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Originaltitel


Jaz Parks in... Ein Vampir ist nicht genug
von Jennifer Rardin

erscheint auf Deutsch im August 2009 im Blanvalet Verlag
370 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN-10: 3453533119
ISBN-13: 978-3453533110

übersetzt von Charlotte Lungstrass


Leseprobe

Angst ist Bockmist. Denn man weiß nie, wann sie einen überfällt. Manchmal schleicht sie sich von hinten an, kichernd wie deine beste Freundin aus der siebten Klasse. Dann zieht sie dir eins über den Hinterkopf und zwingt dich in die Knie, bevor du überhaupt realisieren kannst, was dich da erwischt hat. In anderen Fällen sieht man sie kommen, wie einen kleinen Punkt am Horizont, aber man sitzt in der Falle wie ein Kanarienvogel in seinem Käfig. Alles, was man dann noch tun kann, ist, sich festzuhalten und zu hoffen, dass man nicht seekrank wird und die alten Zeitungen vollkotzt. Als ich auf dem einsamen hölzernen Klappstuhl saß, den mein Boss Pete in seinem Büro für Besucher bereithielt, war mir schon ziemlich mulmig. Eigentlich hatte ich in der ganzen Zeit, seit ich für ihn arbeitete, noch nie solche Angst gehabt. Noch nicht einmal als ich, ungefähr zehn Stunden nach Beginn meiner ersten Mission, in mein Hotelzimmer kam und dort neben meinem Bett einen Vampir vorfand, der eine Armbrust in der Hand hielt. Meine Armbrust. Die, mit der ich ihn hatte eliminieren wollen.
Anders als in dieser Situation war das hier kein Fall, in dem ich einfach gehen und es später noch einmal versuchen konnte. Oder, wie es in Wirklichkeit der Fall gewesen war, ihn mit beiden Füßen ins Gesicht treten, damit er aus dem Gleichgewicht geriet, ihm mit der 38 er, die ich zur Sicherheit unter meinem Rock trug, die Kniescheiben wegblasen und ihn dann mit der Armbrust erledigen, die er fallen gelassen hatte, als seine Knochen brachen. In diesem Fall hier war ich gezwungen, absolut still zu sitzen und zu versuchen, nicht auf die streng geheimen Akten zu kotzen, die in zwei und stellenweise sogar drei ordentlichen Reihen Petes grünen Metallschreibtisch bedeckten. Denn obwohl ich jede Mission, auf die er mich bisher geschickt hatte, erfolgreich abgeschlossen hatte, würde Pete mich gleich hochkant rausschmeißen.
Es gab einfach keine andere Erklärung für diese Einbestellung. Der Mann, der für seinen Geiz berühmt war, hatte mich um drei Uhr morgens von Ohio aus in London angerufen, nur um mich darüber zu informieren, dass ich mir ein Erste-Klasse-Ticket zurück ins Hauptquartier besorgen solle, sobald ich meinen Auftrag erledigt hätte. Wahrscheinlich studierte er gerade die entsprechende Quittung, zusammen mit all den anderen Ausgaben von meinem letzten Auslandsaufenthalt. Er fuhr sich mit der Hand über die drei verbliebenen Haare auf seinem ansonsten kahlen Schädel, so dass sie zu Berge standen, während er konzentriert in der aufgeschlagenen Akte las, die vor ihm lag. Ich hielt es nicht länger aus. Man erträgt es nur eine begrenzte Zeit, kahle türkisfarbene Wände, Reihen von schwarzen Metallaktenschränken und weiße Rollos anzustarren, die nie geöffnet wurden (was auch die tote Pflanze erklärte, die auf dem Tisch am Fenster stand). Mit einem alarmierenden Quietschen des Stuhls beugte ich mich vor. Kein Zweifel, ich bin das einzige Objekt in diesem Büro, das jünger ist als fünfzig. Anhand meiner Klamotten wäre man allerdings nicht darauf gekommen.


