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Originaltitel


Gefährtin der Dämmerung
von Jeaniene Frost

erscheint auf Deutsch im April 2010 im Blanvalet Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

Übersetzt von Sandra Müller
ISBN-10: 3442373816
ISBN-13: 978-3442373819


Leseprobe

Der Mann lächelte, und ich ließ kurz sein Gesicht auf mich wirken. Seine Augen hatten einen hübschen eisblauen Farbton, der mich an Huskyaugen erinnerte. Aber der Mann neben mir war kein Tier. Ein Mensch allerdings auch nicht. »Ich muss jetzt los, Nick«, sagte ich. »Danke für die Drinks.« Er strich mir über den Arm. »Nimm noch einen. Dann kann ich dein schönes Gesicht noch ein bisschen länger genießen.« Ich verkniff mir ein Schnauben. Was für ein Schleimer. Fragte sich nur, warum er mir dauernd in den Ausschnitt glotzte, wenn er so auf mein Gesicht abfuhr. »Also schön. Barkeeper…« »Lass mich raten.« Die laute Stimme kam vom anderen Ende des Nachtclubs. Ein unbekanntes Gesicht grinste mich an. »Einen Gin Tonic, Gevatterin?« Scheiße. Nick erstarrte. Dann tat er, was ich befürchtet hatte… er rannte los. »Alarmstufe Rot!«, rief ich und setzte der fliehenden Gestalt hinterher. Schwerbewaffnete, schwarz vermumm- te Männer drängten sich an den Gästen vorbei in die Bar. Im Rennen schleuderte Nick mir Menschen wie Wurfgeschosse entgegen. Schreiende, wild um sich schlagende Gestalten trafen mich. Sie aufzufangen und gleichzeitig mit einem silbernen Wurfmesser auf Nicks Herz zu zielen erwies sich als schwierig. Eine meiner Klingen landete in seiner Brust, zu weit seitlich allerdings, sodass sie sein Herz verfehlte. Trotzdem konnte ich nicht zulassen, dass die Menschen einfach wie Abfall zu Boden fielen. Nick hielt sie vielleicht dafür, ich aber nicht. Meine Männer verteilten sich im Club, bewachten die Ausgänge und versuchten, die verbleibenden Gäste aus der Gefahrenzone zu lotsen. Nick hatte die gegenüberliegende Wand erreicht, konnte nicht weiter und sah sich hektisch um. Ich kam mit meinen Silbermessern immer näher, und meine Männer bedrohten ihn mit ihren gezückten Desert Eagles. »Du bist umstellt«, verkündete ich das Offensichtliche. »Mach mich nicht sauer. Wenn ich sauer bin, findest du mich bestimmt nicht mehr hübsch. Lass die Mädchen los.« Er hatte zwei Mädchen bei ihren zarten Kehlen gepackt. Als ich das Entsetzen in dem Blick der jungen Frauen sah, flammte Zorn in mir auf. Nur Feiglinge versteckten sich hinter Geiseln. Oder Mörder wie Nick. »Lass mich gehen, dann lasse ich die Mädchen gehen, Gevatterin «, zischte Nick. Sein Tonfall war nun alles andere als charmant. »Ich hätte es wissen müssen. Deine Haut ist zu perfekt für eine Sterbliche, auch wenn dein Herz schlägt und deine Augen nicht grau sind.« »Farbige Kontaktlinsen. Heutzutage ist alles möglich.« Nicks eisblaue Augen begannen vampirgrün zu leuchten, und seine Reißzähne kamen zum Vorschein. »Es war ein Unfall«, kreischte er. »Ich wollte sie nicht umbringen, ich habe bloß zu lange gesaugt.« Ein Unfall? Das sollte ja wohl ein Witz sein. 


