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Noble Dead


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leichter, softer, langsamer


dunkler, härter, schneller


Dhampir: Halbblut
von Barb & J.C. Hendee

auf Deutsch erschienen im April 2008 im Egmont Lyx Verlag
380 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 13,95

ISBN-10:
3802581458
ISBN-13: 978-3802581458

Übersetzt von Andreas Brandhorst


Leseprobe

Lange nach Sonnenuntergang erreichte Magiere ein weiteres strawinisches Dorf und schenkte ihm kaum Beachtung. Bauern lebten überall auf die gleiche Art und Weise. Nach sechs Jahren verschwammen die schlichten, trostlosen Hütten, und Magiere nahm nur ihre Anzahl zur Kenntnis, als einen Hinweis auf die Größe der Bevölkerung. Hier lebten nicht mehr als hundert Menschen, vielleicht nur fünfzig. So spät in der Nacht zeigte sich niemand von ihnen, aber sie hörte das Knarren einer Tür oder eines Fensterladens, als sie an einer Hütte vorbeikam und jemand nach draußen sah. Das einzige andere Geräusch war das Kratzen ihres Jagdmessers am Holz, als sie das Ende des armlangen Stocks zuspitzte. Die Dunkelheit machte ihr keine Angst. Für Magiere enthielt sie keine der Schrecken, die die Bauern veranlassten, hinter ihren verriegelten Türen zu zittern. Sie überprüfte das Falchion in seiner Scheide und vergewisserte sich, dass sie es leicht ziehen konnte, wenn es notwendig werden sollte, setzte dann den Weg zum Ende des Dorfes fort. Es begann zu nieseln, und bald war ihr schwarzes Haar nass, wodurch die roten Töne darin verschwanden. Mit ihrer blassen Haut musste sie auf die Bewohner des Dorfes so unheilvoll wirken wie ihre Visionen von dem Geschöpf, das sie für sie töten sollte. Nicht weit außerhalb des Dorfes blieb Magiere am Friedhof stehen und sah die frischen Gräber, jedes von Zinnlaternen umgeben, die böse Geister daran hindern sollten, die Körper der Toten zu übernehmen. Es gab noch keine Grabsteine, denn die Bestattungen hatten in aller Eile stattgefunden. Magiere wandte sich um und ging noch einmal durchs Dorf, beobachtete dabei die Gebäude und hielt nach dem Gemeinschaftshaus Ausschau. Bestimmt hatten sich die meisten Bauern in einem Haus versammelt, das allen zur Verfügung stand – sie glaubten, in der Gruppe sicherer zu sein. Magiere blickte sich um, auf der Suche nach einem Gebäude, das groß genug war, aber die Hütten sahen alle gleich aus: schlichtes, verwittertes Holz, Strohdächer und tönerne Schornsteine. Sie waren trostlos und still, wie alles in diesem Land ohne Hoffnung. Kränze aus getrockneten Knoblauchknollen hingen über den wenigen Fenstern. Den einzigen Hinweis auf Leben bot der Rauch, der hier und dort zum Nachthimmel aufstieg. Ein vager Geruch von Eisen und Holzkohle lag in der feuchten Luft; vermutlich befand sich eine Schmiede in der Nähe, darin unbeaufsichtigt die Reste eines Feuers. In Zeiten wie diesen ließen die Leute bei Sonnenuntergang alles stehen und liegen. Bewegung weckte Magieres Aufmerksamkeit. Zwei fröstelnde Gestalten liefen über den matschigen Weg, gehüllt in zerfranste Lumpen, unter denen schmutzige Haut zum Vorschein kam. Geistesabwesend steckte Magiere ihr Messer in die Scheide und zog sich dann ihren warmen Umhang enger um die Schultern. Die Gestalten eilten zum Friedhof und hielten ihre Laternen so, dass der böige Wind sie nicht auspustete. »Hallo«, sagte Magiere mit ruhiger Stimme. Beide zuckten zusammen und wirbelten zu ihr herum. Schmale, von Leid gezeichnete Gesichter wandten sich ihr besorgt zu. Die eine Gestalt wich zurück, und die andere hob eine Heugabel. Magiere blieb still stehen und gab ihnen Gelegenheit zu erkennen, wer sie war. Doch ihre Hand schloss sich etwas fester um den Stock. Die Mentalität dieser Leute zu verstehen, darin bestand ein großer Teil ihrer Arbeit.