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Vampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi
Eigentlich hatte Jaz erwartet, von ihrem Chef Pete gefeuert zu werden, da sie bei allen ihren Einsätzen stets Autos zerstört und für sonstige hohe Nebenkosten sorgt. Doch ganz im Gegenteil: er teilt sie für einen neuen Job ein und legt fest, dass sie ab sofort die Assistentin des 1744 in Rumänien geborenen Vampirs Vayl sein soll. Zuerst ist Jaz überhaupt nicht begeistert, da sie immer allein arbeitet, doch die Arbeit mit Vayl stellt sich als effizient und spannend heraus. Zusammen sollen sie einen komplexen Fall lösen, in den der wohlhabende Geschäftsmann Assan als auch der geheimnisvolle Großkriminelle "Raptor" verwickelt sind. Jaz und Vayl finden heraus, dass es jemanden hinter all dem geben muss, der ein Interesse daran hat, das gesamte amerikanische Volk mit einer bösartigen Seuche auszurotten bzw. zu unterjochen. Um dieses Ziel zu erreichen planen die "Bösen" einen mächtigen Dämon heraufzubeschwören, der die Seuche verbreiten soll. Bald merken Jaz und ihr Boss, dass dieser Auftrag gefährlicher ist, als erwartet, denn nur knapp entgehen sie mehreren Mordanschlägen. Dann taucht auch noch Vayls eigentlich verstorbene Ex-Frau auf und das Durcheinander ist perfekt. Und Jaz will sich eigentlich nur voll ihrem Job widmen, doch die Vergangenheit holt sie ein und sie muss sich Ereignissen stellen, die sich schon lange verdrängt hatte.

Gleich vorweg: irgendwelche Ankündigungen, die das Buch als eine flippige Vampirromanze beschreiben, liegen - was die Romanze betrifft - komplett daneben. Ein Vampir ist nicht genug ist der erste Teil einer rasanten, actionlastigen Serie, die ein ganz klein wenig schräg ist. Damit unterscheidet sie sich von Titeln von Patricia Briggs oder Carrie Vaughn. Vor allem liegt das an der Hauptperson Jasmine Parks, die eine sehr "interessante" Psyche hat. Geprägt durch mehrere traumatische Erlebnisse ist sie trotz ihrer physischen Stärken teils eine sehr instabile Person und manchmal kann man ihren Gedankengängen nicht so leicht folgen. Sicher gibt es einige Leser, die sich damit gar nicht anfreunden können und Jaz als Protagonistin nicht ganz akzeptieren. Wir liegen hier fern aller Rollenklischees und Jaz kann sich eher noch mit Dante Valentine vergleichen oder mit Kate Daniels. Ganz tough, unglaublich talentiert aber gesellschaftlich am Rande, emotional schwierig und von harter Vergangenheit geprägt. Jennifer Rardin schreibt frisch, modern und fast ein wenig "punkig". Sie treibt die Krimi-Geschichte ordentlich schnell voran und unterhält den Leser mit ihrem schrulligen Humor und flotten Sprüchen (vor allem von Jaz). Die Kombination Jaz - Vayl ist äußerst interessant und verspricht noch einige überraschende Momente. Vorerst aber konzentriert sie sich hauptsächlich auf die Lösung des Falls und macht nur kurze emotionale Abstecher in Jaz Vergangenheit und familiäre Verhältnisse. Man merkt, dass sich Jennifer Rardin noch einiges für die Folgebände aufsparen will. Insgesamt ist der Schreibstil aber erfreulich treffend und führt durch eine gut strukturierte, nicht vorhersehbare Story ohne Längen. Ein wenig schade fand ich, dass es so gar keine Liebesromaninhalte gab. Es hätte der Geschichte sicher nicht geschadet, wenn Jaz und Vayl sich näher gekommen wären. Aber dafür ist ja immer noch Zeit. Es bleibt noch zu sagen, dass das Buch trotz humoriger Stellen und lockerer Alltagssprache keine "leichte" Lektüre ist. Man muss sich schon konzentrieren um den komplexen Machenschaften der Verschwörer zu folgen und am Ende auch durchzublicken wer genau welche Rolle gespielt hat und noch spielen wird. Das Bonus-Interview am Ende des Buches gibt schon einen kleinen Ausblick auf den nächsten Teil.

Fazit
Unterhaltsamer, paranormaler Krimi mit einer freakigen Heldin und viel Potential für die nächsten Teile.














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