Nachdem Wrath nun
König geworden ist, hat er ebenso viele Anhänger wie
Feinde innerhalb
der Vampirbevölkerung. Vor allem einigen Mitgliedern der
Glymera ist er
ein Dorn im Auge. Einer der Adligen plant ein Komplott und versucht
Rhevenge zur Ermordung des Königs anzustiften. Doch auch wenn
Rhevenge
als mächtiger Drogendealer und Besitzer des Clubs Zerosum
nicht gerade
eine weiße Weste hat, ist er gegenüber seinem
König loyal eingestellt.
Was ihm wirklich zu schaffen macht, ist seine grausame Abmachung mit
der sadistischen Sympathen-Prinzessin, die er jeden Monat sehen und
sexuell bedienen muss. Dafür hütet sie sein
Geheimnis, seine und Xhex
wahre Identität als Halb-Sympathen.
Bei einem seiner Klinikbesuche
um sich Dopamin zu beschaffen, das seine Sympathen-Seite
unterdrückt,
begegnet er der hübschen, einfühlsamen Ehlena, die
dort als
Krankenschwester arbeitet. Auch wenn sie vor ihm Angst hat,
übt Rhev
auf sie eine unglaubliche Faszination aus. Schon lange hat sich Ehlena
einen Ausbruch aus ihrem armseligen Leben, das sie der Pflege ihres
schizophrenen Vaters widmet, gewünscht. Doch kann sie sich auf
Rhevenge
einlassen?
Unterdessen plant Lash seine neue Karriere als
Rädelsführer der Lesser und schmiedet einen grausamen
Plan um seine
Machenschaften zu finanzieren und die Black Dagger Bruderschaft
endgültig zu vernichten.
Die Situation zwischen John und Xhex
bleibt ungeklärt, die beiden wissen, dass etwas Besonderes
zwischen
ihnen ist, doch Xhex kann und will sich nicht emotional auf John
einlassen. Er weiß nicht, dass sie Halb-Sympath ist. Als Xhex
Johns
Gefühle verletzt, wendet er sich wütend und
enttäuscht ab und versinkt
im Sumpf von Alkohohl und anonymen Sex.
Beth und Wrath machen eine
schwere Zeit durch, denn mit seinen administrativen Aufgaben als
König
mag sich Wrath nicht abfinden, er will mit seinen Brüdern auf
den
Straßen Caldwells kämpfen. Doch sein schwindendes
Augenlicht macht
diesen Wunsch immer mehr zunichte und er muss sein Leben umgestalten.
In
Racheengel und
Blinder König findet J. R. Ward wieder zu ihrer
alten Klasse zurück und
versetzte mich mit Rhevenges Story in absolute Begeisterung. Auch wenn
ich nach wie vor die Aufsplittung der Geschichte in immer mehr
parallele Handlungsstränge bedenklich finde, kann in den
beiden Teilen
jeder einzelne voll überzeugen. Selbst die Abstecher aus der
Sicht der
Lesser, in dem Fall Lash, fand ich spannend und gut positioniert.
Die
Autorin präsentiert sich nach wie vor in einem modernen, teils
wohl
schon post-modernen Alltags-Slang mit knackigen Dialogen, coolen
Sprüchen und interessanten, fantasievollen Metaphern. Ihr
Erzähltalent
ist großartig, die Figuren wirken lebendig und individuell.
Ich war
völlig hingerissen von der Geschichte zwischen Rhevenge und
Ehlena. Er,
der typische gequälte Held, verliebt sich trotz aller
Hindernisse in
die brave, zurückhaltende Ehlena, in der aber ein ungeahntes
Potential
und Kriegergeist schlummern. Die Annäherund dieser
unterschiedlichen
Charaktere und vor allem die prickelnden Liebesszenen sind
hocherotisch, mal explizit, mal romantisch, aber nie langweilig.
Natürlich muss es darauf hinauslaufen, dass Ehlena hinter
Rhevs
Geheimnis kommt und ein dramatisch-brutaler Showdown zeichnet sich ab,
aber zwischendurch durchläuft der Leser alle Hochs und Tiefs
einer
solch intensiven, extremen Beziehung und es war mir unmöglich,
das Buch
zur Seite zu legen.
Sehr gelungen sind auch die Szenen zwischen Wrath und Beth, deren
Beziehung mittlerweile aus der ersten großen Verliebtheit
raus ist.
Probleme stehen zwischen den beiden und es wird einfühlsam
dargestellt,
wie Wrath mit seinem schwindenen Augenlicht umgeht und was für
eine
Rolle seine Shellan bei dieser schwierigen Phase einnimmt. J. R. Ward
versucht in jedem ihrer Bücher einen "Rundumschlag" zu
kreieren, indem
sie jede bekannte Person zumindest kurz erwähnt oder ihnen
sogar ein
paar Seiten einräumt. Mit der Zeit werden ihre Romane auch
immer
dicker, denn je mehr dazu kommen, desto umfassender wird das Ganze.
Schön - aber etwas zu tränendrückerisch -
fand ich die Entwicklung von
Tohrment, der mithilfe des Engels Lassiter ins Leben
zurückgefunden
hat. Wirr und heftig dagegen kam mir die Konstellation Xhex - John vor,
diese ist geprägt von extremen Gefühlen und beinahe
unmenschlichen
Handlungen. Wenn verletzte Eitelkeit und das Gefühl, abgelehnt
worden
zu sein zu Racheakten führen, wie tief muss da die Liebe
verdrängt oder
vergraben worden sein? Diese komplizierte Sache wird aber im
nächsten
Teil ausführlich aufgerollt werden.
Insgesamt ein absolut
mitreißendes Leseerlebnis, für Fans
natürlich ein Muss, aber auch
Neueinsteiger werden begeistert auf den Black-Dagger Zug aufspringen
können. J. R. Wards Charaktere sind einfach etwas Besonderes
und so
lange sie sich nicht in zu vielen Handlungssträngen verzettelt
bzw. von
der aktuellen Entwicklung in Richtung Homosexualität bin ich
auch nicht
ganz so angetan, aber das ist natürlich Geschmacksache.
Fazit
J. R. Ward in Höchstform - ein toller Black Dagger Roman mit
einer faszinierenden Liebesgeschichte.
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