Weitere Titel der Serie

Originaltitel


Untot mit Biss
von Karen Chance

auf Deutsch erschienen im Nov 08 im Piper Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95


ISBN: 349229183X
EAN: 9783492291835
Übersetzt von Andreas Brandhorst


Leseprobe

Ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war, als ich die Todesnachricht sah. Der Umstand, dass mein Name darüberstand, bot einen klaren Hinweis. Allerdings konnte ich mir keinen Reim darauf machen, wie sie mich gefunden hatten und wer der Typ mit dem Sinn für Humor war. Antonio war nie ein großer Komiker gewesen. Ich wusste nicht, ob es daran lag, dass er nicht mehr lebte, oder daran, dass er schon immer ein griesgrämiger Mistkerl gewesen ist. Der Artikel nahm auf dem Monitor meines Büro-PCs den Platz des üblichen Reisebüro-Logos ein. Es sah nach einem Zeitungsausschnitt aus, den jemand eingescannt und dann zum Bildschirmhintergrund gemacht hatte. Als ich mich vor einer halben Stunde auf den Weg gemacht hatte, um mir einen Salat zu holen, war das Ding noch nicht da gewesen. Wenn ich nicht so ausgeflippt gewesen wäre, hätte ich mich vielleicht davon beeindrucken lassen. Es überraschte mich, dass Tonys Schergen überhaupt wussten, was ein Computer war. Ich suchte im Aktenschrank nach meiner Waffe, während ich die Beschreibung des grausigen Todes las, den ich an diesem Abend sterben sollte. In meiner Wohnung hatte ich eine bessere Waffe und außerdem einige weitere Überraschungen, aber es war vermutlich keine gute Idee, dorthin zurückzukehren. Eine Knarre bei mir zu tragen, wäre ein ziemliches Risiko gewesen, und deshalb begnügte ich mich mit einer Dose Pfefferspray in der Handtasche, für unangenehme Zeitgenossen auf der Straße bestimmt. Nach mehr als drei Jahren relativer Sicherheit stellte ich sogar die Notwendigkeit dafür infrage. Ich war nachlässig geworden und konnte nur hoffen, dass es mich nicht das Leben kostete. Meinem Namen folgte die Schilderung eines beklagenswerten Zwischenfalls, der mich, einen unbekannten Gewehrschützen und zwei Kugeln im Kopf betraf. Der Zeitungsartikel trug das Datum des nächsten Tages, aber das Ereignis sollte heute Abend stattfinden, um 20:43 Uhr in der Peachtree Street. Ich sah auf die Uhr. Zwanzig vor acht – man gab mir einen Vorsprung von einer Stunde. Das erschien mir zu großzügig für Tony. Vermutlich lebte ich nur deshalb noch, weil es für jemanden, der dauernd irgendwelche Leute umbrachte, zu einfach war, mich sofort um die Ecke zu bringen. In meinem Fall wollte er etwas Besonderes. Schließlich fand ich meine Smith & Wesson 3913 unter einem Prospekt, der für eine Seereise nach Rio warb. Ich fragte mich, ob das ein Zeichen war. Und wenn schon, ich hatte nicht genug Knete, um das Land zu verlassen, und eine pausbäckige, blauäugige Blondine wäre unter all den dunkelhäutigen Senhoritas bestimmt aufgefallen. Außerdem wusste ich nicht, ob Tony Verbindungen in Brasilien hatte. Auszuschließen war das nicht.Wenn man lange genug auf der Welt war, um sich daran zu erinnern, Michelangelo unter den Tisch getrunken zu haben, hatte man Zeit genug, Beziehungen zu knüpfen. Ich zog ein Päckchen Kaugummi aus dem Waffenfach in meiner Handtasche und schob die Smith & Wesson hinein. Sie passte so gut, als wäre sie dafür bestimmt, und dieser Eindruck täuschte nicht. Ich hatte die Waffe – meine erste – und drei solche Handtaschen vor fast vier Jahren gekauft, auf die Empfehlung eines FBI-Typen namens Jerry Sydell.

  Schund     mehr        geht so  
                   schlecht
                   als recht

WerwolfDämonVampire
Urban Fantasy

Cassandra, "Cassie", ist eine Seherin, sie hat unregelmäßige Visionen der Zukunft und Vergangenheit. Leider meist über sich anbahnende oder bereits geschehene Katastrophen. Das macht ihr Leben etwas stressig und gefährlich. Als Kind wurden ihre Eltern durch den Meistervampir Tony getötet, der Cassie dann entführte um sich ihre Kräfte für seine persönlichen, korrupten Geschäfte zu Nutze zu machen. Doch Cassie gelang es zu fliehen und seither verbirgt sie sich vor ihrem Entführer. Eines Tages jedoch erhält sie eine Todesdrohung und weiß sofort, dass sie erneut abhauen muss um ihr Leben zu schützen. Kurz möchte sie noch ihrem Freund und Mitbewohner Tomas Bescheid sagen, doch als sie in den Club kommt, wo er arbeitet, kommt alles anders. Die Vampire greifen an und voller Schreck muss Cassie mitansehen, wie Tomas selbst seine Identität als Vampir lüftet und Cassie seinerseits verschleppt. Sie findet sich vor dem Senat der Vampire wieder, der momentan in größeren Schwierigkeiten steckt. Anscheinend kam es zu mehreren Mordfällen bzw. Übergriffen auf die Meistervampire im Senat durch einen abtrünnigen Meister namens Rasputin. Dieser soll sich auch mit dem dunklen Kreis der Magier verbündet haben um mehr Macht zu erlangen. Der Senat der Vampire und die weißen Magier wollen dies unter allen Umständen verhindern. Cassie weiß zuerst nicht, was ihre Rolle dabei ist, sie denkt die ganze Zeit, dass Tony einfach seine Seherin gewaltsam zurück haben möchte. Ihr verzweifelter Fluchtversuch mithilfe ihres Geisterfreundes Billy Joe scheitert, doch Cassie gelingt es, einen Bruchteil ihrer dunklen Vergangenheit zu entdecken: anscheinend waren ihre Eltern doch nicht menschlich und normal, sondern gehörten auch der magischen Welt an. Anhand von machtvollen aber verwirrenden Visionen und den Gesprächen mit den Vampiren und dem Magier erfährt Cassie bald, dass ihre Aufgabe bzw. ihr Schicksal verzweigter und schwieriger ist als gedacht. Kann es sein, dass sie der Nachkomme der antiken Seherin Kassandra ist, der die Macht gegeben wurde, das Schicksal der Welt zu beeinflussen? 


