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Originaltitel


Dante Valentine: Sündenpfuhl
von Lilith Saintcrow

auf Deutsch erschienen im Januar 2010 im Egmont Lyx Verlag
415 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

übersetzt von Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler
ISBN-13: 9783802582974
ISBN-10: 3802582977




Leseprobe

Ich wartete bis nach dem Frühstück. Das Curry war fantastisch, extrascharf mit lockerem Reis, dazu gab es mehr von dem aromatischen Kaffee und jede Menge Eiswasser. Auch der Proteinshake hatte dazu beigetragen, meinen schlimmsten Hunger zu stillen, und ich fühlte mich wieder ein wenig besser. In meiner Tasche trug ich die übliche Dosis Tazapram mit mir herum, aber mein Magen schien, seit ich eine Hedaira war, eher noch widerstandsfähiger geworden zu sein. Alles, was essbar war, sah gut aus für mich; manchmal fragte ich mich, ob es überhaupt irgendetwas gab, das ich nicht in mich hineinstopfen konnte. Die meisten Nekromanten haben von Haus aus völlig unempfindliche Mägen, was für einen Haufen nervöser, neurotischer Primadonnen ziemlich erstaunlich ist. Seltsamerweise musste ich beim Essen an Emilio denken, den rundlichen Novo-Taliano-Koch in unserem Haus in Toscano. Er flehte mich immer regelrecht an, doch bloß zu essen, und betrachtete es als Beleidigung, wenn ich nicht jeden Tag so viele Kalorien zu mir nahm, wie er für notwendig hielt. Sobald ich an unser Haus dachte, dachte ich auch an Emilio und daran, wie er uns mit seinen pummeligen Händen zuwinkte. Er war einer der ganz wenigen Normalos, der nicht die geringste Angst vor mir zu haben schien. Offensichtlich hielt er mich für eine hübsche, verwöhnte, aber nicht allzu helle Tochter aus reichem Haus, die man sanft, aber energisch, dazu bringen musste, vernünftig zu essen. Eigentlich hätte mir das auf den Geist gehen sollen, aber eins musste man dem Mann lassen – kochen konnte er! Wir aßen wortlos. Japhrimel trank ein Glas trüben Rotwein, wahrscheinlich mehr aus Höflichkeit als aus irgendeinem anderen Grund. Lucas erkundigte sich nicht weiter nach meiner Nachricht, und ich überlegte die ganze Zeit, wie ich Japhrimel die Neuigkeiten am besten beibringen sollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sie so locker aufnehmen würde. Außerdem gab es da noch einiges, was wir zu klären hatten. Wie zum Beispiel, was der Schlüssel war und was zum Teufel eigentlich gerade abging. Nach dem Frühstück – für das Japhrimel wie üblich zahlte – verabschiedete sich Lucas, um nach oben zu gehen und ein bisschen zu schlafen. Und vermutlich auch, damit ich in Ruhe mit Japhrimel reden konnte, nachdem ich das ganze Frühstück über ziemlich einsilbig gewesen war. Ich starrte in meine Kaffeetasse und versuchte, die richtigen Worte zu finden. Japhrimel wartete. Seine grünen Augen funkelten. Normalos schienen nicht zu merken, dass er kein Mensch war. Psione dagegen sahen die schwarz- diamantenen Flammen, die sich durch seine Aura wanden, und konnten ihn als das einordnen, was er war: ein Dämon. Allerdings kein vollwertiger Dämon. A’nankimel. Ein gefallener Dämon. Seine Finger spielten mit dem Weinglas. Sein langer dunkler Mantel mit dem hohen Kragen glänzte in demselben Schwarz wie die lackierte Urne, in der ich einst seine Asche aufbewahrt hatte. Ich holte tief Luft, nahm meinen ganzen Mut zusammen und öffnete den Mund. „Japh, ich muss nach Saint City. Ich habe vorhin eine Nachricht von Gabe bekommen. Sie braucht mich.“ Japhrimel verarbeitete die Information, indem er in sein Weinglas starrte und schwieg.  


