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Originaltitel


Black Dagger Blutlinien
von J. R. Ward

auf Deutsch erschienen im August 09 im Heyne Verlag
350 Seiten*, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3453533062
EAN: 9783453533066
Übersetzt von Astrid Finke


*auch hier wurde das englische Original leider wieder in zwei Teile gespalten und damit völlig unnachvollziehbar an einer spannenden Stelle auseinandergerissen...

Leseprobe

Vor fünfundzwanzig Jahren, drei Monaten, vier Tagen, elf Stunden, acht Minuten und vierunddreißig Sekunden ... In Wahrheit versickerte die Zeit nicht unwiederbringlich in der Unendlichkeit. Bis unmittelbar zur jeweiligen Sekunde in der Gegenwart war sie formbar, nicht starr. Lehm, nicht Beton.
Wofür Omega dankbar war. Denn wäre die Zeit starr, dann hielte er jetzt nicht seinen neugeborenen Sohn in den Armen. Kinder zu haben, war eigentlich nie sein Ziel gewesen. Und doch vollzog sich in diesem Augenblick eine Wandlung in ihm.
"Ist die Mutter tot?", fragte er, als sein Haupt-Lesser die Treppe herunterkam. Komisch, hätte man den Vampirjäger gefragt, was für ein Jahr es seiner Einschätzung nach war, hätte er gesagt: 1983. Und damit hätte er auf gewisse Weise Recht gehabt.
Der Haupt-Lesser nickte. "Sie hat die Geburt nicht überlebt."
"Das tun Vampire selten. Eine ihrer wenigen Tugenden." Und in diesem Fall besonders rücksichtsvoll von ihr. Die Mutter zu töten, nachdem sie ihm einen solch guten Dienst erwiesen hatte, wäre ihm etwas rüde erschienen.
"Was soll ich mit ihrer Leiche machen?"
Omega sah seinem Sohn dabei zu, wie er ein Händchen ausstreckte und seinen Daumen umschloss. Der Griff war kräftig. "Wie eigenartig."
"Was denn?" Was er empfand, war schwer in Worte zu fassen. Oder vielleicht war das genau der Punkt: Er hatte nicht erwartet, überhaupt etwas zu empfinden. Sein Sohn war als Verteidigungsmaßnahme gegen die Prophezeiung des Zerstörers geplant gewesen, ein sorgsam kalkuliertes Manöver im Krieg gegen die Vampire, eine Strategie, um Omegas Überleben zu sichern. Sein Sohn würde seine Schlachten auf eine völlig neue Weise schlagen und diese Wilden ausrotten, bevor der Zerstörer Stück für Stück Omegas Wesen vernichtete, bis nichts mehr von ihm übrig war.
Und bis zu eben diesem Moment hatte der Plan fehlerfrei funktioniert - angefangen mit der Entführung einer Vampirin, die Omega besamt hatte, bis hin zu diesem Neuankömmling in der Welt.
Der Säugling sah ihn an, das kleine Mündchen bewegte sich lautlos. Er roch süß, aber nicht, weil er ein Lesser war. Plötzlich wollte Omega ihn nicht mehr loslassen. Dieser Junge in seinen Armen war ein Wunder, ein lebendiges, atmendes Schlupfloch. Omega war - im Gegensatz zu seiner Schwester - kein Akt der Schöpfung gewährt worden, doch die Fortpflanzung war ihm auch nicht verwehrt geblieben.
Zwar war er nicht imstande, eine völlig neue Spezies zu erschaffen; doch er konnte einen Teil von sich selbst in den Genpool einbringen. Und das hatte er getan.
"Meister?", sagte der Haupt-Lesser
Er wollte dieses Baby wirklich nicht abgeben, aber damit sein Plan funktionierte, musste sein Sohn bei seinen Feinden leben, musste als einer von ihnen aufgezogen werden. Er musste ihre Sprache und ihre Kultur und ihre Gebräuche kennen lernen.

