Bitter enttäuscht und halb
dem Wahnsinn verfallen durch den
Betrug seiner Frau entkommt Thierry Durand den anderen Darkyn um
Michael Cyprien und reist nach Chicago. Er will den Anschlag auf die
junge Luisa aufklären, Alexandras ehemalige Patientin. So
glaubt
Thierry, seine Schuld wieder gut machen zu können. In Chicago
trifft er auf die zerbrechliche Jema, die als Tochter eines der
wohlhabendsten Museumsbesitzer der Region ihrer Aufgabe als
Archäologin nachgeht. Sie hat kein einfaches Leben: eine
schwere
Diabetes hat ihre Lebenserwartung auf knapp 30 Jahre reduziert und
jeder Schritt wird vom Arzt der Familie überwacht. Von der
übertriebenen Fürsorge ihrer Mutter eingeengt, geht
Jema
heimlich einer anderen Betätigung nach: sie spürt
für
das FBI Täter auf und setzt dazu ihre forensischen Kenntnisse
ein.
Als Thierry Jema zum ersten Mal sieht, ist er sofort von der sanften,
schönen Frau fasziniert. Wie es das Schicksal will, spielt
auch
sie eine Rolle bei der Suche nach Luisas Attentätern.
Unterdessen
hat Alexandras Bruder John dem Priesteramt entsagt und will sein Leben
neu beginnen. Er nimmt einen Job in einem Heim für obdachlose
Jugendliche an, doch es scheint ihm nicht zu gelingen, das Vertrauen
der haltlosen, traumatisierten Teenies zu gewinnen. Als Michael Cyprien
erfährt, dass John in Chicago ist, ist ihm klar, dass
Tremayne,
der Herr der Darkyn Johns Tod verlangen wird. Immerhin hat er einst zu
den Brüdern gehört, die im erbitterten Kampf gegen
die Darkyn
liegen.
Im
Bann der
Träume bietet sowohl eine Fortsetzung des ersten Teils als
auch
die Geschichte um Thierry und Jema. Die Autorin verbindet geschickt
Passagen mit bekannten Charakteren mit den neuen Inhalten aus Thierrys
bzw. Jemas Sichtweise. Hinter all dem steht der Kampf der Darkyn gegen
den fanatischen Glaubensorden, der die Ausrottung der Vampire
beschlossen hat. Alexandra hat mittlerweile die Rolle einer geachteten
Forscherin eingenommen und sucht weiter nach einem "Heilmittel". Ihre
Beziehung zu Cyprien ist nach wie vor stark emotional schwankend und
wirkte auf mich sehr unromantisch.
Im Vordergrund allerdings stehen der zum Wahnsinn neigende Thierry und
die zarte, kränkliche Jema. Auch wenn seine
Gewalttätigkeit
des öfteren zum Schein kam, fand ich Thierry nicht besonders
verrückt oder abschreckend. Die ganze Zeit hegt er schlimme
Selbstvorwürfe, da er den Betrug seiner Frau Angelica nicht
erkannt hat und sich an eine so reine und unschuldige Frau wie Jema
heranmacht. Trotz all dieser Zweifel packt er sie gleich beim ersten
Treffen und nimmt ihr Blut. Auch bei weiteren Begegnungen, die zu
Beginn alle in Jemas Träumen stattfinden, kann er sein
Verlangen
nach ihr kaum bezähmen. Wie auch im ersten Teil hatten die
erotischen Szenen etwas unpersönliches, unmenschlich-wildes an
sich, an das ich mich leider nicht so gut gewöhnen kann. Lynn
Viehl schafft kühle, distanzierte Charaktere mit stark
ausgeprägten Eigenschaften und lässt diese
aufeinander los.
Das dadurch entstehende Gefühlschaos wirkt aber seltsam leer
und
unbelebt. Ich konnte mich weder mit Jema noch mit Alexandra
identifizieren und ich finde nichts an dem fahrigen Thierry noch an dem
herrischen, arroganten Cyprien. Einzig der zurückhaltende
Suzerän Jaus konnte punkten, doch ihm fiel leider nur eine
beklagenswerte Nebenrolle zu. Zudem finde ich die Wortwahl der Autorin
häufig unpassend oder gar dem Ganzen ziemlich
abträglich.
Derbe Schimpfworte und Aussprüche wie Ficken sind
Geschmacksache,
tragen meiner Meinung nach nicht zu einem schönen Leseerlebnis
bei, egal wie salopp die Figuren dargestellt werden sollen. Lynn Viehl
ist auch überhaupt nicht zimperlich was peinliche,
entblößende, brutale oder blutrünstige
Darstellungen
angeht. Wie ein junges gestörtes Mädchen ihre eigenen
Exkremente im Bad überall hin schmiert - möchte ich
so etwas
lesen?
Auch wenn im Bann der Träume ausdrücklich KEIN
romantischer
Liebesroman sein will, gelingt es ihm jedoch nicht irgendetwas anderes
zu SEIN. Das fahrige Hin und Her zwischen männlichen und
weiblichen Figuren ist weder originell noch mitreißend und
ich
fand die schier wahllose Aneinanderreihung von Ereignissen oft
verwirrend oder ungeschickt. Die Autorin bemüht sich sehr,
ihren
Protagonisten das Image des gequälten Helden zu verleihen,
verrennt sich aber in geschmacklosen Details und zickigen Dialogen.
Wie schade eigentlich, so ein schönes, ruhig wirkendes Cover,
so
ein interessanter Ansatz der durchaus Potential hat. Ob ich den
nächsten Band noch lese weiß ich nicht.
Fazit
Krude, wirr-unterkühlte Fortsetzung, die man nur schwer ins
Romantasy Genre einordnen kann.
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