



Mira ist eigentlich
ganz zufrieden mit ihrer Stellung als Hüterin und Älteste der kleinen Vampirgruppe in Savannah, USA. Mit ihren 600 Jahren und der Begabung, das Feuer zu kontrollieren, hat sie genügend Erfahrung und Kampfkraft um dort Streitigkeiten zu schlichten und ein ruhiges Leben zu führen. Doch die Ruhe ist vorbei, als sie auf den Vampirjäger Danaus trifft. Schon immer versuchten die Menschen den Nachtwandlern zuleibe zu rücken, doch mit Danaus haben sie einen besonders starken Kämpfer rekrutiert. Mira kann nicht genau feststellen, was oder wer er tatsächlich ist, er scheint ein uraltes Wesen mit besonderen Kräften zu sein. Doch Danaus will Mira nicht töten, vielmehr sucht er sie auf, um ihre Hilfe im Krieg gegen die Naturi zu erbitten. Als Mira das Wort Naturi hört, erinnert sie sich mit Schrecken an die Zeit vor Jahrunderten, als der letzte Krieg der Nachtwandler gegen die Naturi stattfand. Es gelang damals, das Tor zwischen den Welten zu schließen und die Naturi zu verbannen. Als ihre Gefangene hatte Mira unvorstellbare Folter und Qualen erlitten, ihre Angst vor diesen Feenwesen sitzt tief. Doch um ihre Art zu schützen bleibt ihr nichts anderes übrig als zu handeln. Zusammen mit Danaus macht sie sich auf die Suche nach den Ältesten der Vampire, die entscheiden sollen, wie vorgegangen werden soll.Vielschichtig, düster und actionreich,
das ist die Welt von Mira der Feuermacherin. Nighwalker ist ein ganz klassischer Dark Urban Fantasy Roman, vergleichbar mit Ilona Andrews Stadt der Finsternis und Dante Valentine von Lilith Saintcrow. Da ich das Konzept "kampfstarke, unabhängige Frau stellt sich ihrem Schicksal und einem großen Krieg entgegen" sehr mag, hat mir auch Jocelynn Drake's Erstlingswerk ziemlich gut gefallen. Mira ist eine interessante Person mit vielen ungelüfteten Geheimnissen. Teils hat sie auch selbst Lücken in ihrer Selbstkenntnis. Trotz Ich-Erzählperspektive kommt durch die vielen Schichten in Miras Persönlichkeit keine Langeweile auf und man verfolgt gespannt, wie sie durch die Geschichte gejagt wird. Auch Danaus bietet noch so einiges an Entwicklungspotential und man darf gespannt sein, ob er und Mira sich am Ende tatsächlich gegenseitig umbringen oder doch andere Dinge tun...Ähnlich wie bei Ilona Andrews hat Jocelynn Drake hier eine etwas individuellere paranormale Welt geschaffen mit eigenen Begriffen wie Nachtwandler und Naturi, gefolgt von diversen komplexen Hierarchien, geschichtlichen Hintergründen und Abstechern in wissenschaftliches Gebiet. Was überraschend und auch positiv ist, ist die Horizonterweiterung über die USA hinaus. Meistens existiert der Rest der Welt ja gar nicht.. Hier kommt Mira ziemlich herum, reist nach Ägypten und England.
Insgesamt ist Nightwalker solide aufgemacht, bietet einiges an Spannung und viel - teils sehr blutige und brutale - Action. Einen Liebesroman hat man hier auf keinen Fall vor sich. Trotz allem reicht es nicht ganz, um an die Spitzenreiter des Genres ranzureichen. Ab und zu war mir die Erzählweise etwas zu nüchtern, zu emotionslos. Alle Handelnden sind sehr mächtig und ständig werden die Kräfte gemessen. Niemand vertraut niemandem, alle sind Feinde. Es kommt keine Minute Ruhe auf um sich mal zu unterhalten. Einerseits treibt das die Handlung voran, andererseits bleiben die Figuren so kalt und distanziert. Miras Umgang mit den Menschen, insbesondere mit ihren zwei "Engeln" hat mir überhaupt nicht gefallen, und sie hat eine sehr überhebliche, zickige Seite. Danaus ist ganz interessant, aber in seiner überquellenden Mächtigkeit fast schon göttlich und sehr sehr unnahbar. Das Szenario wirkt sehr clean, sehr aufgeräumt und einem strikten Muster folgend.



