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Originaltitel


Prinz der Nacht
von Sherrilyn Kenyon

auf Deutsch erschienen im Januar 2009 im Blanvalet Verlag
430 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 7,00

ISBN: 344237121X
EAN: 9783442371211
Übersetzt von Eva Malsch


Leseprobe

Als der Helikopter emporstieg, sank Zarek in seinen Sitz zurück. Er flog nach Alaska. Nach Hause. Zweifellos würde er dort sterben.
Wenn Artemis ihn nicht tötete, würde es Dionysos tun. Der Gott des Weines und der Ausschweifungen hatte seinen Zorn über Zareks Verrat unmissverständlich bekundet und erklärt, er würde ihn bestrafen.
Um Sunshine Runningwolfs Glück zu retten, hatte Zarek die Absichten eines Gottes durchkreuzt. Dafür würde er bitter büßen und noch grausamere Qualen erleiden als in seinem menschlichen Leben. Nicht, dass er sich darüber aufregte. Im Leben und im Tod gab es nicht viel, was ihn noch irritierte.
Warum er sich Sunshines und Talons wegen in Schwierigkeiten gebracht hatte, wusste er noch immer nicht. Vielleicht, weil es zu seinen wenigen Amüsements gehörte, andere Leute zu ärgern.
Sein Blick fiel auf den Rucksack, der neben seinen Füßen lag. Ehe ihm bewusst wurde, was er tat, nahm er die handgearbeitete Keramikschüssel heraus, Sunshines Geschenk. Nur ein einziges Mal hatte jemand ihm etwas gegeben, ohne eine Bezahlung zu verlangen. Behutsam strich er über das kunstvoll gemalte Muster. Stundenlang musste sie daran gearbeitet haben, mit liebevollen Händen ...
"Sie verlieren Zeit für ihre Lumpenpuppe, und sie wird ihnen dadurch sehr wichtig." Dieser Satz aus dem "Kleinen Prinzen" ging ihm durch den Sinn. Für diese Schüssel hatte Sunshine sehr viel Zeit verloren und ihm ihr Kunstwerk geschenkt, ohne ersichtlichen Grund. Wahrscheinlich wusste sie gar nicht, wie tief sie ihn dadurch berührte.
"Wie erbärmlich du bist ..." Die Schüssel in den Händen verzog er angewidert die Lippen. "Für sie bedeutet es nichts. Doch du hast dich für ein wertloses Keramikgefäß dem ewigen Tod verschrieben."
Mit geschlossenen Augen schluckte er.
Ja, es stimmte, er würde erneut sterben, für nichts und wieder nichts.
Na und? Dann würde er eben sterben. Welche Rolle spielte das schon? Wenn sie ihn nicht während des Flugs töteten, würde er ihnen einen grandiosen Kampf liefern. Solche Gelegenheiten bekam er in Alaska viel zu selten, er freute sich auf die Herausforderung.
Wütend auf sich selbst und die Welt im Allgemeinen, zertrümmerte er die Schüssel mit seinen Gedanken und wischte den Staub von seiner Hose.
Dann holte er seinen MP3-Player hervor und scrollte zu Nazareths "Hair of the Dog", setzte die Kopfhörer auf und wartete ab, ob Mike die Fenster des Hubschraubers erhellen und das tödliche Sonnenlicht hereinlassen würde.
Immerhin hatte Dionysos den Knappen für diesen Mord bezahlt, wenn der Mann auch nur einen Funken Verstand besaß, würde er gehorchen. Sonst würde er es bitter bereuen.



