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Jocelynn Drake

Jägerin der Nacht: Nightwalker
von Jocelynn Drake

erscheint auf Deutsch im November 2009 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten,Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

übersetzt von Antje Görnig
ISBN-10: 3802582519
ISBN-13: 978-3802582516


Leseprobe

In meinen über sechshundert Lebensjahren habe ich Königreiche entstehen und untergehen sehen, die Entdeckung neuer Länder und Völker und grausame Taten von Menschen, die selbst mir das Blut in den Adern gefrieren ließen. Doch ich muss sagen, von allen Jahrhunderten ist mir das einundzwanzigste bei weitem das liebste. Heutzutage können die Leute ihre Vergangenheit und ihr Erscheinungsbild abstreifen wie eine Schlange ihre Haut. Die Welt hat eine neue farbenprächtige Fassade erhalten, die einfach vor das alte Antlitz gesetzt wurde und Himmel und Erde verdeckt. Heute muss ich nicht mehr stundenlang von Dächern Ausschau halten und meinen Opfern in dunklen Gassen nachstellen. Verlorene Seelen sind inzwischen so zahlreich wie Gänseblümchen auf einer Wiese und warten nur darauf, von mir erlöst zu werden. Mit leerem Blick und gebrochenem Herzen sehen sie erwartungsvoll zu mir auf, als wäre ich ihr rettender Engel. Ich trete in ihr Leben und erlöse sie kurzerhand von einer Existenz, die kein Ziel und keine Bedeutung hat. Um die überwältigende Leere in ihrem Inneren zu überwinden, besinnen sich diese armen Menschen wieder auf das Primitive. In dunklen Ecken und geheimen Clubs reißen sie sich die Maske der Zivilisation vom Gesicht und feiern ein Fest für die Sinne. Im neuen Zeitalter der Dekadenz ertrinken diese Kreaturen förmlich in einer Flut von Empfindungen und schwelgen in neuen Geschmacksempfindungen und Gerüchen. Mein Favorit ist allerdings der Tastsinn. Ganz egal, wohin ichgehe, überall scheinen sich mir Hände entgegenzustrecken, die berühren, streicheln und liebkosen wollen. Nachdem wir uns jahrhundertelang von Kopf bis Fuß bedeckt haben, ist die Kleidung inzwischen zusammengeschrumpft und zu einer Art zweiter Haut geworden. Und ich habe noch nie ein Volk gesehen, das so fasziniert von Leder ist. Dieses wundervolle Material wird heute so vielseitig verarbeitet, dass es jeden Zentimeter des Körpers, wahlweise aber auch nur das Allernötigste bedecken kann. Als ich bei Sonnenuntergang erwachte, beschloss ich, eins meiner Lieblingslokale unweit des Flusses aufzusuchen. The Docks war ein Nachtclub, den man in einem alten, leer stehenden Gebäude eingerichtet hatte. Ich schlenderte durch die Straßen der Stadt und genoss die warme Sommerluft. Es war ein Freitagabend Ende Juli, und das ganze Viertel war voller Leben. Während ich mich zwischen den Menschentrauben hindurchschlängelte, die sich vor den Eingängen der zahlreichen Vergnügungsstätten bildeten, lauschte ich dem Klappern meiner Absätze auf dem rissigen, schmutzigen Gehsteig, wie es von den Backsteingebäuden links und rechts der Straße widerhallte.


