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Nicole Peeler



Nachtstürme

von Nicole Peeler



erscheint auf Deutsch im Dezember 2010 im Heyne Verlag
430 Seiten, Taschenbuchformat



Preis: EUR 8,99

ISBN: 978-3-453-52776-8
Übersetzt von Carolin Müller


Leseprobe



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Vampire

Romantic Fantasy

Jane True lebt zusammen mit ihrem Vater in dem kleinen, verschlafenen Städtchen Rockabill. Ihre Mutter hat die Familie verlassen als Jane sechs Jahre alt war und nicht nur deswegen fühlt sie sich oft bedrückt und traurig. Durch einen tragischen Unfall kam vor einiger Zeit ihre Jugendliebe ums Leben und in Rockabill wird Jane größtenteils gemieden. Die Tatsache, dass ihre Mutter urplötzlich und geheimnisvoll verschwand - so wie sie auch aufgetaucht war - tut Janes Ruf auch nicht gut. Trotzdem schlägt sie sich durch, hat einen Job in einem Buchladen und kümmert sich um ihren Vater. Ihre Leidenschaft fürs Schwimmen und das Meer versucht sie möglichst geheim zu halten. Eines Nachts jedoch stößt sie auf eine Leiche im Ozean und bringt diese ratlos an den Strand. Bald darauf gerät ihr Leben komplett durcheinander, als sie die Zwergin Nell trifft, die Jane eröffnet, dass sie zur Hälfte ein übersinnliches Wesen - nämlich eine Selkie - sei. Jane kann es erst gar nicht glauben, doch nach und nach taucht sie in die neue Welt der "Anderen" ein, von denen es selbst in Rockabill einige gibt. In dem Mordfall ermittelt der attraktive und weltgewandte Ryu, dessen unwiderstehlicher Anziehungskraft sich Jane von Beginn an kaum entziehen kann.

Das hübsche Cover und der flippige Klappentext haben mich verleitet, dieses Buch zu kaufen. Im übrigen hat das Original gar nicht mal so schlechte Kritiken bekommen. Leider konnte ich "Nachtstürme" überhaupt nichts abgewinnen. Es gibt nicht eine Person, nicht ein Handlungselement, nicht ein stilistisches Mittel, das mir gefallen hätte.
Zuerst lernen wir die von Schicksalsschlägen eingeschüchterte, ständig Selbstgespräche führende Jane True kennen, die eigentlich nur aus Schuldgefühlen besteht. Strukturlos und ellenlang ausgedehnt hören wir von ihrer schlimmen Kindheit und ich stolperte schon zu Beginn über unmögliche Metaphern und unpassende Anlehnungen an Popkultur. Sprachlich ist der Roman eine mittlere Katastrophe. Einige Stilblüten:

"Ich mag dich, Jane. Nicht trotz deiner Geschichte, sondern genau deswegen. Und da ist noch etwas, etwas, das du, glaube ich, wissen solltest..." Ryu legte eine dramatische Pause ein und ich hob erwartungsvoll den Kopf und sah ihm in die Augen. "Ich steh auf Brüste. Und du, meine Süße, bist unglaublich hübsch bestückt", sagte er und ich lief knallrot an und musste kichern.
Mit einem Bums, und das soll jetzt kein Wortspiel sein, hatte ich Jasons Andenken verraten [...]
(Jane ist im "übersinnlichen" Pool geschwommen) " Jetzt weiß ich auch, warum Leute Crack nehmen", sagte ich [...], ich habe mich immer gefragt, wer Crack nimmt. Ich meine ernsthaft, wer wacht bitte morgens auch und sagt sich: Hm, ich glaube, heute probiere ich mal Crack? Ich verstehe ja, wenn Leute andere Drogen nehmen. Aber Crack? Wer nimmt das Zeug schon?"


