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Originaltitel


Dante Valentine: Höllenritt
von Lilith Saintcrow

auf Deutsch erschienen im April 2009 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

übersetzt von Katrin Mrugalla und Richard Betzenbichler
ISBN-10: 3802581954
ISBN-13: 978-3802581953


Leseprobe

Die höhlenartige Öffnung der Lagerhalle sah aus wie der Rachen eines riesigen Tieres, und obwohl sie groß und luftig war, spürte ich, wie mir ein Anflug von Klaustrophobie die Kehle zuschnürte. Ich schluckte, schmeckte Kupfer und roch meine Panik – ein Gestank wie nasses Rattenfell. Wieso lasse ich mich immer auf solche Sachen ein? „Ach, komm schon, hilf mir, einen flüchtigen Kriminellen aufzuspüren, das ist doch so simpel wie das kleine Einmaleins, das haben wir schon hundertmal gemacht.“ Ja, klar.  Die Lampen flackerten, und die Dunkelheit wurde immer undurchdringlicher. Verdammte Firmenpolitik, vor lauter Geiz keine vernünftige Beleuchtung in ihren Lagerhallen anzubringen. Sie hätten doch wohl wenigstens die Neonröhren austauschen können!  Andererseits erwarten Firmen natürlich nicht, dass Kopfgeldjäger ihre Beute ausgerechnet in ihren Lagerhallen stellen; außerdem war mein Sehvermögen sowieso viel besser als früher. Wachsam und leise bewegte ich mich vorwärts. Meine ausgetretenen Stiefel glitten über den unebenen, rissigen Boden, meine Ringe strahlten ein gleichmäßiges, gedämpftes Licht ab. In der linken Hand hielt ich eine Glockstryke R4, mit der verkrüppelten Rechten stützte ich die Linke; ich hatte wochenlang trainieren müssen, bis ich mit ihr auch nur annähernd so zielsicher schießen konnte wie früher mit der Rechten. Und warum, mag man sich fragen, benutzte ich eine Projektilwaffe, wenn sich in meiner Ausrüstung zwei voll funktionstüchtige 40-Watt-Plaspistolen befanden? Weil Manuel Bulgarov sich in einem Lagerhaus voller Plastiktonnen mit reaktiver Farbe verschanzt hatte, wie man sie braucht, um die Unterseite von Gleitern einzusprühen. Deshalb.  Reaktive Farbe ist in der Regel nicht explosiv – außer in Interaktion mit einem Plasfeld. Ein Schuss aus einer Plaspistole kann ausreichen, um einen Brand auszulösen, und auch wenn ich jetzt viel widerstandsfähiger war als früher, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich einer molekularstruktur- schwächenden Feuersbrunst entrinnen könnte, die sich aus Hunderten – wenn nicht Tausenden – Tonnen von reaktivem Material speiste. Ein derartiger Ausbruch erreicht halbe Lichtgeschwindigkeit, bevor er seinen Höhepunkt überschreitet. Selbst wenn ich ihm entkommen und überleben sollte – Jace konnte das mit Sicherheit nicht, und er gab mir gerade vom anderen Ende der T-förmigen Kreuzung zweier Gänge Deckung, in denen eine blaue Tonne voller reaktiver Farbe neben der anderen stand.  Das hatte mir gerade noch gefehlt, ein Scheißkrimineller, der sich in einer Lagerhalle versteckte, die bis unter die Decke mit reaktivem Material vollgestopft war!  Jace’ hübsches, von blondem Haar eingerahmtes Gesicht wurde von Blut verunstaltet, das sogar fast seine dornige Zulassungs- tätowierung überdeckte, ebenso wie den immer größer werdenden blauen Fleck auf seiner linken Wange. Auch an der Schulter hatte er eine blutende Wunde. In eine Kneipenschlägerei verwickelt zu werden und dadurch unsere Beute aufzuschrecken – so hatte ich mir unsere Jagd nicht vorgestellt.  Jace’ blaue Augen waren klar und konzentriert, aber sein Atem ging ein wenig zu schnell, und ich konnte seine Erschöpfung spüren. Eine altvertraute Sorge wallte in mir auf, doch ich schob sie beiseite.