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Vampire
Urban Fantasy - Historic -  Thriller/Krimi
Zusammen mit dem Halbelf Leesil und seinem intelligenten Hund Chap reist Magiere durch die Lande und verdient Geld durch ein kleines betrügerisches Spiel: Sie schürt die Angst der abergläubischen Dorfbewohner vor Vampiren und gibt vor, eine Jägerin zu sein. Gegen horrende Bezahlung überwältigt sie dann den als Vampir getarnten Leesil und verschwindet wieder. Mittlerweile eilt ihr ihr Ruf voraus, doch eigentlich hat Magiere genug von diesem Leben. Sie möchte sesshaft werden und hat sich entschlossen, in dem Hafenstädtchen Miiska eine Taverne zu übernehmen. Auf der langen Reise dorthin geschieht es eines Tages, dass sie von einem seltsamen, sehr starken Mann angefallen werden, der übermenschliche Kampffähigkeiten zu haben scheint. Als sich Magiere ihm gegenüberstellt, merkt sie zum ersten Mal, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Sie gerät in eine Art Kampfrausch und ihr Amulett und ihr Dolch reagieren magisch. Auch der Hund Chap scheint anders zu reagieren als sonst. Als sie Miiska erreichen, beziehen Leesil und Magiere sofort die gemütliche Taverne und nennen sie "zum Seelöwen". Doch der so friedliche Neubeginn soll nicht lange während. Magiere weiß nicht, dass sie auf dem Weg einen Vampir getötet hat, der zur Gruppe der in Miiska versteckten Vampire gehörte. Deren Anführer Rasheed weiß sofort, dass nun eine Jägerin zugegen ist. Er ist überzeugt, dass sie unverzüglich Jagd auf ihn, seine Gefährtin Teesha und Rattenjunge machen wird. Rasheed will sich dem Kampf stellen und Magiere und Leesil töten. Magiere selbst weiß davon nichts, doch schnell begreift sie, dass in dem schönen Städtchen böse Dinge geschehen: nachts verschwinden Menschen oder werden mit zerrissener Kehle aufgefunden. Obwohl sie nichts lieber will, als ihrem Alltag in der Taverne nachzugehen, beginnt sie, den blutigen Spuren zu folgen.

Nachdem das Buch lange bei mir im Regal auf seinen Einsatz gewartet hat und ich keine Lust auf Fantasy hatte, wurde ich letzten Endes doch sehr positiv überrascht. Dhampir Halbblut ist ein sehr ausgewogener, perfekt durchgeplanter Fantasyroman mit einem sehr angenehmen Schreibstil und sympathischen Hauptcharakteren. Natürlich ist es aber immer noch ein Fantasy-Roman. Das bedeutet, es ist ein getragener, ausschmückender Schreibstil, eine Handlung in einem mittelalterlich anmutenden Fantasieland und relativ altmodische Sprechweise, Waffen etc. Und dann ist es auch Fantasy-typisch ein "Roadmovie", eine Geschichte eben wie eine Saga, langsam heranrollend und auf viele Teile angelegt. Zum Glück verzichtet Barb Hendee auf diesen gemächliche Schreibstil und präsentiert eine spannungsgeladene, temporeiche Geschichte, die sich nicht mit langen Landschaftsbeschreibungen etc. aufhält. Magiere und Leesil sind ein interessantes Duo mit deutlich herausgearbeiteten Stärken und Schwächen. Sie ist keine Heldin wie sie im Buche steht, sondern konfliktbehaftet, stur, verschlossen und düster. Auch der Halb-Elf Leesil hat seine dunkle Seite und einiges an Entwicklungspotential. Nicht zuletzt ist auch der Hund Chap Teil der Truppe und bringt immer wieder frischen Wind. Auch sehr gelungen ist der ständige Wechsel der Erzählperspektive. Er führt nicht zu Verwirrung, sondern beleuchtet alle Parteien, sowohl "Gut" als auch "Böse" genau und gibt jedem die Chance, sich zu rechtfertigen. Auch die Vampire sind nicht nur böse, sondern bekommen genug Raum um Persönlichkeit zu entwickeln. Schwerpunkt liegt deutlich auf Magieres Suche nach den Vampiren in Miiska und auf ihrer eigenen Veränderung bzw. Realisierung, dass sie ein Dhampir ist. Die Autorin kann gezielt Spannung erzeugen und hält diese auch bis zum Showdown am Schluss. Ein wenig gefehlt hat mir die Romantik in diesem Buch. Bei solch einem Erzähltalent und so wunderbaren Figuren kann man doch perfekt eine Romanze entwickeln. Richtige Erotik würde hier nicht unbedingt reinpassen, aber insgesamt fallen viele Szenen sehr sehr kühl aus. Teils werden sehr blutige Handlungen fast schon fatalistisch hingenommen und Magiere funktioniert machmal wie eine Maschine. Da hätte ich mir etwas mehr Herz gewünscht. Ansonsten aber präsentiert sich der erste Teil der Serie in einer wunderschönen Aufmachung im Egmont Lyx Verlag mit tollem Coverbild. Der Preis von EUR 13,95 hat sich allerdings gewaschen.

Fazit
Spannender, gut inszenierter Auftakt einer Fantasy-Serie mit viel Potential.
















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