Sukkubus Jezebel ist in
Schwierigkeiten: seit sie aus der Hölle geflohen ist, sind ihr
ihre dämonischen Vorgesetzten auf den Fersen. Eigentlich war
sie
als Verführerin seit Jahrtausenden dafür
zuständig,
Seelen der Menschen einzufangen, doch dieser Aufgabe kann sie nun nicht
mehr nachgehen. Um sich vor ihren Häschern zu tarnen,
überredet Jezebel eine Hexe, ihr Menschengestalt zu verleihen.
Als
Jez als Mensch wiedererwacht, macht sie sich kurzerhand mit dem Geld
und anderen Habseligkeiten - und einem Körper mit haargenau
dem
gleichen Aussehen - der Hexe aus dem Staub nach New York. Sie will nie
mehr zurück in die Hölle und beschließt,
ein neues
Leben zu beginnen. Doch wie lebt man als Mensch? Auf ihrer Fahrt nach
New York begegnet Jez erst einmal dem attraktiven und charmanten Paul,
der sofort ihr Herz zum Rasen bringt. Sie träumt sogleich
davon,
ihn zu verführen - doch sie ist kein Sukkubus mehr. Als Jez
schnell merkt, dass sie ohne Geld nicht weit kommt, heuert sie in dem
Stripclub "Belles" als Tänzerin an. Alle sind sofort
begeistert
von ihrem Talent und ihrer Anziehungskraft auf Männer. Doch
Jez
ist auch hier nicht vor ihren Verfolgern sicher, und das Wiedersehen
mit Paul entwickelt sich ganz schnell zu einer Gefahr für ihr
Herz
- das eigentlich gar nichts von Liebe halten sollte...
Ich hatte mir dieses
Buch allein wegen einiger Kritiken ausgesucht, die behaupten, es sei
kein affektiert-albernes Chick-lit Märchen mit Figuren wie aus
Beverly Hills 90210, sondern ein originelles, unterhaltsames
Lesevergnügen mit prickelnden Szenen und einer sympathischen
Hauptdarstellerin. Es stimmt! Allerdings musste ich mich durch das
erste Drittel des Buches kämpfen um mich dann letzten Endes
davon
überzeugen zu lassen.
Ein Sukkbus in Nöten beginnt wie beinahe jeder Roman des
Comedy/Chick lit Genre mit einer chaotischen weiblichen Hauptfigur, die
schrecklich heiß auf alle Männer ist (sei es nun
ihre Natur
oder nicht), sich ewig lang mit Klamotten, Schminke und Markenprodukten
aufhält und alles schrecklich aufregend findet. Derbe und
vulgäre Sprüche reihen sich nur so aneinander und bis
auf
besagten Paul sind alle Nebenfiguren zu Beginn sehr flach und unterstes
Niveau. Extrem nervig fand ich zu Beginn, dass ständig
Jezebels
Höschen durchnässt wurde - anscheinend braucht es nur
einen
Mann im Umkreis von 100 m um sie fast zum Orgasmus zu bringen. Es ist
teilweise ganz amüsant zu sehen, wie sich Jezebel mehr oder
weniger hilflos in der Menschenwelt ein Leben zusammenpuzzelt und dabei
immer wieder in Schwierigkeiten gerät. Aber so hätte
das
nicht noch 250 Seiten weitergehen können, denn dann
hätte ich
das Buch weggelegt.
Vielmehr berappelt sich die Autorin nach dem ersten Drittel der
Geschichte und beginnt, mehr Substanz aufzubauen. Jezebels Charakter
enthält mehr Tiefe, durch geschickt platzierte
Rückblicke
erfährt man nach und nach mehr über den wahren Grund
ihrer
Flucht aus der Hölle und kann sich besser in sie
hineinversetzen.
Kommt sie anfangs nur als extrem sexorientiertes, ordinäres
Etwas
daher, entwickelt sich Jezebel im Laufe der Geschichte in eine
sympathische, liebenswerte Person mit Stärken und
Schwächen
und einer guten Mischung aus höllischer Andersartigkeit und
bekannter Menschlichkeit. Es ist sicher nicht leicht, einen eigentlich
unmenschlichen Charakter darzustellen, der aber so aussieht wie eine
ganz normale Frau. Jackie Kessler gelingt es zunehmend, dem Leser
Jezebels Gefühle nahezubringen und man glaubt ihr wirklich,
dass
sie vorher als Höllenwesen nur niederen Instinkten zugewandt
war -
und dass dies wesentlich einfacher gewesen ist.
Auch wenn es unzählige sexuelle Anspielungen, viel nackte Haut
und
hübsche Körper gibt, finde ich nur die Szenen
zwischen Paul
und Jezebel wirklich erotisch. Locker, originell und lebensecht
beschreibt die Autorin die ungewöhnliche Szenerie zwischen Jez
und
ihrem Angebeteten, der sie des öfteren durch ein Wechselbad
der
Gefühle schickt. Eine schöne, interessante Lovestory,
gewürzt natürlich mit Jezebels großem
Geheimnis.
Natürlich gibt es auch streckenweise dämliche
Fülldialoge, Geschwätz über Mode,
Männer und
Klischees. Aber das Buch driftet nicht ins Nichtssagende ab sondern
verpackt damit nur eine im Grunde genommen sympathische Story. Klar,
dass Jez nicht unbeobachtet in die Menschenwelt fliehen kann und klar,
dass es zwischen Paul und ihr noch zu Missverständnissen
kommt.
Aber die Spannung wird bis zum Schluss gut gehalten und es gibt einige
überraschende Wendungen. Auch wenn meine Erwartungen nicht
ganz
erfüllt wurden, habe ich diesen ersten Teil der "Hell's Bells"
Serie doch genossen und hatte mich gerade an die etwas derbe Sprache
gewohnt - da war er auch schon ausgelesen.
Fazit
Leichte, unterhaltsame Romantic Fantasy mit einer
höllisch-heißen Heldin.
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