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Patricia Briggs



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Schatten des Wolfes
von Patricia Briggs

auf Deutsch erschienen im Juni 2009 im Heyne Verlag
490 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 345352540X
EAN: 9783453525405


Leseprobe

Der Wind war kalt, und die Kälte ließ ihre Zehen gefrieren. An einem dieser Tage würde sie wohl nachgeben und Stiefel kaufen müssen – zumindest, wenn sie nicht essen wollte! Anna lachte, steckte die Nase in die Jacke und trabte die letzte halbe Meile heim. Ja, ein Werwolf zu sein verlieh ihr größere Kraft und Zähigkeit, selbst in Menschengestalt, aber die Zwölf- Stunden- Schicht, die sie gerade bei Scorci’s hinter sich gebracht hatte, genügte, dass auch ihr die Knochen wehtaten. Man sollte annehmen, die Leute hätten an Thanksgiving Besseres zu tun, als zum Italiener zu gehen. Tim, der Restaurantbesitzer – ein Ire, kein Italiener, obwohl er die besten Gnocchi in Chicago machte – ließ sie Extraschichten übernehmen, aber insgesamt nicht länger als fünfzig Stunden in der Woche arbeiten. Der größte Bonus bestand in der Mahlzeit, die es in jeder Schicht gratis gab. Dennoch, sie fürchtete, einen zweiten Job annehmen zu müssen, um ihre Ausgaben bestreiten zu können: Das Leben als Werwolf, hatte sie festgestellt, war finanziell ebenso teuer, wie es persönlich Kraft kostete. Sie schloss die Haustür auf. In ihrem Briefkasten gab es nichts, also holte sie Karas Post und die Zeitung heraus und stieg die Treppe zu Karas Wohnung im Zweiten Stock hoch. Als sie die Tür öffnete, sah Karas Siamkatze Mouser sie nur kurz an, fauchte angewidert und verschwand dann hinter der Couch. Sie fütterte die Katze nun schon seit sechs Monaten, wann immer ihre Nachbarin nicht da war – und das passierte häufig, denn Kara arbeitete in einem Reisebüro, das Touren veranstaltete –, aber Mouser hasste sie immer noch. Von seinem Versteck aus schimpfte er, wie es nur Siamkatzen können. Seufzend warf Anna die Zeitung und die Post auf den kleinen Tisch im Essbereich und öffnete eine Dose Katzenfutter, die sie neben die Wasserschale stellte. Dann setzte sie sich müde an den Tisch und schloss die Augen. Sie wäre nur zu gern einen Stock höher in ihre eigene Wohnung gegangen, musste aber warten, bis die Katze gefressen hatte. Wenn sie Mouser allein mit seinem Fressen ließ, würde sie am nächsten Morgen eine Dose mit unberührtem Katzenfutter finden. Mouser konnte sie zwar nicht ausstehen, fraß aber nicht, solange nicht jemand dabei war – selbst wenn es sich bei diesem jemand um einen Werwolf handelte, dem er nicht traute. Normalerweise schaltete sie Karas Fernseher ein und sah sich an, was immer gerade lief, aber an diesem Abend war sie zu müde, um das auch nur zu versuchen, also faltete sie die Zeitung auf, um zu sehen, was geschehen war, seit sie vor ein paar Monaten das letzte Mal die Nachrichten gelesen hatte.  
Sie ging ohne großes Interesse die Schlagzeilen auf der ersten Seite durch. Unter immer noch lauten Beschwerden erschien Mouser und stakste verärgert zu seinem Futter.

