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Black Dagger Vampirträume
von J. R. Ward

auf Deutsch erschienen im Dezember 09 im Heyne Verlag
352 Seiten*, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN-10: 3453526376
ISBN-13: 9783453526372
Übersetzt von Astrid Finke


*auch hier wurde das englische Original leider wieder in zwei Teile gespalten und damit völlig unnachvollziehbar an einer spannenden Stelle auseinandergerissen...

Leseprobe

In ihrem Schlafzimmer im Obergeschoss des Hauses der Bruderschaft setzte sich Cormia auf den Boden vor ein Architekturmodell, das sie am Abend zuvor begonnen hatte, eine Schachtel Zahnstocher in der Hand, eine Schüssel Erbsen neben sich. Doch sie baute nicht weiter.
Wie lange sie schon einfach nur dasaß und den Deckel der Schachtel aufund wieder zuklappte, mochte die gütige Jungfrau wissen.
Auf, zu … auf, zu.
Ausgebremst und praktisch handlungsunfähig, spielte sie nun schon eine kleine Ewigkeit mit diesem Pappdeckel, ihr Daumennagel hatte die Klappe schon ganz dünn ge- schabt. Wenn sie nun nicht länger die Erste Partnerin des Primals war, dann gab es keinen Grund mehr für sie, auf dieser Seite zu bleiben. Sie erfüllte keine offizielle Funktion, und nach allen gültigen Regeln sollte sie im Heiligtum wohnen und mit ihren Schwestern meditieren, beten und der Jungfrau der Schrift dienen.
Sie gehörte nicht in dieses Haus und nicht in diese Welt. Das hatte sie noch nie. Sie wandte den Blick von der Zahnstocherschachtel ab und richtete ihn auf das Modell vor sich, musterte die einzelnen Bausteine und dachte an die Auserwählten und ihr Netzwerk von Aufgaben: von der Einhaltung des spirituellen Kalenders über die Verehrung der Jungfrau der Schrift und die Aufzeichnung Ihrer Worte und Ihrer Geschichte … bis hin zum Gebären von Black-Dagger- Brüdern und künftigen Auserwählten. Cormia sah ihr Leben im Heiligtum vor sich und hatte das Gefühl, einen Rückschritt zu machen statt nach Hause zurückzukehren. Und seltsamerweise machte ihr das, was sie am meisten stören sollte – nämlich, dass sie als Erste Partnerin versagt hatte – gar nicht so sehr zu schaffen.
Cormia warf die Zahnstocher auf den Boden. Beim Aufprall klappte die Schachtel auf und ein Haufen Hölzer flog heraus und landete kreuz und quer auf dem Teppich.
Tumult.
Unordnung.
Chaos.
Sie sammelte die Hölzer ein, räumte das Durcheinander auf und kam zu dem Schluss, dass sie dasselbe mit ihrem Leben tun musste. Sie würde mit dem Primal sprechen, ihre drei Roben packen und gehen. Als sie den letzten Zahnstocher in die Schachtel steckte, hörte sie ein Klopfen an der Tür. »Herein «, rief sie, ohne extra aufzustehen.
Fritz steckte seinen Kopf ins Zimmer.
»Guten Abend, Auserwählte, ich bringe eine Nachricht von der Herrin Bella. Sie fragt an, ob Ihr der Herrin zum Ersten Mahl auf ihrem Zimmer Gesellschaft leisten möchtet? «
Cormia räusperte sich. »Ich weiß nicht so –«
»Wenn Ihr gestattet «, murmelte der Butler.
»Doktor Jane war gerade bei ihr. Soweit ich informiert bin, warf die Untersuchung einige Fragen auf. Vielleicht würde die Gegenwart der Auserwählten unsere werdende Mahmen trösten? «

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Vampire
Urban Fantasy - Erotic Fantasy

Nachdem Phury zugestimmt hat, anstelle von Vishous die Rolle des Primal zu übernehmen, merkt er nun, dass er sich das alles leichter vorgestellt hat, als es tatsächlich ist. Cormia lebt nun in der Bruderschaft der Black Dagger, zurückgezogen in ihrem Zimmer und verschüchtert von den ganzen Eindrücken, die auf sie einstürmen. Phury traut sich nicht, ihr näher zu kommen und verkriecht sich in seine Hasch-Sucht und die Träume von Bella, die für ihn unerreichbar geworden ist. Immer öfter verliert er im Kampf seine Selbstbeherrschung und giert nach dem brutalen Morden. Sein labiler Zustand bleibt nicht unbemerkt. Parallel geschehen noch einige andere Sachen: John hat seine Transition durchgestanden und beginnt, seinen neuen Körper zu akzeptieren. Zusammen mit seinen Kumpels hängt er in der Diskothek Zero-Sum ab und schwärmt von der burschikosen Sicherheitschefin Xhex. Doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los.