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WerwolfDämonscifiVampire
Urban Fantasy
Auch wenn sie es hinter ihrer unnahbaren Fassade zu versteckenen versucht: Dante trauert um ihren geliebten Dämon Japhrimel, der im Kampf gegen Santino gefallen ist. Um sich abzulenken, stürzt sich Dante von einem Kopfgeldjägerjob in den nächsten und gönnt sich weder Schlaf noch Freizeit. Als Halb-Dämonin verfügt sie jetzt über größere Kräfte und unerschöpfliche Energie. Immer an ihrer Seite ist ihr Ex-Freund und talentierter Schamane Jace, der ihrer mürrischen Laune mit Humor und Zuneigung trotzt. Dann eines Tages erhält Dante einen Anruf ihrer Freundin Gabe. Aufgewühlt bittet sie Dante, sofort zum Polizeirevier zu kommen. Dort wird Dante unwilligerweise in einen gefährlichen Fall verwickelt. Sie soll Gabe bei der Aufklärung einer brutalen Mordserie helfen, unter deren Opfer auch eine ihr bekannte Nekromantin ist. Anscheinend hat es der Täter auf Psione abgesehen. Am Tatort finden sie ein Pergament auf dem geschrieben steht "Erinnere dich an Rigger Hall". Damit beginnt der wahre Schrecken für Dante, denn Rigger Hall ist der Ort, an dem sie aufgewachsen ist und zur Nekromantin ausgebildet wurde. Leider waren diese Jahre geprägt von Folter, Psychoterror und der Angst vor dem perversen Direktor Mirovitch. Eigentlich wollte Dante all das vergessen und nie wieder hervorholen, doch sie muss etwas gegen die Morde tun.

Höllenritt knüpft direkt an die Ereignisse aus dem ersten Band der Serie an. Traumatisiert durch Japhrimels Tod, ist man als Leser doch etwas frustriert und skeptisch. Doch die rasanten und spannenden Ereignisse lassen kaum Zeit zum Nachdenken und man stürzt sich mit Dante in das nächste gefährliche Abenteuer. Wie gewohnt präsentiert sich die Geschichte in komplexen, ausgefeilten Worten mit vielen technischen Beschreibungen. Lilith Saintcrow benutzt viele Waffenbezeichnungen, futuristische Landschaftsbeschreibungen und fremden Slang um ihre Story von der Gegenwart abzuheben. Mittendrin ist Dante, die gegenüber dem ersten Teil etwas an Leichtigkeit verloren hat. Sowohl die Trauer um Japhrimel als auch die Unwissenheit über ihre neue Existenz als Halb-dämonin beherrschen immer wieder ihr Denken und lassen ihr keine Ruhe. Als dann auch noch die traumatischen Erlebnisse aus ihrer Kindheit ausgegraben werden, kann man wirklich Mitleid mit der Person Dante Valentine bekommen, denn die Autorin lässt sich wirklich leiden. Ab und zu grenzt es fast an Übertreibung, wenn Dantes Narben ständig wie Feuer brennen und sie beinahe in einen Schockzustand übergleitet. Überhaupt wünscht man sich die ganze Zeit wieder Japhrimel an ihre Seite, denn er wirkte sehr ausgleichend auf ihren chaotischen Charakter und gab der Sache etwas Stabilität. Nur Dante alleine ist für den Leser teilweise sehr anstrengend, denn sie kann keine Ruhe geben, keine Gefühle preisgeben und löst Konflikte gerne durch Aggressionen. Das macht den Kontakt mit ihrer Umwelt oft problematisch und es scheint keiner richtig an sie heranzukommen - inklusive dem Leser. Also habe ich das ganze Buch über gehofft, dass Japhrimel wieder zum Leben erweckt wird.  Insgesamt ist der zweite Teil meiner Meinung nach etwas schwächer, aber trotzdem noch sehr lesenswert. Auf der Rückseite des Buches wird "Romantische Liebe" als Schlagwort angegeben, und es gibt wohl nichts, was WENIGER charakteristisch für dieses Buch sein könnte. Es ist kein Liebesroman, noch weniger als der erste Teil, wenn das überhaupt geht. Höllenritt ist ein ziemlich brutaler, gut ausgearbeiteter Dark Fantasy Thriller mit viel Gewaltdarstellung und schonungslosen Überraschungen. Lilith Saintcrow beweist auch hier wieder, dass sie kein Problem damit hat, liebgewonnene Figuren einfach so steben zu lassen.

Fazit
Harte, actionlastige Fortsetzung.




















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