Nach einem Jahr im
Koma ist die Vampirjägerin Elena Deveraux nun endlich erwacht
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als neugeborener Engel. Der mächtige Erzengel Raphael hat ihr
ein
neues Leben als Engel an seiner Seite geschenkt. Doch obwohl sie sich
gleich in neue Erfahrungen stürzen will, muss sie sich noch
schonen, sowohl für stürmische
Zärtlichkeiten von
Raphael als auch für die ersten Flugversuche ist sie noch zu
schwach. Als Raphael und Elena eine Einladung von dem uralten Erzengel
Lijuan zu einem Ball in China erhalten ist klar, dass Elena bis dahin
bei Kräften sein muss. Jeder weiß, dass Raphaels
neue
"Trophäe" gefährlich lebt, noch nie zuvor gab es
einen
erschaffenen Engel. Elena hat genauso viele Neider wie Feinde, selbst
unter ihren angeblichen Beschützern und hat alle
Hände voll
zu tun sich in ihrem schwachen Zustand zu wehren. Dann erfährt
sie
von einer grausamen Mordserie unter der Engelsbevölkerung der
geheimen Zuflucht. Jemand sehr einflussreiches und mächtiges
hat
anscheinend vor, Zwietracht unter den Engeln zu sähen und
schreckt
auch nicht davor zurück, Kinder zu misshandeln und zu
entführen. Elena und Raphael sind entsetzt und machen sich auf
die
Suche nach dem Täter.
Der erste Teil
der neuen Serie von Nalini Singh hat mich wirklich begeistert und
natürlich konnte ich kaum das Erscheinen des Folgebandes
erwarten.
Leider kann dieser weder inhaltlich, noch dramaturgisch noch (leider,
leider) in erotischer Hinsicht an den ersten Band heranreichen.
Wir treffen wieder auf Elena, die nach einem Jahr Koma langsam ihre
Kräfte wiedererlangt. Raphael ist immer noch der
selbstgerechte,
außerirdisch attraktive und dominante Partner, der genau
weiß, dass Elena seine Achillesferse ist, ihr aber nicht
widerstehen kann. Elenas Gefühle ihm gegenüber
schwanken
zwischen Ehrfurcht, Verlangen, Liebe und auch sehr oft Angst.
Natürlich ist es verständlich, dass sie so einem
mächtigen Wesen gegenüber Furcht empfindet, doch ihr
selbst
hat Raphael doch noch nie etwas getan. Elenas Gefühlswelt
unterliegt starken Schwankungen und genauso, wie ihre Beziehung zu
Raphael ständig auf dem emotionalen Prüfstand ist,
wird sie
ständig Opfer ihrer grauenhaften Kindheitserinnerungen. Durch
nahtlos einfließende Rückblicke schafft Nalini Singh
eine
permanente Bedrohung, legt ihrer Hauptfigur schwere Bürden auf
und
hetzt sie durch blutige Bewältigung einer traumatisierten
Kindheit. All dies liegt im gewohnt ausführlichen,
Metapher-reichen und teils leicht schwülstigen Schreibstil der
Autorin vor und sie scheut auch nicht vor Wiederholungen
zurück.
So gern ich diesen blumigen Stil mag, bei Engelszorn hat mich diese
Überemotionalisierung und diese glatte Art irgendwann
gestört. Es gibt keine Grauschattierungen in dieser Welt von
Extremen, leider jedoch verpufft dieser Aufwand hier an einer
gewöhnlichen, unspektakulären Handlung mit einigen
zähen
Längen.
Sowohl die Aufregung über Lijuans Ball als auch die Suche nach
dem
Mörder in der Engelsbevölkerung sind
künstlich
aufgebauscht und im Grunde uninteressant. Letzteres entpuppt sich als
ein verwirrendes Komplott innerhalt der Hierarchie der Engel und
seitenweise bekommt der Leser Namen, Abrisse von Lebensgeschichten,
vermutliche Motive und - Langeweile.
Neben all dem herrscht natürlich auch nach wie vor die
erotische
Spannung zwischen Raphael und Elena - nach einem Jahr Abstinenz brennt
die Leidenschaft förmlich. Wenn sie sich nur kurz
berühren,
scheint es Funken zu sprühen und auch wenn sich Elena nach
ihrem
Erzengel sehnt, übt sich dieser in Zurückhaltung um
sie in
wegen ihrer körperlichen Schwäche nicht zu verletzen?
Aber
was gibt es da zu verletzen? Der künstliche Aufschub der
Sexszene
ist angesichts der kurz dargestellen, unspektakulären
Auflösung als sinnlos entlarvt und leider hat Nalini Singh
sich
wohl vorher schon in erotischen Dingen verausgabt, denn als es endlich
zum Akt zwischen Elena und Raphael kommt, hat sie nicht viele Worte
übrig.
Genauso lieblos und schnell wird dann auch der lang ersehnte, ewig
diskutierte Ball bei Lijuan abgehandelt und die große
Bedrohung
durch die Herrin der lebenden Toten wird in wenigen Seiten
aufgelöst. Auch wenn ich ein glühender Fan von Nalini
Singh
bin (ihre Gestaltwandlerserie ist einmalig), kam es mir hier ein wenig
so vor, als hätte sie "auf Sparflamme" gearbeitet, sich im
Erfolg
des ersten Teils gesonnt und die Handlung vor sich
hinplätschern
lassen. Schade.
Fazit
Etwas schwächerer, zweiter Teil mit einigen Längen.
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