  Schund     mehr        geht so    lesenswert 
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EngelVampireDämon
Romantic Fantasy
Nachdem sich Zarek bei seinem Mardi Gras Einsatz in New Orleans (Handlung aus Im Herzen der Nacht) daneben benommen hatte, schickt ihn Artemis zurück in sein Exil nach Alaska. Nur durch Archerons Opfer, zwei Wochen bei Artemis zu bleiben, konnte Zareks unmittelbarer Tod verhindert werden. Doch der Ex-Sklave weiß, dass ihm der Tod bevorsteht. Er steht der ganzen Gefahr recht emotionslos gegenüber, ist er doch sein ganzes Leben hindurch wie ein Tier behandelt und geschlagen worden. Gefühle und andere menschliche Regungen kennt er nicht, sein Hang zur Gewalt ist größer als bei allen anderen Dark Huntern. Doch durch Archerons Einfluss erhält er eine letzte Chance: die Richterin und Nymphe Astrid soll ihn prüfen und feststellen, ob er tatsächlich zum Tode verurteilt werden soll.
Als Zarek die - auf der Erde - blinde Astrid zum ersten Mal sieht, fühlt er sich unerklärlicherweise von ihr angezogen. Sie lebt zurückgezogen in einer Hütte zusammen mit ihrem Wolf Sasha, der in Wirklichkeit ein mächtiger Gestaltwandler ist. Astrid versucht, Zareks Vertrauen zu gewinnen um ihn genau prüfen zu können. Doch der Dark Hunter bleibt unwirsch und abweisend. In vielen Situationen, in denen er auszurasten scheint, fragt sich Astrid, ob sie ihn gleich verdammen soll. Sie wählt dann den Weg über seine Träume, um an ihn heranzukommen. Mittels einer Droge versetzt sie ihn in Schlaf und erschafft eine Traumwelt, in der nur sie und Zarek existieren, keine grausame Vergangenheit. Hier im Traum wagt es Zarek, Astrid zu begehren und ihr näher zu kommen. Doch in der Wirklichkeit werden sie vom unbarmherzigen Tagestöter Thanatos verfolgt, der Zarek um jeden Preis vernichten will. Nur Archeron kann Thanatos aufhalten. Natürlich kann Astrid nicht lange ihre wahre Existenz vor Zarek geheim halten. Und dieser ist hin und hergerissen zwischen seinem zerstörerischen Hang und der Zuneigung zu der sanften Nymphe.

Trotz einiger Schwächen ist Prinz der Nacht deutlich das beste Buch der Serie bisher. Das liegt vor allem daran, dass Zarek ein sehr ernster und tragischer Charakter ist, und die Geschichte dadurch kaum ins Lächerliche abrutscht. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches wird der Leser permanent mit den teils sehr grausamen Qualen konfrontiert, die Zarek erleiden musste. Da bleibt wenig Platz für saloppe Sprüche und Witzeleien. So gefällt mir Sherrilyn Kenyon richtig gut und ich fand die Zusammenkunft Zarek - Astrid sehr gelungen. Nervige Sidekicks wie der Gestaltwandler Sasha und diese ganze Artemis - Archeron Geschichte kann man zum Glück weitestgehend ignorieren, da sich die Story zu Beginn fast nur auf die beiden Hauptcharaktere konzentriert. Hier entwickelt sich auch alles ganz schön und der gequälte Held lernt, Vertrauen zu einer Frau aufzubauen. Die Sexszenen sind allesamt gelungen und alle Liebesromanfans, die auf Klischees (starker, verschlossener, dominanter Mann - sanfte, sensible, devote Frau) stehen, werden genügend bedient. Nur leider haben wir mit diesem Plot bloß erst 200 Seiten gefüllt und wie von der Autorin gewohnt, soll noch einiges an Action kommen. Also wird ein wenig der Kampf zwischen Thanatos und den Dark Huntern und die kranke Beziehung zwischen Archeron und Artemis beleuchtet. Diese Teile des Buches sind meiner Meinung nach störend und nervig. Die kleine Dämonin Simi, die in Archerons Körper wohnt, ist wohl reiner Seitenfüller mit ihrem sinnlosen Geschwätz.
Es ist etwas schade, dass Sherrilyn Kenyon den Erzählstil nicht ganz durchhalten kann, nichtsdestotrotz ist das Buch im Vergleich zu den Vorgängern wesentlich besser und ausgereifter. Wenn man über die partiell unerhört schlechte Übersetzung aus dem Amerikanischen hinwegsehen kann und sich nicht an dem grauenhaften Wechsel zwischen Jugendslang und mittelalterlicher Sprechweise stört, kann man mit den Dark Hunter Romanen viel Spaß haben. Für alle, die Black Dagger lieben, ist und bleibt das aber nur ein seichter Abklatsch (irgendwie hat mich Zarek and Zsadist erinnert...)
Zuletzt bleibt noch zu sagen, dass sowohl das Buchcover als auch der deutsche Titel absolut irreführend und abwertend wirken.

Fazit
Bisher bestes Buch der Serie mit einem tollen, gequälten Helden und ein bisschen mehr Tiefgang.

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