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Originaltitel


Hinreißend untot
von Karen Chance

auf Deutsch erschienen im Mai 2009 im Piper Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3492291856
EAN: 9783492291859
Übersetzt von Andreas Brandhorst


Leseprobe

Man konnte nicht viel von einem Tag erwarten, der in einem Kasino begann, das voller Dämonen war und wie die Hölle aussah. Aber zu jenem Zeitpunkt dachte ich nur, dass ein Bordell mehr Spaß machen sollte, insbesondere eins für Frauen, mit einer Belegschaft aus attraktiven Inkuben. Doch die dämonischen Lover hingen nur an den Tischen rum, hielten ihren Kopf so, als litten sie an Migräne, und schenkten ihrer Gesellschaft keine Beachtung. Selbst Casanova mir gegenüber wirkte unglücklich. Seine Haltung war verführerisch – vermutlich reine Ange- wohnheit –, aber sein Gesichtsaus- druck war nicht so nett. »Na schön, Cassie!«, sagte er scharf, als einer seiner Jungs plötzlich zu weinen begann. »Sag mir, was du hier im Dante’s willst, und dann mach den Abgang! Ich muss mich ums Geschäft kümmern.« Er deutete auf drei alte Frauen, die auf Barhockern an der Theke saßen. Sie ließen den Satyr-Kellner dahinter an einer Stelle schrumpfen, an der er normalerweise ziemlich groß war. Es überraschte mich kaum, denn keine der Damen sah nach unter hundert aus, und ihr wichtigstes Attribut bestand aus schmierigem, verfilztem Haar, das schon bei der Geburt grau gewesen war und bis zum Boden reichte. Am vergangenen Abend hatte ich versucht, Enyos – ihr Name bedeutete passenderweise »Entsetzen« – Mähne zu waschen, aber das Hotelshampoo hatte die Sache kaum verbessert. Nach der Entdeckung einer halb verwesten Ratte unter dem linken Ohr hatte ich es aufgegeben. Immerhin lenkte das Haar von den Gesichtern ab und ließ einen Beobachter nicht sofort erkennen, dass die drei Alten zusammen nur ein Auge und einen Zahn hatten. Enyo versuchte gerade, das Auge von ihrer Schwester Deino (»Grauen«) zu bekommen, denn sie wollte sich den entsetzten Kellner ansehen. Unterdessen riss Pemphredo (»Angst«) mit dem Zahn eine Tüte Erdnüsse auf. Schließlich gab sie es auf, stopfte sich die ganze Packung in den Mund und kaute fröhlich und zahnlos. Ich hatte die Graien nur für Mythen gehalten,Tausende von Jahren vor dem Fernsehen von gelangweilten (und recht verschrobenen) Griechen erfunden. Doch das schien nicht der Fall zu sein. Seit kurzer Zeit befanden sich einige vom Vampirsenat, der Regierung aller nordamerikanischen Vampire, erworbene – na schön, gestohlene – Gegenstände in meinem Besitz, und ich hatte versucht, mehr über sie herauszufinden. Das erste Objekt, eine schimmernde kleine Kugel in einem schwarzen Holzkästchen, hatte zu glühen begonnen, als ich es berührte, und einen Lichtblitz später standen mir plötzlich drei Besuche- rinnen gegenüber. Es war mir ein Rätsel, warum die Drei gefangen waren, noch dazu im Allerheiligsten einer Vampir-Hochburg. Sie gingen einem echt auf die Nerven, waren aber nicht gefährlich und bedrohten nur meine Zimmerservice-Rechnung. Ich hatte die Mädels mitgenommen, weil die Alternative gewesen wäre, sie unbeaufsichtigt in meinem Hotelzimmer zu lassen. Für Frauen in ihrem Alter waren sie sehr unternehmungslustig, und bisher hatte ich alle Hände voll zu tun gehabt, sie beschäftigt zu halten. Ich hatte sie vor drei einarmige Banditen gesetzt und mich dann um meine eigenen Dinge gekümmert, aber natürlich waren sie dort nicht geblieben.