  Schund     mehr        geht so  
                   schlecht
                   als recht
Werwolf
Urban Fantasy - Krimi/Thriller
Kurzgeschichte Alpha & Omega: Es ist erst drei Jahre her, seit Anna Latham die Wandlung zum Werwolf aufgezwungen wurde. Seitdem wurde sie in Leo's Rudel in Chicago permanent unterdrückt, gefoltert und vergewaltigt. In ärmlichen Verhältnissen lebend, hält sie sich als Kellnerin über Wasser. Sie weiß nicht, dass sie etwas Besonderes ist, nämlich ein Omega-Werwolf. Eines Tages motiviert sie ein Zeitungsbericht über den Tod eines Mannes, von dem sie wusste, dass er verwandelt worden war, endlich einmal etwas zu unternehmen und Anna ruft den Marrok Bran an. Der schickt sofort seinen Vollstrecker Charles und so treffen sich die beiden zum ersten Mal. Charles erkennt sofort, dass Anna Omega ist und sein Wolf erkennt sie als seine Gefährtin. Nun muss er sich aber dem Problem mit Leo's Rudel widmen.   Schatten des Wolfes: Nachdem Anna Charles mehr oder weniger freiwillig in seine Heimat Montana gefolgt ist, gestaltet sich ihrer beider Annäherung noch schwierig. Anna fühlt sich oft eingeschüchtert und fehl am Platz und kann meist die Angst vor erneuten Gewalttaten nicht unterdrücken. Charles versucht, seine besitzergreifende Natur zurückzuhalten um Anna mehr Freiraum zu geben. Sie zieht in Charles Haus in der Wildnis Montana's ein und ein beklemmendes Zusammenleben beginnt. Anna lernt das Rudel des Marrok kennen und erfährt nach und nach mehr darüber, was es bedeutet, eine Omega-Werwölfin zu sein. Plötzlich jedoch unterbrechen schreckliche Ereignisse das Kennenlernen: ein grausamer Mörder zieht durch die Berge und tötet scheinbar wahllos Touristen und Wanderer. Es könnte ein streunender Werwolf sein. Trotz seiner Verletzungen, die sich Charles in Chicago zugezogen hatte, muss er als Vollstrecker seines Vaters dem Mörder nachstellen. Es entscheidet sich, dass Anna ihn begleiten soll. Zusammen begeben sie sich in ein gefährliches Abenteuer.

Wie bereits angedeutet besteht das Buch aus der einleitenden Kurzgeschichte (ca. 100 Seiten) und der Hauptgeschichte Schatten des Wolfes. Nachdem man die grandiosen Bücher der Autorin über Mercy Thompson gelesen hat, ist für die neue Serie um Anna und Charles die Messlatte ziemlich hoch angelegt. Vom Schreibstil her wird man auch absolut nicht enttäuscht. Es sind klar strukturierte Sätze, eine ausgefeilte, niveauvolle Wortwahl und treffende Dialoge, die nach wie vor gefallen.  Allerdings ist Anna ein schwieriger Charakter, der nicht jedermanns Geschmack sein wird. Sie ist verschlossen, mächtig aber zurückhaltend, unsicher und oft verstört. Ihre brutale Vergangenheit macht ihr Probleme wenn es zu Annäherungen kommt. Körperlicher Kontakt ist ihr unangenehm. Dagegen ist Charles der typische dominante Werwolf, der bei all seiner Attraktivität und Stärke auch zur Zurückhaltung bereit ist. Diese Kombination ergibt die beliebte Mischung "schwaches Weibchen - starkes Männchen". Sehr reizvoll, aber irgendwie passt es nicht zu einer modernen Autorin wie Patricia Briggs. Vielleicht hat man aber auch nur die selbstbewusste Mercy im Hinterkopf und braucht Zeit, anderen weiblichen Hauptpersonen eine Chance zu geben.  Schwerpunkt der Story liegt auf der Thrillerhandlung, der Verfolgung des abtrünnigen Werwolfs und dem Roadmovie mit detaillierter Beschreibung des Hochlandes in Montana, das sich daraus ergibt. Zwischendurch wird die Beziehung zwischen Anna und Charles schrittweise weiterentwickelt. Spannung entwickelt sich aber erst so richtig im letzten Stück des Buches wenn es zum Showdown kommt. Vorher tendiert die Story teils etwas zäh dahinzusickern. Viele Szenenwechsel, Rückblicke und Monologe füllen Seiten ohne wirklich das Geschehen voranzutreiben.  Was daran jedoch erfreulich ist, dass man einen sehr genauen Einblick in das Rudel des Marrok erhält und auch einiges über Samuel erfährt, der ja in Mercys Welt eine große Rolle spielt. Man könnte es also als halbwegs gelungene Randgeschichte zu Mercy betrachten und wartet zufrieden auf den nächsten Teil, der vielleicht mehr Überraschungen beinhaltet.  
Fazit 
Ein nicht ganz so mitreißender, aber solider Werwolfthriller, der viel Hintergrundinfo zu Mercy Thompson liefert.

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