Generell ist dieses Buch eine Ansammlung von substanzlosem Geschwafel und nichtssagenden Oberflächlichkeiten. Die arme arme Jane hat bevor sie Ryu kennen gelernt hat, ewig keinen Sex gehabt und außerdem nichts Hübsches zum Anziehen. Wir erfahren genau, wie alt und unmodern ihre Klamotten sind und wie schrecklich sie sich vor "schmutzigen" Dingen fürchtet. Deswegen steckt sie sämtliche anstößigen Geschenke ihrer Arbeitskollegin ja auch in ihre "Schmuddelschublade". Aber als ihr Retter Ryu auftaucht, da scheint Janes Libido - die übrigens eine eigene, extrem nervige Stimme hat - zu explodieren und von nun an verwandelt sich Jane immer mehr in eine sexsüchtige, modegeile Tussi. Alle zu Beginn an gestarteten Handlungsstränge verebben in einem langweiligen Einheitsbrei aus völlig unerotischen Sexszenen (derer es viel zu viele gibt) und überdrehten Dialogen zwischen allen möglichen Figuren, die keinen interessieren. Nicole Peeler bemüht sich wohl, das Paranormale Element in ihrem Roman zu entwickeln und dem Leser nahe zu bringen, leider versagt sie bei mir damit kläglich. Ihre Selkies, Zwerge, Vampire (die eigentlich gar keine sind), Gnome, Elben, etc. sind grell-bunte, seelenlose Stereotypen ohne Charme und Wiedererkennungswert. Ab dem zweiten Drittel des Buches habe ich nur noch quergelesen und stellenweise ganze Seiten voller unwichtiger Beschreibungen von Makeup, Kleidung, Mobiliar usw. übersprungen.
Die Story ist so was von gänzlich ohne Tiefgang oder Komplexität, dass man sie wahrscheinlich noch in volltrunkenem Zustand für zu seicht einstufen würde. Alle Ansätze, Jane Format und Individualität zu verleihen, werden durch die komplett platte Handlung und Janes wirres, billiges Verhalten zunichte gemacht. Niemand glaubt ihr, dass sie unter dem Tod ihres Exfreundes wirklich leidet, niemand nimmt ihr ab, dass sie in Ryu verliebt ist, niemand glaubt überhaupt, dass sie zu irgendetwas DEFINITIVEM fähig ist. Noch nie ist mir so ein schlampig aufgemachter, verzettelter und liebloser Hauptcharakter untergekommen. Im Laufe des Buches wird Jane sogar noch oberflächlicher, zickiger, lüsterner und unerträglicher als am Anfang. Nur mit Mühe habe ich es bis zur letzten Seite geschafft und bin ehrlich gesagt froh, dass ich Jane und ihre Welt, die nur aus Vergleichen mit Star Wars, Pretty Woman, Sex and the City und diversen Songtexten besteht, hinter mir lassen kann. Gab es eine Liebesgeschichte? Wohl so am Rande. Gab es eine Krimihandlung? Kaum spürbar. Gab es Gefühle, Drama, Spannung, Erotik --- irgendwas? Leider in mikroskopisch geringem Ausmaß.

Fazit
Grässlich oberflächliche Geldverschwendung.

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Armitage, 23. Februar 2011, 18:44

@Soleil:
also die Fortsetzung ist gleich mal von meinem Wunschzettel geworfen worden, ich kann keine Zeile mehr von Jane True lesen.
@Pandora:
Ich bin mir absolut sicher, dass es auch Leser gibt, die von diesem Buch begeistert sind, die Geschmäcker sind dermaßen unterschiedlich. Sicher bin ich in meinen Bewertungen oft extrem, aber ich nehme kein Blatt vor den Mund bezüglich meiner Meinung :-D

Pandora, 20. Februar 2011, 19:08

Faszinierend, wie schlecht das Buch bei euch wegkommt. Ich war zwar auch nicht gerade hellauf begeistert, aber soo schlimm fand ich es nun auch nicht. *g*
Dass Jane in Ryu verliebt ist, davon war aber nie wirklich die Rede, sie gibt es ja auch selbst zu, dass das nicht der Fall ist. Es ist mehr eine Zweckgemeinschaft. Jeder hat seine eigene Motivation mit dem anderen ins Bett zu steigen. Als Liebesgeschichte habe ich das nie aufgefasst.
Was allerdings tatsächlich tödlich nervig war, war die allgemeine Dauererregtheit. Wozu eine Reihung von ausgeblendeten Sexszenen gut sein soll, habe ich nicht ganz verstanden.
Aber immer wieder interessant, wie verschieden da die Auffassungen sind.

Soleil, 20. Februar 2011, 17:10

Manchmal finde ich es schon etwas beängstigend, wie sehr wir uns manchmal in unseren Meinungen gleichen. ;)
Du warst sehr viel direkter als ich, aber ich unterschreibe das da oben alles. Darum war ich auch sehr verwundert von den positiven Meinungen sowohl zur Original- also auch zur deutschen Ausgabe.
Mich hat vor allem die Heldin genervt, absolut Charakterlos, lässt sich rumschubsen und die niveaulosen Gedanken konnte ich im letzten Drittel kaum noch ertragen. Die erotischen Szenen waren grässlich und da wäre weniger wesentlich mehr gewesen.
Wirst Du weiter lesen? ;)