Nachdem Magiere und
Leesil erfolgreich die Untoten in Miiska besiegt hatten, versuchen sie, ein wenig Ruhe in ihren Alltag in der Taverne "Zum Seelöwen" einkehren zu lassen. Doch die Unruhe, die in dem kleinen Städtchen entstanden war und der durch den Brand des Lagerhauses eingetretene wirtschaftliche Schaden lasten auf Magieres und Leesils Schultern. Und es dauert nicht lange, bis Magiere erneut von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Es hat sich herumgesprochen, dass sie eine Jägerin der Untoten ist, und der Stadtrat der Stadt Bela bittet um ihre Hilfe. Zögernd willigt Magiere ein und zusammen mit Leesil und Chap macht sie sich auf den Weg in die große Hafenstadt. Auch dieses Mal bekommen es die Gefährten mit einer Gruppe Untoter zu tun, und ihr Anführer ist - welch Überraschung - der Rattenjunge genannte Vampir, dem es gelang aus Miiska zu fliehen. Als er erfährt, dass Magiere in der Stadt ist, bricht Chaos aus. Doch nicht nur das stürmt auf Magiere ein: ihr Verhältnis zu Leesil scheint sich zu verändern und auch der alte, mysteriöse Bekannte Welstiel spielt eine Rolle in der großen Suche nach Magieres wahrer Identität.
Seelendieb schließt nahtlos
an die Ereignisse des ersten Teils an und bietet auch nicht viel Rückblick. In ausgereifter, durchdachter Manier spinnt die Autorin die Geschichte um Magier und Leesil weiter. Es ist ein neuer, herausfordernder Kampf für das Team und ein weiteres, in bunten Farben geschildertes Abenteuer. Gleichzeitig lernt man neue Personen kennen, die sich der Gruppe nähern und erfährt mehr von bereits bekannten Figuren. Hierbei versteht es die Autorin sehr gut, Geheimnisse zu wahren und nicht gleich alles über eine Person zu offenbaren. Solangsam bekommt man auch die Ahnung, dass es bei Magieres Abenteuern einen komplexeren Hintergrund gibt, als zu Beginn angenommen. Es bahnt sich eine weitaus dramatischere Handlung an, als man ahnen konnte. Magiere und Leesil sind nicht nur einfach mutige Vampirjäger, die sich immer neuen Herausforderungen stellen: sie folgen auch einem vorgezeichneten Weg, der durch ihre mysteriöse Vergangenheit und in eine geheimnisvolle Zukunft führt. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr, er ist ausgewogen, eloquent und treffend. All ihre Charaktere bekommen genug Platz um sich zu entfalten, verschiedene Facetten auszuleben und auch mal undurchsichtig zu sein. Wie bereits beim ersten Teil wird sehr oft die Erzählperspektive gewechselt und man erlebt die Ereignisse auch mal aus der Sicht der Vampire oder anderer wichtiger Personen. Daher kommt es, dass man als Leser oft mehr weiß als Magiere und Leesil, da kommt es schon zum einen oder anderen Zähneknirschen, wenn unsere Helden in eine Falle tappen, die man als Leser schon längst enttarnt hatte... Das einzige, was ich auch schon beim ersten Teil bemängelte, ist die unterschwellige Kühle der Handlung. Manchmal wirkt alles etwas distanziert und wie emotionslos. Magiere scheint oft verhärtet, verbissen und gar nicht wie eine Frau mit 26 Jahren sein sollte. Obwohl es im zweiten Teil einen Hauch mehr Romantik gibt, ist das Buch ganz und gar kein Liebesroman. Das wird in dieser Serie auch nicht mehr passieren, dafür ist sie nicht ausgelegt. Wer also auf einen ausgedehnte Liebesszene zwischen Magiere und Leesil wartet, wird wohl enttäuscht werden. Trotzdem ist Seelendieb ein gelungener zweiter Teil einer Fantasy-Serie, die Lust auf mehr macht.