Weitere Titel der Serie

Originaltitel


Greywalker
von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106



 Alternatives Cover
Leseprobe

Als der Kerl ausholte, war ich ziemlich überrascht. Die meisten Leute verloren nicht gleich die Nerven, wenn man sie bei so einem kleinen Betrug ertappte. Ich hatte etwas wie eine verlegene Entschuldigung erwartet, zusammen mit einem angemessenen Scheck, um meine Klientin -seine Stieftochter - zu besänftigen. Stattdessen beugte sich der Knabe über den Schreibtisch, holte aus und traf mich mit der Wucht eines Vorschlaghammers seitlich am Kopf.
Ich flog vom Stuhl und in meinen Ohren begann es zu dröhnen. Verzweifelt versuchte ich, an meine Handtasche zu gelangen, aber ehe ich auch nur in die Nähe meiner Pistole kommen konnte, stand er schon vor mir. Ich zog mich hoch auf die Knie, um ihm mit der geballten Hand einen kräftigen Schlag unter die Gürtellinie zu verpassen.
Er wich problemlos aus und traf mich erneut mit seiner fleischigen Faust am Kopf. Dann ein Tritt gegen meine Rippen. Ich schrie, ehe mir die Luft weg blieb und ich für einen Moment nur noch auf neugierige Nachbarn hinter den dünnen Wänden hoffen konnte. Wieder holte er mit dem Fuß aus.
Mühsam robbte ich auf ihn zu, packte ihn am Schuh ... und brachte ihn zu Fall. So schnell ich konnte, kroch ich in Richtung Tür. Das Innere meines Brustkorbs fühlte sich an, als hätten sich meine Organe losgerissen und befänden sich im freien Fall.
Da wurde mein Kopf nach hinten gezerrt - der Typ hatte mich am Pferdeschwanz gepackt. Ich trat rückwärts aus und konnte etwas Weiches spüren, aber leider nicht das, worauf ich gehofft hatte. "Verdammt!" Er riss meinen Kopf zur Seite und schmetterte ihn gegen den Türrahmen. Mir war, als ob ich meinen Schädel brechen hörte. Alles schmerzte. Mühsam drehte ich mich um und zog mich am Körper des Mannes hoch. Haare wurden mir aus der Kopfhaut gerissen. Mit einer Hand schlug ich seinen Kopf gegen die Wand, während ich mein Knie in seine Weichteile rammte. Er schnappte nach Luft und ließ unwillkürlich meinen Pferde- schwanz los. Ich nutzte meine Chance, entwand mich seinem Griff und wankte durch die offene Tür auf den Korridor hinaus. Krampfhaft suchte ich in meiner Handtasche nach der Pistole, während ich zum Lift taumelte. Nichts wollte funktionieren: Meine Beine fühlten sich an, als wären sie aus Gummi. Jedes Mal, wenn ich meine Pistole in die Hand nehmen wollte, entglitt sie mir. Ich konnte kaum atmen. Und mein Brustkorb bereitete mir Höllenqualen. Mein Schädel dröhnte, und ich konnte hören, wie das Blut durch meine Adern rauschte. Mit letzter Kraft schob ich das Eisengitter beiseite und stolperte in den uralten Lift, als mich eine Hand erneut am Pferdeschwanz packte und nach hinten riss. Ich versuchte mich umzudrehen, um dem Mistkerl endlich eine Kugel zu verpassen, aber meine Beine gaben nach. Die Pistole glitt mir aus den Händen, fiel auf den Boden des Lifts und schlitterte in eine Ecke.
Mich immer noch am Haar festhaltend, griff der Mann nach dem Eisengitter. Verzweifelt suchte ich in der Hosentasche nach meinem alten Schweizer Messer, als mich das Metall auch schon mit voller Wucht am Hals traf. Hatte er etwa vor, mir den Kopf abzutrennen? 

  Schund     mehr        geht so 
                   schlecht
                   als recht

Vampire
Urban Fantasy - Thriller/Krimi -  Horror

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren. 


Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten. 

Fazit 
Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.


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