Bellas Bruder und Inhaber des Zero-sum Rhevenge hat auch keine leichte Zeit. Seine wahre Existenz als Empath muss unter allen Umständen geheim bleiben und so lässt er sich sogar erpressen.
Aber auch Omega bleibt nicht untätig und feilt weiter an seinem Plan, die Black Dagger Bruderschaft zu vernichten. Anscheinend hatte Omega einen Sohn gezeugt, der aber bei anderen Eltern aufgewachsen ist. Jetzt will er ihn zurückholen um ihn in sein Imperium zu integrieren. Keiner erwartet, dass Omegas Sohn den Kriegern näher steht, als ihnen lieb ist.

Kaum war Blutlinien ausgepackt, schon hatte ich den Roman in den Händen und die ersten Seiten in Windeseile gelesen, noch ganz benebelt von der Begeisterung über Vishous Geschichte. Doch leider kann sowohl Blutlinien als auch Vampirträume nicht den hohen Erwartungen an einen J.R. Ward Roman genügen. Zwar genießt man den lockeren, treffsicheren Schreibstil mit erfrischenden Dialogen und tollen, gefühlvollen Wendungen. Doch irgendwie scheint die Autorin - hoffentlich nur kurz - ihre Linie verloren zu haben. Insgesamt macht die Story um Phury und Cormia nur ca. ein Viertel der beiden Teile aus. Den Rest der Seiten teilen sich die Sidestories um John, Qhuinn und Blaylock, diverse Schnitten zu Revhenge, und einiges zu den Lessern. Es gibt unzählige Szenenwechsel, sehr gemein gelegt, wie gewohnt, aber dieses Mal so willkürlich, dass laufende Handlungen bösartig abgeschnitten werden. Das hat mich teils recht geärgert und ich war versucht, vorzublättern. Klar ist das ein spannungserzeugendes Element, aber man kann es auch überstrapazieren. Man merkt, dass J. R. Ward wohl immer mehr will, immer mehr Hintergrundinfos über die Black Dagger Bruderschaft, immer mehr Endzeitstimmung im Krieg der Lesser gegen die Vampire und letztlich auch immer mehr - wie soll ich sagen - extreme sexuelle und moralische Konstellationen. So langsam kommt es mir vor, als müssten alle "Randerscheinungen" der Gesellschaft nacheinander durchexerziert werden. Vom sexsüchtigen Rhage über den geschundenen Zsadist bis zum SM-lastigen Vishous. Und was fehlt noch: Drogen. Durch die Kürze des Romans kann dieses komplexe Thema natürlich nur marginal thematisiert werden und es kommt einem vor, als stürze Phury in einen Drogenrausch aus dem er durch Cormia ebenso schnell wieder aufwacht.

Durch die ganzen Szenenwechsel und nebeneinander herlaufenden Themen kann die Liebesgeschichte zwischen Phury und Cormia gar nicht so richtig zur Geltung kommen. Es entwickelt sich keine Nähe, keine Romantik. Sex gibt es genug in diesem Buch, aber nicht so schön intensiv ausgelebt wie in den vorherigen Teilen. Natürlich ist Black Dagger Blutlinien und Vampirträume nach wie vor ein tolles Leseerlebnis mit faszinierenden Charakteren und einer fesselnden Story. Zum Schluss gibt es auch ein unerwartetes Wiedersehen... Trotzdem gefallen mir diese beiden Bände nicht allzu gut und ich hoffe, dass die Autorin beim nächsten Teil um Revhenge wieder ein wenig zu ihrem alten Erzählmodus zurückfindet und nicht noch mehr zerstückelte Häppchen bietet.

Fazit
Würdiger, dicht mit Informationen angefüllter Teil mit kleinen Schwächen.





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