  Schund     mehr        geht so
                   schlecht
                   als recht
Vampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi - Erotic Fantasy
Wie immer gehen Cat und Bones zusammen mit Dons Ermittlertruppe rund um Tate, Juan und einigen von Bones getreuen Vampiren ihrer Hauptaufgabe nach: der Jagd nach abrünnigen Vampiren, die die Menschen bedrohen. In harten Kämpfen gerät Cat immer wieder in große Gefahr, doch durch ihre vampirische Seite kann sie sich schnell wieder erholen. Eines Tages jedoch wird Cat zur Zielscheibe von brutalen Mordanschlägen und ihre Widersacher machen auch nicht vor ihrer Familie halt. Für Cat ist klar, dass ihre kleine Einsatztruppe stärker werden muss; Bones willigt ein, Tate zum Vampir zu machen und nachdem Cat knapp dem Tod entrinnt, werden auch ihre Mutter und ihre beste Freundin in Sicherheit gebracht. Als sich Bones Erschaffer, der mächtige uralte Vampir Mencheres zu ihnen gesellt weiß Cat, dass nun endgültig Krieg herrscht. Und eine grausame Widersacherin hat gnadenlos Cats Tod beschlossen. Alles scheint sich in rasendem Tempo abspielen zu müssen: die Verteidigung ihres Stützpunktes und ihrer Familie, die Beziehung zu Bones, der durch Mencheres neue Kräfte erhält, die Eifersuchtsszenen mit Tate, der Cat nicht aufgeben will und schließlich auch Cats Einstellung zu ihrem eigenen, vampirischen Erbe.

Nach dem fulminanten Auftakt der Serie hatte ich mich sehr auf die folgenden Teile gefreut. Leider hat die Begeisterung nur bis zum zweiten Band angehalten, Gefährtin der Dämmerung dann hat mich ziemlich enttäuscht. Am übelsten ist wohl die lieblose Schludrigkeit, mit der die Autorin hier eine Story förmlich hinklatscht, die vollgestopft ist mit Personen, die man eigentlich mag, die aber komplett nichtssagend bleiben. Der Roman ist eine stellenweise extrem und unnütz grausame Aneinanderreihung von Szenen, die kein harmonisches Ganzes ergeben. Häufige Standortwechsel und Zeitsprünge raffen das Geschehen bis zur Unkenntlichkeit und es bleibt nichts übrig außer abartigen Kampf- und Foltersequenzen, kurzen, groben Sexszenen und dem Hin und Herspringen zwischen den unzähligen Figuren, die diesen Roman überschwemmen. Niemals kann man sich auf 400 Seiten allem richtig widmen: der Beziehung Cat-Bones, der Beziehung Tate-Cat, der Beziehung Cat-ihre Mutter, dem Krieg zwischen den Vampirclans, der Arbeit für das FBI etc etc.
Ein klassischer Fall von weniger ist mehr. Zwischendurch war ich beim Lesen wirklich deprimiert: ich liebe Bones, aber was hat Jeaniene Frost nur mit ihm gemacht?! Er mutiert zum übermächtigen, unsympathischen Eifersuchtsbolzen, der seine außergewöhnliche Präsenz verloren hat und herzlos Brutalitäten austeilt. Auch Cat hat sich zum Negativen entwickelt: fand ich früher ihre sture, kämpferische Art erfrischend und authentisch, kommt sie jetzt zunehmend unglaubwürdig daher. Zerrissen von dem Stress in ihrem Leben und den vielen Aufgaben, denen sie sich widmen muss, macht ihre pragmatische Art entweder jede emotionale Situation zunichte oder sie verfällt neuerdings in einen Gefühlstaumel, der so gar nicht zu ihr passt.
Als dann auch noch Vlad Tepesch alias Dracula auftaucht, hat die Autorin meiner Meinung nach die Übertreibungen auf ein neues Maximum gebracht. Sämtlichen hochdotierten und ach so mächtigen Kreaturen kommen überhaupt nicht zum Zug sondern gehen in einer haltlosen, schlampig aufgemachten Story unter, die überhaupt keine Überraschungen oder gar Originalität bieten kann.
Gefährtin der Dämmerung kann man als Fan der Serie getrost überspringen und hoffen, dass Der sanfte Hauch der Finsternis besser wird. Eine Wertung als "geht so" gebe ich nur aus Sentimentalitätsgründen, da die ersten beiden Teile einfach nur spitzenmäßig waren.

Fazit
Gewaltlastiger, wirrer Urban Fantasy Roman mit blassen Helden.






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