

Verglichen mit dem
uralten Erzengel Raphael, ist Elena noch eine "junge" Unsterbliche, kommt sie auch mit ihrem Dasein als Engel mittlerweile ganz gut zurecht. Ein grausamer Mord an jungen Mädchen erschreckt die Stadt und Elena wird hinzugezogen um bei den Ermittlungen zu helfen. Denn trotz ihres neuen Lebens kann sie ihre Arbeit als Jägerin nicht aufgeben.Die Spur führt zu außer Kontrolle geratenen Vampiren, die wild im Blutrausch getötet haben. Auch Raphael fühlt eine seltsame Störung und es scheint, als würde eine uralte Macht wieder auferstehen um die Erde in Angst und Schrecken zu versetzen.
Dies ist der
dritte Teil über den Erzengel Raphael und seine mutige Gefährtin Elena, und obwohl ich Nalini Singh als Autorin sehr verehre muss ich zugeben, dass mich dieses Buch gelangweilt hat. Es schien ein wenig so, als würde sich Frau Singh hier auf ihren Lorbeeren ausruhen und bietet ihren Fans (meiner Meinung nach) nichts weiter als vorhersehbares Geplänkel in einer dünnen Story.Anfangs war meine Begeisterung über den mächtigen, kühlen und ätherisch schönen Erzengel Raphael riesig, ich schwelgte in den Beschreibungen seines Äußeren und seinen glatten, überirdischen Sprache. Leider ertränkt Nalini Singh den Leser mittlerweile in Begriffen wie "mitternachtsschwarz", "glitzernd", "schimmern", "fließend" etc. Nichts kann mehr "normal" sein, alles ist in so unglaubliche Sphären entglitten, dass ich mir manchmal schon gar nicht mehr vorstellen WILL, wie schön Raphael wirklich sein muss. Die grenzenlose Ausuferung dieser Lobeshymnen schafft einen klinisch sterilen Charakter ohne Ecken, ohne Spannung, ohne Tiefe. Raphael ist wie ein glitzernder Edelstein, den man bewundert, der aber kalt und hart ist. Ich meine, die Autorin hat aus diesem Charakter bereits im ersten Teil der Serie alles rausgeholt, was ging und nun zehrt sie von dem Ruhm. Mit Elena verhält es sich ähnlich, auch wenn ich glaube, dass sie noch mehr Potential hat. Ihr Mut und ihre Handlungsfähigkeit werden aber ständig eingeschränkt durch Zweifel und das dominante Verhalten ihres Erzengels. Auch wenn sie darauf pocht, unabhängig zu sein, schwankt sie dennoch ständig in Angstzuständen und tut nichts, um ihren Geliebten zu erzürnen. Oft genug bekommen wir mit, dass jegliches Aufbegehren gegen Raphael zwecklos wäre.
So stagniert diese Beziehung in jenem seltsamen Gleichgewicht aus erotischer Anziehungskraft und Einschüchterung, Misstrauen und Bewunderung. In zähen Passagen musste ich mir immer wieder das Gleiche anhören und die Gespräche der beiden drehen sich ständig im Kreis. Die Liebesszenen sind schön, aber sehr zahm. Bereits nach der Hälfte des Buches wurde ich des übertriebenen Einsatzes von Metaphern und Rückblicken in die Vergangenheit müde, und man kann getrost einige Seiten überspringen und verpasst rein gar nichts von der Handlung. Das ist wirklich schade, denn Nalini Singh hat ohne Zweifel erzählerisches Talent. Ich weiß auch nicht, warum sie hier auf so eine unspektakuläre Story zurückgreifen musste. Das gefürchtete Erwachen von Raphaels Mutter wird hier als Apokalypse gehandelt und man rechnet als Leser mit einem wahren Inferno an Konsequenzen und es passiert - ich will ja nicht vorgreifen - NICHTS. All die Spannung verpufft und ich fragte mich am Ende, wozu eigentlich dieses Buch geschrieben wurde. Im Grunde genommen müsste ich dem Buch ein "mehr schlecht als recht" verpassen, aber zwischendurch ist Nalinis Schreibstil eben sehr gefällig und rettet über so manche Lücke. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, wenn der nächste Teil immer noch von Elena und Raphael handeln würde, würde ich ihn nicht lesen.