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Urban Fantasy
Dante steht immer noch unter Strom: sie hat dem Teufel persönlich das Versprechen gegeben, seine rebellischen Dämonen, vor allem Eve, zu finden und unschädlich zu machen. Nachdem Dante jedoch erfahren hat, dass Eve ihre eigenen Tochter sein soll, wehrt sie sich gegen diese Verpflichtung. Sie versucht mit allen Mitteln, Japhrimel davon zu überzeugen, die Jagd auf Eve sein zu lassen, doch der mächtige Dämon hüllt sich in Schweigen. Dante ist verzweifelt, sie will Japhrimel vertrauen und bei ihm sein, doch ständig gibt es neue Geheimnisse, die er vor ihr verbirgt. Vor allem das größte Rätsel, die Bewandnis um den Gefallenen und seine Hedaira, steht ständig zwischen ihnen. Dann eines Tages erreicht Dante ein Hilferuf ihrer besten Freundin Gabriele aus Saint City. Sofort entscheidet sich Dante, dorthin zu reisen und Japhrimel willigt ein. Zusammen mit ihrer Truppe bestehend aus dem Todlosen Lucas, dem Nekromanten Leander und dem Vampir McKinley fliegen sie von Ägypten nach Saint City. Dort erfährt Dante voller Schrecken, dass Gabe's Ehemann brutal ermordet wurde. Eine völlig aufgelöste Gabriele bittet Dante um Mithilfe bei der Rache und um Schutz für die gemeinsame Tochter. Voller Schuldgefühle, dass sie nicht früher eingreifen konnte, willigt Dante sofort ein. Eine gefährliche Jagd nach dem Mörder beginnt und Dante merkt, dass sie in ein großes Spiel aus Intrigen und Macht reingerutscht ist, in dem sie auf einmal die Mordverdächtige ist. Dann verschwindet Japhrimel spurlos und Dante ist auf sich allein gestellt.

Solangsam steuert die Handlung auf einen fulminanten Showdown zwischen Dante und Luzifer hin, und in Sündenpfuhl bietet die Autorin nochmals alles, was sie an Action, Spannung und Drama inpetto hat. Die Beziehung zwischen Dante und Japhrimel hat einen kritischen Höhepunkt erreicht und ist geprägt von zermürbendem Misstrauen und ständigem Schwanken zwischen unleugbarer Anziehungskraft und eisigem Schweigen. Dante möchte ihrem Gefallenen so sehr vertrauen, doch seine Andersartigkeit zeigt sich mehr denn je. Lilith Saintcrow präsentiert meisterhaft den inneren Konflikt der Hauptfigur in einer Romanze, die wohl bald keine mehr ist. Dante Valentine ist eine so komplexe, sich ständig selbst reflektierende Figur, dass sie sich oft selbst im Weg steht. In ihr ist so viel Zorn, so viel Unabhängigkeitsdenken und so viel Leid. Es scheint, als würde alles um sie herum zusammenbrechen, jeder, der ihr etwas bedeutet hat, stirbt oder verschwindet. Mit glasklarer Perfektion, einem üppigen, vor Adjektiven strotzenden Schreibstil und vielen Monologen stellt die Autorin Dante als eine zänkische, zweiflerische Kriegerin dar, die immer mehr der Gewalt anheim fällt. Das mag vielen Lesern überhaupt nicht gefallen. Ich muss sagen, die Entwicklung finde ich auch mehr und mehr kritisch. Dante verhärtet immer mehr, verliert die Ruhe, die sie durch Japhrimel erhalten hat und verfällt zusehends einer krank anmutenden Raserei. Jegliche Aussicht auf eine Basis mit Japhrimel scheint in weite Ferne gerückt, das hat mir nicht so gut gefallen. Mitunter ist das Buch nicht nur deswegen sehr anstrengend zu lesen, sondern auch aufgrund der übermäßig eingesetzten "Fremdwörter" und Situationsbeschreibungen. In Lilith Saintcrows synthetischer Zukunftswelt hat jedes Ding einen neuen Namen und oftmals werden ganze Satzkonstruktionen derart damit vollgepackt, dass es übertrieben wirkt. Was mich irgendwann genervt hat, ist die fast schon rituelle Wiederholung des Einflusses von Dantes Armband, Schmuck, ihrem Schwert etc. Auf quasi jeder Seite "bricht ihr fast das Handgelenk durch das Armband, welches sich unmenschlich eng zusammenzieht"....
Nichtsdestotrotz ist Sündenpfuhl ein packendes Thriller-Erlebnis, das seinesgleichen sucht. In einer Welt, in der keinem vertraut wird, in der überall Verrat und Krieg herrscht, kämpft sich Dante ihren Platz und weiß selbst nicht genau, wo dieser denn ist. Verstörend. Faszinierend. Nichts für zarte Gemüter oder gar Romantiker.

Fazit

Ein atemberaubend spannender vorletzter Teil der Serie mit undurchsichtigen Charakteren.
















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