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Colleen Gleason




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Das Buch der Vampire: Bleicher Morgen
von Colleen Gleason

auf Deutsch erschienen im Mai 2009 im Blanvalet Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-10: 3442372704
ISBN-13: 978-3442372706

übersetzt von Patricia Woitynek


Leseprobe

Seine Schritte waren geräuschlos, und dennoch merkte Victoria, dass er sich bewegte. Sie krallte die Hände in die Rinde der Eiche und presste den Körper gegen den Baum, als könnte er sie beschützen. Doch alles, was sie spürte, war seine raue Unnachgiebigkeit. Sie durfte nicht hierbleiben. Geduckt und die Finger um einen massiven Stock geklammert, löste sie sich aus dem Schutz des Baumes und tauchte ein in das flüssige Silber des Mondes. Unter ihren Stiefeln knackte ein Zweig, und sie flüchtete, erneut auf völlig lautlosen Sohlen, in den erstbesten Schatten. Sie hörte ihn atmen. Hörte das Echo seines Herzschlags. Es war ein lautes, gleichmäßiges, kraftvolles Hämmern, das durch ihren Körper pulsierte, als stamme es von ihrem eigenen Organ. Victoria lief weiter; ihr Rocksaum flatterte um ihre Knöchel, während sie auf der Flucht vor ihrem Verfolger davonhastete. Sie brach durch das Unterholz, hechtete von Baum zu Baum und sprang über abgebrochene Äste, als wäre sie eine Stute, der man die Zügel hatte schießen lassen. Die beharrlichen Schritte kamen näher, wurden schneller und schneller, während sie rannte. Ein Zweig schlug ihr ins Gesicht. Dornen krallten sich in ihre Röcke. Die Hand um den Stock geklammert, hastete sie durch das weiße Mondlicht, aber er folgte ihr noch immer, sein Herzschlag so gleichmäßig wie das Stapfen seiner Füße. Bevor sie sich dessen noch bewusst wurde, stolperte Victoria einen kleinen Abhang hinunter und landete platschend in einem Bach. Sie stützte sich auf ihren Stock, um nicht hinzufallen, während sie durch das hüfthohe Wasser watete. Doch ihre immer schwerer werdenden Röcke zogen sie nach unten und behinderten sie schließlich so sehr, dass sie kaum noch einen Schritt tun konnte. Als sie sich die sanfte Anhöhe auf der anderen Seite des Bachs hinaufkämpfte, ertönte hinter ihr ein zorniger Aufschrei. Victoria drehte sich um, und da sah sie ihn am gegenüberliegenden Ufer. Sie konnte sein Gesicht nicht ausmachen … aber seine Augen blitzten in der Dunkelheit, und die gesamte Körperhaltung verriet seine Wut und Enttäuschung. Doch er folgte ihr nicht. Überquerte nicht das fließende Gewässer.
Victoria schreckte mit wild klopfendem Herzen aus dem  Schlaf. Sonnenlicht fiel durch das Fenster, kein Mondschein.
Ein Traum. Es war nur ein Traum gewesen.
Sie strich sich über das schweißnasse Gesicht und schob die
Strähnen beiseite, die sich aus ihrem dicken Zopf gelöst hatten.

  Schund     mehr        geht so  
                   schlecht
                   als recht