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WerwolfDämonVampire
Urban Fantasy
Nachdem Cassie sowohl den Senat der Vampire als auch den Magierzirkel gegen sich aufgebracht hat ist sie sowohl auf der Flucht als auch auf der Jagd. Auf der Jagd nach ihrer Konkurrentin Myra, die ihr den Posten der Pythia streitig machen will. Gleichzeitig versucht Cassie ihren "Ziehvater" und Meistervampir Antonio zu finden, um sich bei ihm für die Grausamkeiten an ihren Eltern zu rächen. Angesichts dieser Vorhaben erkennt Cassie, dass sie ohne Hilfe kaum weiterkommen wird. Als sie jedoch den Inkubus Casanove in dessen Bordell um Informationen bittet, werden sie durch einen Angriff der Magier unterbrochen und müssen fliehen. Cassie flüchtet zusammen mit dem Magier Pritkin, der sich überraschenderweise auf ihre Seite schlägt, zu dessen Freund und Inhaber eines magischen Tättowierstudios Mac. Hier muss Cassie erstmal realisieren, dass seit ihrer Kindheit ein mächtiger Zauber, genannt Geis auf sie wirkt. Damit ist sie an den Meistervampir Mircea gebunden und wird sich immer mehr von ihm angezogen fühlen. Cassie glaubt, dass dieser Zauber ihre Jungfräulichkeit bis zum Pythia Ritual erhalten sollte und Mircea mehr Kontrolle über sie gab. Wütend beschließt sie, alles zu tun um den Zauber los zu werden. Vorher müssen sie aber Myra und Antonio finden und diese haben sich ausgerechnet in das höchst gefährliche Feenland geflüchtet. Zusammen mit Pritkin, Mac und ihrem treuen Geistfreund Billy Joe versucht Cassie einen Plan zu entwerfen, wie sie möglichst schnell ihren Widersachern das Handwerk legen kann. Denn Myra bleibt nicht untätig: sie versucht, die Vergangenheit zu manipulieren.

Entgegen meinen Befürchtungen nach dem ersten Teil ist Hinreißend Untot wesentlich besser ausgefallen als erwartet. Es sind zwar immer noch die bekannten Schwächen vorhanden (völlig überladene Story, eine Vielzahl an kaum ausgefeilten Charakteren, wirre Szenenwechsel), doch es gelingt der Autorin mehr Tiefe und einen roten Faden zu erzeugen, der im ersten Band so gut wie überhaupt nicht zu erkennen war. Endlich weiß Cassie, was sie zu tun hat, und obwohl sie sich mit ihrer Rolle als Pythia immer noch nicht gut abfinden kann, ist sie immerhin meistens fähig, logisch und aktiv am Geschehen mitzuwirken. Im ersten Teil war all das von ihrer Verwirrung und Ablehnung derart gebremst, dass die Geschichte eher um sie herum stattfand als mit ihr. Das ändert sich nun. Cassie trifft Entscheidungen, Cassie fühlt und drückt das auch aus. Sie ist dem Leser jetzt viel näher als zuvor und man kann sich mit ihr halbwegs identifizieren. Nachdem man sich erstmal wieder an die komplexe Erzählweise und die von Paranormalem vollgestopfte Welt gewöhnt hat, beginnt die Story richtig spannend zu werden. Besonders gut gefallen hat mir der Aspekt mit dem Geis, der dramatische Wendungen und einige heiße Szenen beschert. Mircea ist ein gelungener Charakter, der noch viel Ausbaupotential hat. Überhaupt ist Cassie jetzt nicht mehr von abgeschirmten, gesichtlosen Personen umgeben, sondern schafft sich eine Gruppe von "Freunden", die näher beleuchtet werden und ziemlich interessant sind. Ein weiterer Pluspunkt ist der leise, zynische Humor der sich in viele Szenen einschleicht. Es scheint, als würde sich Karen Chance ab und zu selbst in ihren chaotischen Kampfszenen verwickeln und ob der Absurdität dieser Situationen in Komik ausbrechen. Das ist teils wirklich sehr amüsant und nimmt ein wenig die allzu heftige Ernsthaftigkeit. Wichtig zu sagen ist noch, dass es absolut unumgänglich ist, den ersten Teil gelesen zu haben, um den zweiten zu verstehen und auch Spaß dabei zu haben. Trotz sämtlicher Verbesserungen ist Hinreißend Untot immer noch kein lockerer Paranormaler Roman für einen Nachmittag und von Liebesroman so weit entfernt wie Ilona Andrews oder Jeanne C. Stein. Dennoch ganz für sich gesehen ein lesenswertes Nischenprodukt, an das sich deutsche Verlage hoffentlich öfter herantrauen.

Fazit
Komplexer, dichter Urban Fantasy Roman mit stark ausgeschmückter Story und einer sich entwickelnden Heldin.















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