


Auf ihrer Suche
nach Leesils Eltern führt die Reise Magiere, Wynn, Chap und Leesil in das Hoheitsgebiet des grausamen Lord Darmouth. Der kriegerische Herrscher hielt Leesils Eltern gefangen und erpresste so Attentäterdienste von ihnen und auch von Leesil selbst. Er selbst floh damals ohne über das weitere Schicksal seiner Eltern gewusst zu haben, die auch ihrerseits versuchten, Darmouth zu entkommen.Bereits kurz nach ihrer Ankunft müssen die Freunde erkennen, dass die Provinz im Krieg mit allen Nachbarländern liegt und Lord Darmouth von Verrätern und Feinden bedroht wird. Obwohl Leesil den Mann abgrundtief hasst, weiß er, dass er die einzige Spur zu seinen Eltern ist.
Sie alle wissen nicht, dass die Vampire Welstiel und Chane immer noch auf ihren Fersen sind, Magiere hatte Chane vor den Augen der entsetzten Wynn getötet. Als sie in Byrds Gasthof einkehren und sich von dem alten Freund von Leesils Eltern Hilfe erwarten, gerät die Situation außer Kontrolle.
Lange, lange hatte
ich diese Serie beiseite gelegt um mich anderen Romanen zu widmen. Jetzt habe ich sie wiederentdeckt und bin begeistert vom Erzählstil und den fantastischen, farbig dargestellten Charakteren. Gleich zu Beginn: ohne Vorwissen hat man es schwer, in diesen Teil einzusteigen, doch wenn man Magiere und Leesil bereits kennt, rutscht man ohne langes Vorgeplänkel in ein sehr spannendes Abenteuer, das mit zahlreichen Wendungen und Überraschungen gespickt ist.Die ganze Saga ist ja wie ein großes Roadmovie aufgebaut und man begleitet Magiere und Leesil auf den unterschiedlichen Stationen ihrer Reise. In Blutsverrat geht es vorrangig um Leesils Vergangenheit und deren Aufklärung. Hatte man in den vorherigen Bänden nämlich immer gerätselt, wie Leesil zu dem wurde, der er heute ist, bekommen wir jetzt wohldosiert und erzählerisch auf spannendste Art präsentiert, wie sein früheres Leben tatsächlich aussah. Dabei beherrscht die Autorin das Stilmittel Szenenwechsel in absoluter Perfektion. Die Erzählperspektive wechselt häufig, zu Beginn eher gemächlich, am Ende permanent. Als Leser bekommt man das gesamte Geschehen aus jeder denkbaren Sichtweise präsentiert. Häufig passiert es aus Magieres oder Leesils Sicht, doch genauso wechselt man zu Wynn, Chane oder einem der vielen Nebenfiguren. Geschickt verflechten sich die Einzelschicksale, und man mag sich am Anfang fragen, wieso diese oder jene Person in den Fokus gerät, nur um am Ende herauszufinden, dass sie eine Schlüsselrolle einnimmt. Trotz der wechselnden Erzählperspektive ist der Leser nicht automatisch allwissend, alle Rätsel und Geheimnisse bleiben bis zur Auflösung am Ende gewahrt. Sehr gelungen ist die gleitende Grenze zwischen Gut und Böse, auch ein Blut trinkender Chane ist nicht durch und durch schlecht. Und Magiere hat selbst eine dunkle Seite, die immer häufiger aus ihr herausbricht. Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten und (manchmal wortwörtlich) ihre Leichen im Keller. Das Verhalten von Magiere und Leesil zueinander hat sich mit der Zeit verändert, ihre Verbindung ist tiefer geworden, doch längst sind nicht alle Missverständnisse und Probleme geklärt. Ihre Beziehung als Liebesgeschichte zu beschreiben wäre übertrieben, es gibt nur ganz wenige, kurze Szenen, in denen den beiden Privatsphäre gegönnt ist. Hauptaugenmerk liegt deutlich auf dem Erlebten, dem Handeln der Gruppe und den Aufgaben, die es zu bewältigen gibt. Die Autorin startet dabei so viele neue Handlungsstränge und entwickelt ihre Personen weiter, dass man gut erkennen kann: hier ist zwar am Ende der Seiten der Band vorbei, aber die große Story noch lange nicht.
Insgesamt ist diese Reihe weder moderne Urban Fantasy noch Romantasy, sie lehnt sich eher an die klassische Fantasy an. Ein mittelalterliches Setting und der ausgeschmückte Stil bestätigen das, Pathos und blumige, zähe Passagen fehlen aber gänzlich. Was mir besonders gut gefallen hat, war das Tempo, welches langsam gesteigert wird und die unglaubliche Übersicht, die die Autorin über ihre ganzen Handlungen und Personen haben muss. Gewöhnungsbedürftig ist die kühle, distanzierte Art, in der Emotionen und Beweggründe der Personen dargestellt werden. Kurze Sätze und schnelles Abblenden geben dem Leser nur eine vague Vorstellung davon, was wirklich in einer Figur vorgeht, da muss man sich den Rest wirklich selbst vorstellen. Anfangs habe ich mich schwer getan, Magiere und ihrem handlungsorientierten und etwas groben Naturell näher zu kommen, doch sie beweist immer mehr Charakterstärke und ich bin wirklich gespannt, auf was für ein Finale ihre Reise hinausläuft.