Vampire
Thriller/Krimi - Romantic Fantasy - Historic
Nach dem Tod ihres Vaters und zwei Trauerjahren soll die junge, hübsche Victoria Gardella endlich ihr gesellschaftliches Debüt geben und sich einen reichen, adeligen Ehemann suchen. Victorias Mutter und ihre illustren Freundinnen reden von nichts anderem. Sie wissen nicht, dass Victoria auch noch ein anderes Debüt hat: das als Vampirjägerin. Ihre Tante Eustacia hat selbst dieses gefährliche Metier ihr ganzes Leben lang ausgeübt, doch nun verbietet ihr das Alter weitere Jagden. Auf ihrem ersten Ball muss Victoria einen Vampir pfählen, dann wäre die Mutprobe bestanden. Das schafft sie auch, und lernt bei dieser Gelegenheit gleich ihren Mitstreiter, den mächtigen Vampirjäger (Venator) Maximilian kennen. Der kühle, italienische Krieger ist ein Meister seines Fachs. Nach erfolgreicher Jagd erhält Victoria ihre vis bulla, ein Kreuz im Bauchnabel, dass ihre Kräfte gegen das Böse verstärkt. Ab sofort hat sie ihr Leben der Vampirjagd verschrieben, so wie viele Gardellas vor ihr. Dann lernt Victoria auf einem Ball den attraktiven und charmanten Marquis Phillip de Rockley kennen, der sich sofort sehr für sie interessiert. Seit der Kindheit kennen sie sich und Victoria ist sogleich von dem sanften und aufmerksamen Gentlemen eingenommen. Doch bald kommt sie in einen Gewissenskonflikt: kann sie gleichzeitig Venator und Ehefrau sein? Als die gefährliche Suche nach der Vampirkönigin Lilith beginnt, die nach einem geheimen Buch trachtet um die Herrschaft an sich zu reißen, muss Victoria zwischen Liebe und Pflicht entscheiden.

Bleicher Morgen ist ein ungewöhnliches Buch, das nicht auf den ersten Blick alles preisgibt, was es in sich birgt. Nach den ersten 20 Seiten dachte ich, einen Regency Liebesroman mit ein wenig aufgesetzter Vampirjagd vor mir zu haben und stellte mich auf Kitsch ein. Ab der Mitte wurde die abenteuerliche Handlung derart spannend, dass es wohl eher als Drama bezeichnet werden kann. Wo anfangs noch harmloses, hochgestochenes Geplänkel unter Adligen herrschte, bricht bald das emotionale Chaos aus und die Handlung spitzt sich auf einen gut geplanten Höhepunkt zu. Zu Beginn mag man den Kommentar auf der Rückseite von J.R. Ward "Dieses Buch wird Sie packen und nicht wieder loslassen" belächeln und sich fragen, wie die Autorin von Black Dagger so etwas lesen kann, aber das Lächeln wird einem aus dem Gesicht fallen. Hervorstechendstes Merkmal an diesem Buch ist, dass sämtliche Vampire böse, menschenfeindlich und tötungswürdig sind. Es gibt keine romantische Handlung zwischen Mensch und Vampir! Eigentlich ist das ja so gar nicht mein Geschmack und ist auch der Hauptgrund für die Abwertung. Was das Buch allerdings aufwertet, ist die super dramarturgisch durchdachte Handlung, die unterschiedlichen und gut dargestellten Charaktere und die schöne, zarte Liebesgeschichte zwischen Phillip und Victoria. Überraschende Wendungen in der Story und ein sehr ausgefeilter, feiner Schreibstil mit Sinn fürs Detail runden das Ganze ab. Also warum kein Toptitel? Achtung Spoiler: das Ende kommt sehr aprupt, fast schon brutal und enttäuscht jeden Romantik Fan. Die Abgeklärtheit, mit der Victoria an die Aufgabe des Venators rangeht, grenzt für micht teils schon an Gefühllosigkeit und das Motto "die Liebe siegt" wird hier von den Protagonisten keinesfalls vertreten. Es scheint mir unlogisch, dass eine so junge, unerfahrene Frau, derart kaltblütig Pflöcke in menschlich aussehende Vampire treiben kann und gleichzeitig an den Anforderungen der Gesellschaft und der Liebe scheitert. Es kommt zu gewalttätigen Szenen, die aber verharmlost werden, da es sich bei den getöteten "nur" um Vampire handelt. Als Verehrer dieser Spezies blutet da das Fan-Herz! Also nichts für romantische Vampirliebhaber, sondern eher für Leser, die einen historischen Krimi-Regency-Mix lesen wollen, in dem gnadenlos Jagd auf Vampire gemacht wird.

Fazit
Spannende Vampirjagd mit unterhaltsamen Wendungen, weit weg von Urban Fantasy.
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