen sowohl Jill als auch Dante Valentine unter einem trauma-bedingten Verfolgungs- und Misstrauenswahn zu leiden, der jede noch so harmlose Person in einen potentiellen Feind verwandelt. Die Ruhelosigkeit, die damit in die Handlung kommt, ist sicher nicht jedermanns Sache. Jill macht es sich eben nicht leicht, weder mit ihren Freunden, noch mit möglichen Liebhabern. Man ist es gewohnt, dass bei Lilith Saintcrow nicht alles glatt läuft und genau das ist es, was ihre Romane in meinen Augen besonders interessant macht. Also warten wir gespannt auf den nächsten Teil - im Übrigen finde ich das Cover des Lyx Verlages fantastisch.

Fazit
Spannungs- und actiongeladener Serienauftakt mit einer starken Heldin.


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