Maxine Kiss ist
eine Jägerin, sie lebt das Erbe der
Dämonenwächterin
weiter, wie auch schon ihre Mutter und sämtliche weiblichen
Vorfahren zuvor. Zu Maxine gehören fünf
Dämonen, die
tagsüber als komplett bedeckende Tättowierungen auf
ihrer
Haut "schlafen" und sich des Nachts lösen um in den Schatten
herumzustreifen und Maxine im Kampf beizustehen. Bislang hat Maxine in
Einsamkeit gelebt um ihre Identität zu schützen, doch
eines
Tages, als sie eine Gegend in Seattle aufsucht, an der besonders viele
Dämonen die Grenze zwischen ihrer und der menschlichen Welt
überschreiten, trifft sie auf einen Mann, der gerade von
Dämonen angegriffen wird. Entgegen ihrer Vorsätze
rettet
Maxine den Mann und bringt ihn in Sicherheit. Mit scheinbar unfassbarer
Ruhe beobachtet der schwer auf eine Krücke gestützte
Grant,
wie Maxine's Tättowierungen sich in die kleinen
Dämonen
verwandeln. Obwohl es immer eine Gefahr ist, wenn andere zu viel
über sie wissen, kann Maxine dem Reiz nicht widerstehen, Grant
näher kennenzulernen und erkennt, dass auch er ein besonderes
Talent im Bezug auf Dämonen hat. Doch bei der Suche nach ihrer
wahren Bestimmung und im Kampf der Dämonen um die Herrschaft
über die Welt, in den Maxine unweigerlich verwickelt ist, kann
er
nicht eingreifen.
Der
erste Teil der
Chroniken der Jägerin besteht aus der einleitenden
Kurzgeschichte
(ca. 150 Seiten) "Jägerin Kiss" und dem Hauptteil
"Gefährtin
der Dämonen". Für das Verständnis des
letzteren ist die
Kurzgeschichte allerdings nicht unbedingt nötig, sie
beschreibt
eigentlich nur, wie sich Maxine und Grant kennenlernen. Trotzdem ist
sie der lesenswertere Teil des Buches.
Wer bereits die erschienenen Bände von Marjorie M. Lius Dirk
&
Steele Serie gelesen hat, kennt ihren ausschweifenden, exzentrischen,
teils poetischen, teils verwirrenden Schreibstil. In Gefährtin
der
Dämonen hat sie all diese stilistischen Merkmale jedoch derart
intensiviert, dass streckenweise das Verständnis der Handlung
davon beeinträchtigt wird. Versteht man in der Einleitung
Maxine
Kiss noch als eine durch ihr Erbe vorbestimmte Jägerin, die
die
Welt vor einfallenden Dämonen beschützen soll,
scheint sich
in der Haupthandlung noch viel mehr hinter allem zu verbergen. Die
angesetzte Gradlinigkeit der Handlung verliert sich bald
völlig in
unzähligen Andeutungen, angefangenen
Handlungssträngen und
undurchsichtigen Personen. Nicht dass ich eine undurchschaubare
Handlung mit komplexen Charakteren uninteressant fände - ganz
und
gar nicht; doch hier rutscht das Ganze meiner Meinung nach recht
schnell in eine chaotische Surrealität ab, die das Lesen nicht
nur
anstrengend macht sondern auch substanzlos bleibt.
Maxine ist zu Beginn die typische Einzelkämpferin, die ihre
wahren
Talente noch nicht ausgenutzt hat. Bald jedoch wird sie zum passiven
Spielball plötzlich auftretender Ereignisse von globaler
Wichtigkeit und kann mit ihrer Rolle als Retterin der Welt irgendwie
nichts anfangen. Ihr Sehnen nach einem ruhigen Leben mit Grant tritt in
den Hintergrund und die Anfangs schön romantische
Liebesgeschichte
wird gar nicht weiterverfolgt. Je mehr Maxine die Kontrolle verliert,
desto weniger gefiel mit die Geschichte. Ab Mitte des Romans trudelt
sie nur noch beinahe willenlos zwischen Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft und wirkt wie ein hilfloses Opfer ihres Erbes. Es scheinen auch
keine "normalen" Charaktere mehr um sie herum zu existieren, alles wird
unglaublich bedeutungsvoll, wichtig und natürlich geheim. Noch
nicht einmal ihre fünf kleinen Freunde helfen ihr, was sie
für mich zusehends unsympathischer machte. Maxines Leiden
scheint
kein Ende zu nehmen, ständig gibt es Angriffe auf ihren Geist
und Körper,
wird ihre Moral in Frage gestellt und das Leben ihrer Freunde bedroht.
Die erzwungene Ruhelosigkeit passt nicht mehr zu dem blumigen,
verschlungenen Schreibstil und es wird immer schwerer, dem Roten Faden
der Geschichte zu folgen. Bruchstückhaft werden Szenen ein-
und
ausgeblendet und man ahnt, dass Maxines Schicksal noch so einiges zu
bieten hat, doch leider versteckt sich ihre Greifbarkeit hinter
verworrenen Geheimnissen und kühlen Nebenfiguren.
Fans von M. Liu sollten einen Blick auf dieses Buch werfen,
Liebesromanleser bekommen hier nichts passendes.
Fazit
Kruder, futuristischer Urban Fantasy Roman mit einer geheimnisumwobenen
Heldin. Keine leichte Kost.
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