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Vampire
Urban Fantasy - Erotic Fantasy

Nachdem Phury zugestimmt hat, anstelle von Vishous die Rolle des Primal zu übernehmen, merkt er nun, dass er sich das alles leichter vorgestellt hat, als es tatsächlich ist. Cormia lebt nun in der Bruderschaft der Black Dagger, zurückgezogen in ihrem Zimmer und verschüchtert von den ganzen Eindrücken, die auf sie einstürmen. Phury traut sich nicht, ihr näher zu kommen und verkriecht sich in seine Hasch-Sucht und die Träume von Bella, die für ihn unerreichbar geworden ist. Immer öfter verliert er im Kampf seine Selbstbeherrschung und giert nach dem brutalen Morden. Sein labiler Zustand bleibt nicht unbemerkt. Parallel geschehen noch einige andere Sachen: John hat seine Transition durchgestanden und beginnt, seinen neuen Körper zu akzeptieren. Zusammen mit seinen Kumpels hängt er in der Diskothek Zero-Sum ab und schwärmt von der burschikosen Sicherheitschefin Xhex. Doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los.

Bellas Bruder und Inhaber des Zero-sum Rhevenge hat auch keine leichte Zeit. Seine wahre Existenz als Empath muss unter allen Umständen geheim bleiben und so lässt er sich sogar erpressen.
Aber auch Omega bleibt nicht untätig und feilt weiter an seinem Plan, die Black Dagger Bruderschaft zu vernichten. Anscheinend hatte Omega einen Sohn gezeugt, der aber bei anderen Eltern aufgewachsen ist. Jetzt will er ihn zurückholen um ihn in sein Imperium zu integrieren. Keiner erwartet, dass Omegas Sohn den Kriegern näher steht, als ihnen lieb ist.

Kaum war Blutlinien ausgepackt, schon hatte ich den Roman in den Händen und die ersten Seiten in Windeseile gelesen, noch ganz benebelt von der Begeisterung über Vishous Geschichte. Doch leider kann sowohl Blutlinien als auch Vampirträume nicht den hohen Erwartungen an einen J.R. Ward Roman genügen. Zwar genießt man den lockeren, treffsicheren Schreibstil mit erfrischenden Dialogen und tollen, gefühlvollen Wendungen. Doch irgendwie scheint die Autorin - hoffentlich nur kurz - ihre Linie verloren zu haben. Insgesamt macht die Story um Phury und Cormia nur ca. ein Viertel der beiden Teile aus. Den Rest der Seiten teilen sich die Sidestories um John, Qhuinn und Blaylock, diverse Schnitten zu Revhenge, und einiges zu den Lessern. Es gibt unzählige Szenenwechsel, sehr gemein gelegt, wie gewohnt, aber dieses Mal so willkürlich, dass laufende Handlungen bösartig abgeschnitten werden. Das hat mich teils recht geärgert und ich war versucht, vorzublättern. Klar ist das ein spannungserzeugendes Element, aber man kann es auch überstrapazieren. Man merkt, dass J. R. Ward wohl immer mehr will, immer mehr Hintergrundinfos über die Black Dagger Bruderschaft, immer mehr Endzeitstimmung im Krieg der Lesser gegen die Vampire und letztlich auch immer mehr - wie soll ich sagen - extreme sexuelle und moralische Konstellationen. So langsam kommt es mir vor, als müssten alle "Randerscheinungen" der Gesellschaft nacheinander durchexerziert werden. Vom sexsüchtigen Rhage über den geschundenen Zsadist bis zum SM-lastigen Vishous. Und was fehlt noch: Drogen. Durch die Kürze des Romans kann dieses komplexe Thema natürlich nur marginal thematisiert werden und es kommt einem vor, als stürze Phury in einen Drogenrausch aus dem er durch Cormia ebenso schnell wieder aufwacht.

Durch die ganzen Szenenwechsel und nebeneinander herlaufenden Themen kann die Liebesgeschichte zwischen Phury und Cormia gar nicht so richtig zur Geltung kommen. Es entwickelt sich keine Nähe, keine Romantik. Sex gibt es genug in diesem Buch, aber nicht so schön intensiv ausgelebt wie in den vorherigen Teilen. Natürlich ist Black Dagger Blutlinien und Vampirträume nach wie vor ein tolles Leseerlebnis mit faszinierenden Charakteren und einer fesselnden Story. Zum Schluss gibt es auch ein unerwartetes Wiedersehen... Trotzdem gefallen mir diese beiden Bände nicht allzu gut und ich hoffe, dass die Autorin beim nächsten Teil um Revhenge wieder ein wenig zu ihrem alten Erzählmodus zurückfindet und nicht noch mehr zerstückelte Häppchen bietet.

Fazit
Würdiger, dicht mit Informationen angefüllter Teil mit kleinen Schwächen. 

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