Es war schon gar nicht so einfach, eine Inhaltsangabe für dieses Buch zu schreiben. Es steht wohl gerade an der Grenze zwischen komplexer Dark Fantasy und absolut verwirrtem Genre-Mix. Zuerst einmal sind sowohl das Coverbild als auch der Buchtitel inklusive Klappentext total missverständlich. Von sexy und humoriger Romance kann ja wohl gar keine Rede sein. Und Untot mit Biss hört sich eher nach einem Titel für Autorin wie Lynsay Sands oder Charlaine Harris an. Der Klappentext reißt nur kurz Cassies Fähigkeiten an und entwirft eine lockere Story, bei der sie sich mit einem sexy Vampir verbünden muss. Hä? Untot mit Biss ist keine einfache Lektüre für zwischendurch. Man braucht Geduld und viel Aufmerksamkeit um sich da durchzuwurschteln. Der Schreibstil der Autorin ist verwinkelt, holperig und gespickt mit ungebräuchlichen Worten und Wendungen. Entweder da ist etwas mit der Übersetzung mächtig schief gegangen oder sie wollte sich tatsächlich so kompliziert ausdrücken. Viele Passagen werden durch ausschweifende Detailbeschreibungen von Gegenständen oder Möbeln in die Länge gezogen und es scheint die Zeit still zu stehen. Dann passiert wieder unglaublich viel gleichzeitig und es fällt schwer, den roten Faden zu erkennen. Das Buch an sich ist fast ein Kammerspiel, es gibt wenige Schauplätze und fast nur ausladende Dialoge bei denen unzählige Personen anwesend sind. Der ständige Wechsel zwischen Visionen, Monologen, Dialogen von Cassie und anderen, Dialogen mit ihrem Geisterfreund, den die anderen nicht hören können und Rückblicken in die Vergangenheit mag manchen Leser überfordern oder die Lust verlieren lassen. Es gibt einige sehr vernichtende Kritiken über dieses Buch, die ich auch nun nachvollziehen kann. Mein Hauptkritikpunkt ist noch nicht einmal die absolute Flut von Fantasy-Elementen und Kreaturen, die hier wild gemixt werden; nein, wirklich schade ist, dass die Charaktere so unausgereift sind. Selbst Cassie ist wirr dargestellt und geht in ihrer Person völlig im chaotischen Geschehen unter. Alle anderen Wesen um sie herum, auch die Vampire, die anscheinend eine wichtigere Rolle spielen sollen, sind nur angekratzt und bleiben blass und seltsam fremd. Trotz umfangreicher und ständiger Interaktion bleibt ein kaltes Gefühl und man kann nicht richtig mitfiebern. Dazu kommt das Fehlen von sämtlichen romantischen oder auch nur freundschaftlichen Inhalten, alle Welt ist irgendwie böse oder verschlagen in diesem Roman. Es ist schwierig, Untot mit Biss mit anderen Urban Fantasy Titeln zu vergleichen. Alle anderen sind irgendwie zu locker und salopp um vergleichbar zu sein. Vom Pathos und der Komplexität her würde ich sogar eher Anne Bishops Schware Juwelen heranziehen. Es herrscht auch eine sowohl unterschwellige als auch gelebte Brutalität bei Karen Chance, die teilweise erschreckenderweise als normal legitimiert wird. So nimmt Cassie Tod und Verstümmelung, Folter und Bedrohung mit einem Gleichmut hin, der auf eine sehr abgebrühte Person hinweist. Doch will man so jemanden als Hauptfigur haben? Angesichts dieser Emotionslosigkeit wird die Story auf ein sehr oberflächliches Erzählniveau herabgesetzt und trotz der unglaublich vielen Fantasy-Elemente und akribisch ausgedachten geschichtlichen Hintergründe kommt kein Tempo auf. Nicht zuletzt finde ich es fast schon lächerlich, dass überall Wer-Ratten, Satyre, Vampire, Elfen, Feen etc. rumlaufen, und die Menschen davon noch nichts bemerkt haben sollen. Vor allem, weil viele wichtige Persönlichkeiten als Paranormale geoutet werden und Dracula himself quasi noch unter uns wandelt. Insgesamt ist das Buch leider zu bemüht, zu vollgestopft und zu herzlos geraten um wirklich gut zu sein. 


Fazit
Komplexe Dark Fantasy, mit leider unausgereifter Heldin und viel zu verwaschenem Inhalt.

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