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VampireDämonWerwolf
Urban Fantasy
Mira ist eigentlich ganz zufrieden mit ihrer Stellung als Hüterin und Älteste der kleinen Vampirgruppe in Savannah, USA. Mit ihren 600 Jahren und der Begabung, das Feuer zu kontrollieren, hat sie genügend Erfahrung und Kampfkraft um dort Streitigkeiten zu schlichten und ein ruhiges Leben zu führen. Doch die Ruhe ist vorbei, als sie auf den Vampirjäger Danaus trifft. Schon immer versuchten die Menschen den Nachtwandlern zuleibe zu rücken, doch mit Danaus haben sie einen besonders starken Kämpfer rekrutiert. Mira kann nicht genau feststellen, was oder wer er tatsächlich ist, er scheint ein uraltes Wesen mit besonderen Kräften zu sein. Doch Danaus will Mira nicht töten, vielmehr sucht er sie auf, um ihre Hilfe im Krieg gegen die Naturi zu erbitten. Als Mira das Wort Naturi hört, erinnert sie sich mit Schrecken an die Zeit vor Jahrunderten, als der letzte Krieg der Nachtwandler gegen die Naturi stattfand. Es gelang damals, das Tor zwischen den Welten zu schließen und die Naturi zu verbannen. Als ihre Gefangene hatte Mira unvorstellbare Folter und Qualen erlitten, ihre Angst vor diesen Feenwesen sitzt tief. Doch um ihre Art zu schützen bleibt ihr nichts anderes übrig als zu handeln. Zusammen mit Danaus macht sie sich auf die Suche nach den Ältesten der Vampire, die entscheiden sollen, wie vorgegangen werden soll.

Vielschichtig, düster und
actionreich, das ist die Welt von Mira der Feuermacherin. Nighwalker ist ein ganz klassischer Dark Urban Fantasy Roman, vergleichbar mit Ilona Andrews Stadt der Finsternis und Dante Valentine von Lilith Saintcrow. Da ich das Konzept "kampfstarke, unabhängige Frau stellt sich ihrem Schicksal und einem großen Krieg entgegen" sehr mag, hat mir auch Jocelynn Drake's Erstlingswerk ziemlich gut gefallen. Mira ist eine interessante Person mit vielen ungelüfteten Geheimnissen. Teils hat sie auch selbst Lücken in ihrer Selbstkenntnis. Trotz Ich-Erzählperspektive kommt durch die vielen Schichten in Miras Persönlichkeit keine Langeweile auf und man verfolgt gespannt, wie sie durch die Geschichte gejagt wird. Auch Danaus bietet noch so einiges an Entwicklungspotential und man darf gespannt sein, ob er und Mira sich am Ende tatsächlich gegenseitig umbringen oder doch andere Dinge tun...
Ähnlich wie bei Ilona Andrews hat Jocelynn Drake hier eine etwas individuellere paranormale Welt geschaffen mit eigenen Begriffen wie Nachtwandler und Naturi, gefolgt von diversen komplexen Hierarchien, geschichtlichen Hintergründen und Abstechern in wissenschaftliches Gebiet. Was überraschend und auch positiv ist, ist die Horizonterweiterung über die USA hinaus. Meistens existiert der Rest der Welt ja gar nicht.. Hier kommt Mira ziemlich herum, reist nach Ägypten und England.
Insgesamt ist Nightwalker solide aufgemacht, bietet einiges an Spannung und viel - teils sehr blutige und brutale - Action. Einen Liebesroman hat man hier auf keinen Fall vor sich. Trotz allem reicht es nicht ganz, um an die Spitzenreiter des Genres ranzureichen. Ab und zu war mir die Erzählweise etwas zu nüchtern, zu emotionslos. Alle Handelnden sind sehr mächtig und ständig werden die Kräfte gemessen. Niemand vertraut niemandem, alle sind Feinde. Es kommt keine Minute Ruhe auf um sich mal zu unterhalten. Einerseits treibt das die Handlung voran, andererseits bleiben die Figuren so kalt und distanziert. Miras Umgang mit den Menschen, insbesondere mit ihren zwei "Engeln" hat mir überhaupt nicht gefallen, und sie hat eine sehr überhebliche, zickige Seite. Danaus ist ganz interessant, aber in seiner überquellenden Mächtigkeit fast schon göttlich und sehr sehr unnahbar. Das Szenario wirkt sehr clean, sehr aufgeräumt und einem strikten Muster folgend.

Fazit:
Schneller, blutiger Auftakt einer neuen Urban Fantasy Reihe für Fans von Endzeitszenarien.







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